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Freilandschweine: Sauwohl in der Fruchtfolge

Freilandschweine-Mast im grossen Stil gibt es in der Schweiz kaum. Doch Rudolf Steiner aus Vullierens VD ist mit diesem Betriebszweig seit 20 Jahren sehr erfolgreich. Er weiss, worauf es ankommt. Dennoch bereitet ihm die Zukunft Sorge.


Publiziert: 02.11.2019 / 06:00

Kurz & bündig

  • Die Schweine-Weide braucht nach der Nutzung eine Weide-Pause von zwei bis vier Jahren.
  • Rudolf Steiner mästet die Schweine während 4,5 Monaten.
  • Die Tageszunahmen betragen im Schnitt 800 g.
  • Die Hälfte vermarktet Steiner direkt. Die andere Hälfte geht über den Händler Linus Silvestri.
  • Der Zuschlag für die Freilandhaltung beträgt 1 Franken pro kg Schlachtgewicht.
  • Der tägliche Arbeitsaufwand beträgt pro 140 Schweine rund eine Stunde. 

In Vullierens VD, acht Kilometer nördlich von Morges, suhlen und graben die Freilandschweine von Rudolf und Caroline Steiner. Direkt neben der Strasse. Ein richtiger Hingucker in dieser ackerbaulich geprägten Region. Denn das Waadtland ist eine echte Kornkammer. Getreide und Ölsaaten bedecken fast 40 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche.

«Die Schweine sind unser Aushängeschild für die Direktvermarktung», sagt Rudolf Steiner. Der ausgewanderte Aargauer hat vor zwanzig Jahren mit der Freilandhaltung begonnen, mit einem Tunnel und 100 Schweinen. Heute sind es drei Tunnel à 140 Schweine und 2,5 Umtriebe pro Jahr.

In den Weidepausen erholt sich der Boden von den Schweinen

Die Freilandschweine sind in die Fruchtfolge integriert. Je nach Standort und Böden dauert die Nutzungspause zwei bis vier Jahre. Die Weidepausen sind nicht nur wichtig, damit sich der Boden wieder erholen kann, sondern auch wegen des Parasitendrucks.

«Wir entwurmen beim Einstallen – und nach 40 bis 50 Tage noch einmal», sagt Rudolf Steiner. Kostenpunkt: etwa 500 Franken pro Bucht. Plus zwei Franken pro Schwein für die Impfung gegen Rotlauf.

Steiner verkauft direkt und beliefert einen grossen Partner

Steiner hat sich in den Jahren ein gut funktionierendes Netz von Kunden aufgebaut. Die eine Hälfte der Schweine vermarktet er direkt an Privatkunden, Restaurants und kleinere Läden in der Umgebung. Die andere Hälfte geht über Linus Silvestri an die Metzgerei Jenzer in Arlesheim BL.

Diese Kombination aus Direktvermarktung und Grosskunde Silvestri sei ideal. «Braucht Silvestri mehr Schweine, können wir meistens auch mehr liefern», sagt Steiner.

Und wenn es weniger brauche, können sie wiederum mehr in der Direktvermarktung einsetzen und zum Beispiel Restaurants anbieten. Für den Mehrwert der Freilandhaltung bezahlt Silvestri dem Landwirt pro Kilo Schlachtgewicht 1 Franken Zuschlag auf den QM-Preis.

Die 24 bis 28 kg schweren Ferkel bezieht Steiner über Silvestri. Wenn es Abgänge gibt, dann kurz nach dem Einstallen. 1,5 bis 2 Prozent seien das. Ansonsten seien die Tiere sehr gesund. Den Tierarzt braucht Rudolf Steiner sehr selten für seine Schweine.

60 Tonnen Stroh für den Schweine-Komfort

Äusserst wichtig sei für die Schweine, dass man reichlich Stroh zu Verfügung stelle. «Das glaubt man im ersten Moment gar nicht, wenn man an Freilandschweine denkt», sagt Steiner. «Aber wir brauchen tatsächlich 60 Tonnen Stroh pro Jahr.» Wenn reichlich eingestreut ist, ertragen die Schweine problemlos Temperatur-Schwankungen.

Auch draussen neben dem Fressplatz streut Steiner ein. Weil sich die Schweine in diesem Bereich oft aufhalten, sei dort die Belastung für den Boden besonders hoch. Nach dem Ausstallen entfernt Steiner den Mist. Der Boden unter dem Stroh werde so kaum in Mitleidenschaft gezogen.

Ganz anders sieht es bei der Suhle aus. Dort werde der Humus regelrecht abgetragen. Deshalb zieht Rudolf Steiner in Betracht, ab 2020 ein Bassin zu installieren. «Die Schweine brauchen die Suhle, um sich zu kühlen», sagt Steiner. Ab 25 Grad sei sie vorgeschrieben. «Und die Suhle ist auch wichtig als Schutz vor Sonnenbrand», sagt Steiner.

