Kurz & bündig
- Urs Maier melkt 600 Schafe zwei Mal am Tag mit einem 36er-Melkkarussell.
- Dank des Melkkarussells dauert das Melken jeweils nur zwei Stunden.
- Die Aufzucht der Lämmer benötigt viel Zeit und Geduld.
- Der Betrieb produziert das ganze Jahr über Milch.
- Futtermischer und Futterbänder legen immer frisches Futter vor.
Schafe hatten Urs Maier schon als Kind fasziniert. Mit 21 Jahren übernahm er den elterlichen Betrieb auf dem Iselisberg bei Uesslingen TG und fing an, anstatt Kühe Milchschafe zu halten. Er kaufte im Jahre 2012 als einer der ersten Landwirte in der Schweiz ein Melkkarussell für Schafe. Damit kann er seine 600 Milchschafe in gut zwei Stunden melken.
[IMG 2]
Urs Maier arbeitet mit einem Melkkarussell mit 36 Plätzen
Etwa zehn Schafe befinden sich schon im Karussell, als der Melker in die Melkergrube steigt. Es sind diejenigen, die heute gelammt haben und deren Kolostrum Maier in einen separaten Behälter melkt.
Vor dem Melken gibt Mitarbeiter Jonas Gergeli den Schafen mit einem Trichter eine Kräutermischung ins Maul, die das Versäubern der Gebärmutter unterstützen soll. Dann setzt Maier die Zitzenbecher an und setzt das Karussell in Bewegung. Es kommen weitere Tiere auf die sich drehende Plattform. Da ein Dosierapparat automatisch jedem Schaf etwas Lockfutter in den Trog gibt, kommen sie freiwillig aus dem Wartebereich.
Wenn es zu schnell geht, stoppt der Melker das Karussell. Ein Display an jedem Melkplatz zeigt an, wie viel Milch die Schafe geben. Das Melken geht speditiv vor sich. Eine Umdrehung dauert etwa sieben bis acht Minuten. Dann sind jeweils 36 Schafe gemolken. Die gemolkenen Schafe gehen von sich aus zurück in den Stall. Ist der Warteraum leer, holt der Helfer die nächste Gruppe.
[IMG 3]
Ein Melksystem, so schnell wie ein Fliessband
Zum Melken im Karussell braucht es immer zwei Personen. «Wer allein melken muss, darf kein Karussell kaufen», bemerkt Maier. Muss es gleich so gross sein? «Es ist das kleinste Karussell für Schafe», erklärt Maier.
Es brauche genügend Zeit, um auch langsam melkende Schafe auszumelken und die Schafe bräuchten genügend Platz. Je kleiner der Radius des Karussells, desto enger müssen die Schafe stehen und desto weniger Platz bleibt für den Melker.
Der grosse Vorteil des Melkkarussells gegenüber einem Melkstand liegt in der Geschwindigkeit, in der sich die Herde melken lässt. «Es ist das schnellste Melksystem, denn es geht wie an einem Fliessband.»
[IMG 4]
Alle Lämmer werden geschöppelt
Die Monate Juli und August sind eine der Hauptlammzeiten. Die Lämmer kommen im Stall in der Gruppe zur Welt. Johanna Huber betreut sie: Die ausgebildete Landwirtin und Spezialistin für Kleinwiederkäuer schaut, welches Lamm zu welcher Mutter gehört und versieht es zur Erkennung mit einem Chip der Tierverkehrs-datenbank.
Dann bringt sie das Lamm in einen separaten Raum auf «Wägelchen», die sich leicht aus dem Stall nehmen und reinigen lassen. Es sind immer etwa fünf bis acht Lämmer zusammen. Am ersten Tag bekommen sie das Biestmilchgemisch der Mütter, die gelammt haben.
Um sicher zu sein, dass jedes Tier genügend Milch trinkt, schöppelt es die Landwirtin. Danach gewöhnt sie die Lämmer daran, die Schafmilch selbstständig an einem Eimer mit Nippeln aufzunehmen. Die Lämmer der «Säuglingsstation» benötigen eine zeitintensive Betreuung.
