Das Kartoffel-Y-Virus (PVY) und das Blattrollvirus (PLRV) stellen für den Kartoffelanbau eine Bedrohung dar. Beide Viruserkrankungen werden durch Blattläuse übertragen, unterscheiden sich jedoch in ihrer Übertragungsweise: PVY ist nicht persistent, wird sehr schnell übertragen, aber nur für kurze Zeit.
PLRV hingegen ist persistent. Das bedeutet: Die Blattlaus ist nicht sofort infektiös, kann das Virus aber über einen längeren Zeitraum übertragen. Seit den 1990er-Jahren dominiert PVY in Europa. Seit Ende der 2010er-Jahre breitet sich das PLRV jedoch zunehmend aus, insbesondere in der Schweiz. Da es keine kurativen (vollständig heilende) Behandlungsmöglichkeiten gibt, stützt sich die Bekämpfung auf kombinierte vorbeugende Massnahmen. Mineralöle reduzieren die Übertragung von PVY, erfordern jedoch wiederholte Anwendungen. Mulchen reduziert Infektionen, indem es den Flug der Blattläuse stört, muss aber unbedingt mit dem Einsatz von Ölen kombiniert werden. Insektizide sind gegen PVY wenig wirksam und scheinen aufgrund der Entstehung von Resistenzen bei den Blattläusen auch gegen PLRV wenig wirksam zu sein.
Die Sortenwahl und das Management der Virusquellen bleiben unerlässlich. Ein neues, von Agroscope initiiertes Forschungsprojekt namens ViKaan zielt darauf ab, innovative Lösungen zu entwickeln, um die Ausbreitung dieser beiden Viren einzudämmen.
Kommentar von Christof Rüfenacht, Geschäftsführer Swisssem: Strenge Kontrolle bei Pflanzkartoffeln [IMG 2]
Vermehrungsbetriebe von Pflanzkartoffeln bewirtschaften rund 1450 ha, um den Schweizer Markt jährlich mit fast 22 500 Tonnen zertifiziertem Pflanzgut zu versorgen. Dieses darf keine sichtbaren Mängel aufweisen und keine Quarantäneorganismen (QO) wie beispielsweise Zystennematoden enthalten. Für regulierte Nicht‑Quarantäneorganismen (RNQO) gelten spezifische Auflagen: So gibt es beispielsweise für Stolbur keinerlei Toleranz.
Bei bestimmten Viruserkrankungen hingegen wird eine geringe Toleranz akzeptiert – dies erfordert jedoch besonders strenge Kontrollen während der gesamten Produktion. Die Produzenten kontrollieren ihre Parzellen mehrmals während der Vegetation und entfernen konsequent alle Pflanzen mit Virussymptomen. Anschliessend erfolgt eine systematische Probenahme: Pro Pflanze wird eine Knolle entnommen – insgesamt zwischen 200 und 300 Knollen. Schweizweit werden so nahezu 1000 solcher Proben aus den Vermehrungsflächen nach Changins geschickt.
Im Agroscope-Labor wird jede Probe analysiert, um die vorhandene Viruslast präzise zu bestimmen. Erst nach Abschluss all dieser Kontrollen und Laboruntersuchungen kann das Pflanzgut als zertifiziert zugelassen werden.