Je nach Jahreszeit richtet der Schweine-Bauer die Tunnel anders aus. Im Sommer schaut er, dass der Schatten des Tunnels um die Mittagszeit auf den Fressplatz fällt. Und im Winter macht er es genau umgekehrt, damit es am Fressplatz angenehm sonnig und warm ist.

Für die Afrikanische Schweinepest heisst der Risiko-Faktor: Mensch

Das Thema Afrikanische Schweinepest ASP ist omnipräsent und Steiner sagt, dass er davor wirklich Respekt habe. «Nicht einmal wegen den Wildschweinen, da wird in der Schweiz ja sehr gut geschaut.»

Weil die Schweine bei Steiners im Freiland leben, kann es jederzeit vorkommen, dass ein Spaziergänger einem Schwein etwas füttert. «Und dort sehe ich die grosse Gefahr», sagt Rudolf Steiner, «dass ein Mensch, der das Virus in sich trägt, ein Schwein anstecken könnte.» Steiner hofft darauf, dass es in zwei bis drei Jahren einen Impfstoff gibt.

Mit dem Einstieg in die Freilandschweine-Haltung war Steiner vor zwanzig Jahren ein Pionier. Und auch heute gibt es nur eine Handvoll Landwirte, die im grossen Stil Freilandschweine halten, beispielsweise die Strafanstalt Witzwil BE.

«Die Fläche ist das Problem», sagt Steiner. Er habe das Glück, zu den 40 ha Eigenland zusätzlich 60 ha im Bewirtschaftungs-Vertrag zu haben. Denn für 50 Schweine muss eine minimale Fläche von einer Hektare einberechnet werden. Steiner hat drei Tunnel à 140 Schweinen. Bei 2,5 Umtrieben pro Jahr und den Anbaupausen von zwei bis vier Jahren kommt da eine grosse Fläche zusammen.

Untersaat im Getreide für raschere Beweidung

Damit Rudolf Steiner die Fläche nach einer Kultur möglichst schnell wieder als Schweine-Weide nutzen kann, macht er beim Getreide eine Untersaat mit der Mischung OH155 Nitra.

Die Luzerne in der Mischung bewährt sich für den Schweine-Bauer. «Wenn es mal wieder richtig trocken ist und sämtliches Gras verschwindet, ist die Luzerne die erste Pflanze, die wieder austreibt.»

Die Weide gibt Steiner nicht von Anfang an ganz frei. Er portioniert sie in zwei Parzellen und gibt die zweite Parzelle erst nach ein paar Wochen frei. Anders empfiehlt es das neue Merkblatt «Freilandhaltung von Schweinen». Dort wird die Parzelle idealerweise unterteilt und jede Woche eine neue Fläche dazugegeben. Das hängt aber auch davon ab, ob das Gras als Futtergrundlage dienen soll oder nicht. (siehe Kästchen)

Mit der Fütterung ist Rudolf Steiner sehr zufrieden: «800 Gramm betragen die durchschnittlichen Tageszunahmen». Er setzt ein Mischfutter von Granovit ein. Obwohl sich die Tiere mehr bewegen, brauche er kein zusätzliches Futter. Die Mastdauer beträgt 4,5 Monate bis zu einem Gewicht von etwa 100 bis 110 kg für die Schweine, die über Silvestri verkauft werden. «Die Schweine für die Direktvermarktung dürfen auch etwas schwerer sein», sagt Steiner.

Damit die Schweine gut fressen, brauchen sie unbedingt gute Tränken. Nippeltränken kamen daher für Steiner nicht in Frage, weil der Durchfluss zu langsam ist. Der Nachteil sei, dass die Tränkebecken täglich gereinigt werden müssen.

Tiefe Stallplatz-Kosten – hohe Arbeits- und Landkosten

«Ein sehr grosser Kostenpunkt ist der Ertragsausfall der Landfläche, die durch die Schweine besetzt ist und auf der ich keine Ackerkultur anbauen kann», sagt Steiner. Bei drei Mastgruppen à 140 Schweinen und 2,5 Umtrieben mästet der Landwirt etwa 1000 Schweine pro Jahr. Dafür benötigt er jährlich eine Weidefläche von 20 ha.

Die Kosten für die Einrichtung beschränkt sich im Gegensatz zu einem Schweinestall auf ein Minimum. «Was einschenkt, ist die Arbeit», weiss Rudolf Steiner.

In den zwanzig Jahren hat er die Arbeitsabläufe auf ein Maximum optimiert. So kommt er heute auf eine Stunde Arbeit pro Tunnel und Tag, also drei Stunden täglich. Diese setzt er ein für die Kontrolle der Einrichtung und Zäune, das Putzen des Fressbereichs und allenfalls zusätzliches Einstreuen.