Nach fünf bis zehn Tagen bringt die Landwirtin die Lämmer in eine Grossgruppe zu 30 Tieren. Anstatt Schafmilch erhalten sie dann Kuhmilch an einem grösseren Fass. Denn Kuhmilch ist bedeutend günstiger als Schafmilch, die der Landwirt für etwa drei Franken je Kilogramm verkaufen kann.
[IMG 5]
Betriebsspiegel Iselisberg
Urs Maier, Uesslingen TG
LN: 70 ha
Bewirtschaftung: Bio
Tierbestand: 600 laktierende Milchschafe plus Nachzucht und Mast
Kulturen: 60 ha Grasland, je 5 ha Futtergerste und Silomais,5 ha Reben (verpachtet)
Arbeitskräfte: Betriebsleiter und drei Angestellte
www.soeinkaese.ch
Die Tränkeeinrichtung, ein Fass mit mehreren Nippeln, hat Maier zusammen mit der Lämmerbetreuerin aus blauen Mostfässern gebaut. Nach deren Namen Johanna Huber nennt Maier sie JoHu-Tränke. Huber säuert die Kuhmilch mit Joghurt an und gibt etwas Pflanzenkohle hinzu. Es ist ungewohnt, schwarze Milch im Fass zu sehen. Jährlich werden etwa 60 000 Liter Kuhmilch an die Lämmer verfüttert.
Die Tiere bleiben etwa vier Wochen im «Kindergarten», bis sie etwa 18 kg schwer sind. Danach kommen sie in Aufzucht- oder Mastbuchten. Auen, die wenig Milch geben, belegt der Milchschafhalter mit einem Suffolk Bock, also mit einer Mastrasse.
«Wir ziehen alle Lämmer auf», betont Maier. Die männlichen und die von der Zucht ausgeschlossenen, weiblichen Tiere kommen mit rund 20 kg Gewicht zur Ausmast auf dem eigenen Betrieb oder auf speziellen Mastbetrieben. Die zur Zucht ausgelesenen Tiere werden im Alter von gut einem Jahr gedeckt.
[IMG 6]
Zwei Schaf-Gruppen, zwei Hauptlammzeiten
Die Schafe lammen jedes Jahr einmal und bringen meistens zwei Lämmer zu Welt. Die Tragzeit beträgt etwa fünf Monate. Damit der Betrieb das ganze Jahr über Milch an die Molkerei Biedermann liefern kann, hat der Milchschafhalter seine Herde in zwei Gruppen unterteilt. Eine, die vor allem im Juli/August Lämmer zur Welt bringt und eine zweite, die hauptsächlich im Januar/Februar lammt.
Lacaune Schafe
Ursprünglich hat Urs Maier nur Schwarze Ostfriesen Schafe gehalten, aber seit 2008 paart er nur noch Lacaune Böcke im Natursprung an. Denn Laucaune Schafe lieferten mehr Fleisch, seien robuster und liessen sich besser in grossen Herden halten, lobt Maier ihre Vorteile.
Die Herausforderung liegt darin, den Brunstzyklus der Schafe so zu steuern, dass sie fast alle in diesen Zeiträumen lammen. Einfacher geht es bei denen, die im Winter lammen, da Schafe natürlicherweise im Spätsommer bockig werden. Verteilten sich die Geburten über das ganze Jahr, gäbe es mehr Arbeit zum Betreuen der Tiere.
Eine weitere Herausforderung besteht darin, die Tiere der beiden Gruppen zum Decken auseinander zu halten, denn die Auen werden zusammen gemolken. Sie sollen während etwa zehn Monaten Milch geben. «Wir züchten stark auf Persistenz», erklärt Maier. Die durchschnittliche Milchleistung liegt bei etwa 480 kg.
