Wohin mit den Siloballenfolien? Aktuell werden von den 6000 bis 10'000 Tonnen an Folie, die jährlich in der Schweiz verwendet werden, nur rund 1800 Tonnen wiederverwertet. Ein Ansatz in Richtung mehr Nachhaltigkeit ist, Folien zu verwenden, die aus recyceltem Material stammen. Bruno Aemisegger von Aemisegger Agro-Bedarf setzt seit 2020 ein solche Folie ein. Er sagt, dass 2021 etwa 8000 bis 10'000 Ballen damit gewickelt werden und geht davon aus, dass in einigen Jahren die meisten Folien einen Anteil an recyceltem Granulat haben werden.

Der Verein ERDE baut das bestehende Sammelstellen-Netz aus

Das Ziel ist eigentlich, möglichst viele gebrauchte Ballenfolien dem Recycling zuzuführen. Dem nimmt sich nun der Verein ERDE Schweiz an. Das System soll an 1. Januar 2022 operativ werden: Wo und wie Landwirte in Zukunft ihre gebrauchten Siloballenfolien abgeben können oder ob diese zum Beispiel vom Lohnunternehmer wieder abgeholt werden, ist noch nicht ganz klar.

Sicher ist gemäss Vereinspräsident Kurt Röschli, dass das bestehende Netz an Sammelstellen von Innorecycling als Basis dient, ausgebaut und erweitert wird. Und klar ist für Bruno Aemisegger: «Das System muss billiger sein als die Entsorgung über die Kehrichtverbrennungsanlage!»

Kurt Röschli ist Geschäftsführer des Verbands Kunststoff.swiss und Präsident des neuen Vereins. Bruno Aemisegger ist mit Aemisegger Agro-Bedarf Gründungsmitglied. Er findet es sinnvoll, dass Röschli den Verein präsidiert: «Das macht den Verein glaubhaft, da Kurt Röschli keinem landwirtschaftlichen Interessenverband angehört.» Dafür habe er Kontakt zu den Recycling-Firmen im In- und Ausland.

Das ist einer der Knackpunkte: Das System des Vereins Erde beruht auf einer vorgezogenen Recyclinggebühr. Die Hersteller erheben die Gebühr und lassen sie den Sammelstellen zu kommen lassen. Das soll die Logistikkosten senken. Kommen grosse Folienmengen zusammen, bringt dies die Schweizer Recylingfirma Innorecyling an die Kapazitätsgrenzen. Deshalb ist der Verein auf Partner im Ausland angewiesen.

Hersteller und Lohnunternehmerverband machen beim Verein ERDE mit

Beim Verein sind bis auf wenige Ausnahmen fast alle Hersteller dabei. Diese werden für die Entsorgung zahlen, zudem machen die vier grössten Händler mit. An Bord ist auch der Lohnunternehmerverband sowie die Innorecycling mit dem bestehenden System RESI. Zudem unterstützt das Bundesamt für Umwelt das Vorhaben.

Noch nicht dabei ist der Schweizer Bauernverband. Hannah Hofer, Leiterin Energie und Umwelt, schreibt, dass der SBV zwar an mehreren Gesprächen teilgenommen habe. Die Gründung des Vereins sei jedoch ohne eine Konsolidierung der Grundlagen und ohne die vom SBV erwartete Transparenz bei den Zahlen erfolgt. Der SBV verfolge das Dossier aufmerksam und schliesse eine Mitgliedschaft nicht aus. Diese werde aber auf einer klaren Grundlage erfolgen, so Hofer: «Das neue Recycling-System darf nicht dazu führen, dass die Kosten auf die Landwirte abgewälzt werden, ohne zu einer Erhöhung der Recyclingquote zu führen.»

Die Fenaco Genossenschaft hat sich in den letzten zwei Jahren intensiv für eine praxistaugliche Lösung eingesetzt. Sie möchte die Recyling-Quote von Siloballenfolien erhöhen und eine für die LandwirtInnen auch unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten vertretbare Lösung. Sie begrüsst es, dass Industrie und Handel das Thema nun vorwärtsbringen. Die Fenaco-Tochter Läderach Agro Erntebindemittel ist deshalb Gründungsmitglied des Vereins.

Bruno Aemisegger als Händler schätzt, dass die Abgabe etwa 1 Franken pro Rolle betragen werde. Zum Vergleich: 2021 ist der Preis pro Rolle wegen den teureren Rohstoffen um etwa 30 Franken pro Rolle gestiegen. «Die Gebühr fällt gering aus, zudem kann der Verbraucher die Folie günstiger entsorgen», sagt er. Er geht davon aus, dass für die Landwirte keine Mehrkosten entstehen: Die Folie koste im Einkauf mehr, werde aber im Recycling günstiger.