Zusätzliche Arbeit verursacht das Zügeln der Einrichtung in eine neue Parzelle. Zügeln muss Steiner den Wassertank, die Holzböden beim Futterplatz, die Futter- und Tränkestationen, sämtliche Zäune und den Weidetunnel. Mit einem Teleskoplader fährt Steiner unter den Tunnel und hebt ihn vollständig an.

Das brauche rund 50 Stunden Arbeit und man müsse zu zweit sein, so Rudolf Steiner. Den Mist aus dem Tunnel und neben dem Fressplatz kompostiert er.

Futter bringt Steiner alle vier bis fünf Tage mit dem Futterwagen, und Wasser je nach Jahreszeit alle zwei bis vier Tage.

Im Zelt hat Steiner einen grossen Wassertank installiert. Die Wärme, welche die Schweine durch ihre Aktivität abgeben, genügt, damit das Wasser im Tank nicht gefriert. Mit dem Wasser aus dem Tank werden die Trinkstellen und die Suhle gespiesen.

Weide und Freilauf versus Klima und Emissionen

Viel Weide und Freilauf erhöhe das Tierwohl enorm, sagt Steiner, «aber es verursacht mehr Emissionen als in einem geschlossenen Stall, was negative Auswirkungen auf das Klima hat.»

Das bereitet ihm Sorgen: «Ich frage mich, ob ich nochmals zehn bis zwanzig Jahre die Schweine auf der Weide halten darf? Oder ob da plötzlich ein Riegel geschoben wird.»

Trotz dieser Unsicherheit überlegt sich Rudolf Steiner, wie er seinen Betrieb künftig ausrichten könnte. «Ich möchte noch mehr Wertschöpfung auf dem Betrieb generieren.» Steiner will die Direktvermarktung weiter intensivieren. Dazu braucht er einen grösseren Verarbeitungsraum. Denn das Portionieren, Abpacken, Anschreiben usw. geschieht auf dem Betrieb.

«Die Schweinehaltung ist eines», sagt Rudolf Steiner. «Aber damit das Fleisch auf dem Teller schmeckt, muss die Verarbeitung qualitativ genauso hochwertig sein.»

Ein weiteres Projekt ist die Haltung von Rindern. «Bei so vielen Grünflächen für die Schweine fällt auch einiges an Silage an», sagt Steiner. Die Rinder würden, wie die Schweine, optimal in den Betrieb und in die Fruchtfolge passen.

Betriebsspiegel «La Ferme en Croix»

Rudolf und Caroline Steiner mit Eliott, Hannah und Oliver, Vullierens VD

LN: 100 ha

Niederschlag: 880 bis 900 mm/Jahr

Produktionsform: ÖLN

Betriebszweige: Freilandschweine (2,5 Umtriebe/Jahr), Freiland-Mastpoulets (6-7 Umtriebe/Jahr), Direktvermarktung, Raps, Wein-
reben, Futtergetreide

Tierbestand: 3 × 140 Schweine, 150 Mastpoulets, 200 Leghennen

Kulturen: Getreide, Kunstwiese, Raps, Chicorée-Wurzeln, Zuckerrüben, Körnermais, Silomais, Reben

Arbeitskräfte: Rudolf und Caroline Steiner, Eliott Steiner, 1 Vollzeit-Angestellte, zwei Teilzeit-Angestellte

www.lafermeencroix.ch 

Neues Merkblatt «Freilandhaltung von Schweinen»

  • Wie erfüllt man die Anforderungen an Tierwohl und Umweltschutz?
  • Wie kann man arbeitswirtschaftlich und ökonomisch erfolgreich sein?

Diese und weitere Fragen beantwortet der neue Ratgeber vom FiBL, Bio Suisse und KAGfreiland.

www.dgrn.ch/freilandschweine

Linus Silvestri AG

Die Linus Silvestri AG in Lüchingen SG ist ein Nutztier-Handelsunternehmen im Bereich Weide-Rinder und Weide-
Schweine mit Wort/Bild-Marken wie:

  • Silvestri Alpschwein
  • Silvestri Freilandschwein
  • Silvestri Weiderind

Verkaufspunkte sind vor allem Spar, Jenzer Metzgerei, Migros und Coop.


www.lsag.ch

Jenzer Fleisch + Fleischkost AG

Die Hälfte seiner Freilandschweine verkauft Steiner über Linus Silvestri an die Metzgerei Jenzer. Diese ist auf Verarbeitung und Verkauf von Fleisch aus besonders artgerechter Tierhaltung spezialisiert. Das Familienunternehmen hat Standorte in Arlesheim, Reinach und Muttenz (alle Baselland).

www.goldwurst.ch

 

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