[IMG 7]
Fütterung mittels eines zentralen Mischers und Futterbändern
Die Schafe sind vor allem in zwei grossen Hallenställen auf Tiefstreu mit permanentem Auslauf untergebracht. Die richtige Zusammensetzung des Futters ist zentral für die Milchleistung. Zu 90 Prozent produziert der Betrieb das Futter selbst. 60 Hektaren sind Grünland, 5 Hektaren Silomais und 5 Hektaren Gerste.
Eine Besonderheit bildet der Anbau von Brennnesseln auf zwei Hektaren. «Es ist eine Proteinquelle wie Weissklee», erklärt Maier. Er gibt sie als Pellets in einen grossen, zentralen Futtermischer, von wo das Futter über Futterbänder zu den Tieren befördert wird. Ausserdem setzt er Brennnesseltee an und gibt diesen ebenfalls in die Mischung.
Während der Vegetationszeit dürfen die Schafe entweder am Tag oder in der Nacht auf die Weide. Der Landwirt legt vor allem Wert auf eine gute Gesundheitsvorsorge und wendet dazu auch natürliche Mittel wie Pflanzenextrakte, Pflanzenkohle und zum Teil auch homöopathische Stoffe an.
Im Sommer sorgen Grossraumventilatoren für einen Luftdurchzug und Abkühlung im Stall. Das regelmässige Ausbringen von Schlupfwespen beugt der Fliegenplage vor.
[IMG 8]
Trotz ähnlicher Futteransprüche sind Milchschafe nicht wie Kühe
Betreffend Futter haben Milchschafe ähnliche Ansprüche wie Kühe. Doch Landwirte, die von Kühen auf Milchschafe umstellen, müssen immer wieder feststellen, dass die Anforderungen der beiden Tierarten an den Halter sehr unterschiedlich sind. «Viele sind überfordert von der Schnelligkeit», stellt Maier fest. In einem Milchviehbetrieb werde zum Beispiel meistens nur ein Tier krank, bei den Schafen seien es oft gleich mehrere. Auch sind Schafe lebhafter als Kühe und lassen sich nicht so leicht treiben. Es braucht Helfer und unbedingt einen oder mehrere gute Hütehunde.
Wer Schafe, insbesondere Milchschafe, hält, muss die Ruhe bewahren können, wenn zum Beispiel Tiere ausreissen. Umsteiger sollten sich helfen lassen. Denn oft machten Kleinigkeiten, zum Beispiel bei der Melkeinrichtung, einen grossen Unterschied aus.
«Es geht nur, wenn man Freude daran hat», sieht Maier als das Wichtigste an. Milchschafe halten bedeutet eine Sieben-Tage-Woche, hohe Präsenzzeiten und manchmal geht es hektisch zu. Doch man muss auch Grenzen ziehen können und darf nicht nur «für den Betrieb leben».
Je intensiver die Tierhaltung wird, desto schwieriger wird es, diese Balance zu halten.
Beschränkung der Milchmenge
Die Molkerei Biedermann verarbeitet die Schafmilch zu pasteurisierter Trinkmilch und Joghurts. Schafmilch ist ein teures Produkt und lasse sich meistens nur im Bio-Kanal verkaufen, hält Maier fest. Auch ein Grund, dass er den Betrieb im Jahre 2008 auf biologischen Landbau umstellte.
Die Herausforderung des Milchschaf-Marktes liegt nicht daran, möglichst viel Milch zu produzieren, sondern nur so viel, wie der Markt nachfragt. Die Milchschaf-Betriebe, die mit der Molkerei Biedermann einen Vertrag abgeschlossen haben, bekommen deswegen Milchliefer-Rechte.
Kosten und Zuverlässigkeit des Melkkarussells
Das GEA-Melkkarussell kostete rund 200 000 Franken. «Es ist nie ganz ausgefallen», sagt Maier. Störungen liessen sich mit Hilfe des örtlichen Elektrikers beheben. Die Wartungskosten der Milchaggregate betragen pro Jahr 10 000 Franken. Maier beabsichtigt, das Melken mit einer guten Tiererkennung und einem Herdenmanagement ausbauen.