Fenaco ist 2019 erneut gewachsen. Der Nettoerlös stieg um 3,5 Prozent erstmals in der Fenaco-Geschichte auf über 7 Mrd Franken. Die Fenaco Genossenschaft gehört damit zu den grössten Schweizer Unternehmen.

Zwei Drittel des Wachstums wurden aus eigener Kraft erzielt, ein Drittel steuerten Zukäufe bei. Zu diesem Wachstum haben alle vier strategischen Geschäftsfelder der Fenaco Genossenschaft einen Beitrag geleistet:

Dazu kommen noch 132 Mio Franken Erlös aus diversen Märkten, die keinem dieser vier Geschäftsfelder zugeordnet werden können wie:

Die Geschäftsfelder Agrar, Detailhandel und Energie konnten auch ihre operativen Betriebsergebnisse steigern. Einzig das Geschäftsfeld Lebensmittelindustrie vermochte nicht ganz ans Vorjahr anzuknüpfen.

«Grund dafür war der hohe Preisdruck auf Seiten der Abnehmer im Detailhandel und in der Gastronomie bei tendenziell steigenden Preisen für die Landwirte», erklärt Fenaco-CEO Martin Keller.

Fenaco ist mit 1,8 Mrd Franken Eigenkapital bereit für weitere Akquisitionen

Das Fenaco-Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank 2019 um 7,6 Prozent auf 121 Mio Franken, was primär mit einem Sondereffekt im Vorjahr begründet wird.

Das Unternehmensergebnis verringerte sich in der Folge um 15 Prozent auf 110 Mio, wobei 2018 zwei Immobilienverkäufe diese Kennzahl positiv beeinflusst hatten.

Mit 1,8 Mrd Franken Eigenkapital kann sich Fenaco weitere Akquisitionen leisten und «so manchen Sturm überstehen», wie Martin Keller betont.

Die Corona-bedingten Einbussen können Fenaco nicht gefährden

Der Fenaco-CEO erwartet 2020 Corona-bedingte Einbussen beim Nettoerlös und dem Ergebnis. In welcher Höhe sei jetzt noch nicht abschätzbar.

«Die ausserordentliche Situation kann aber weder die Stabilität noch die Liquidität des Unternehmens gefährden», betont Martin Keller.

Die Auswirkungen auf die verschiedenen Unternehmensbereiche seien höchst unterschiedlich: «Während die Volg-Läden deutlich zulegen, führten die behördlichen Einschränkungen in den Landi-Geschäften trotz florierendem Online-Handel zu starken Umsatzeinbussen.»

In der Fenaco-eigenen Lebensmittelindustrie ist der Absatz im Detailhandel dagegen deutlich gestiegen: «Vor allem Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Lagergemüse, Obst, Eier oder Fleisch wurden stärker nachgefragt.»

Dafür ging der Umsatz an den Tankstellen in den Lockdown-Monaten 2020 um 40 bis 50 Prozent zurück. Im Gastrobereich der Fenaco war der Ausfall mit bis zu 80 Prozent noch grösser.

Mit Volg und Landi erzielt Fenaco 29 Prozent des Gruppenumsatzes

Wie anfangs beschrieben, generiert der Detailhandel mit den Volg- und Landi-Läden 2,04 Mrd Franken Umsatz und trägt damit 29 Prozent zum Gruppenumsatz bei.

Volg belieferte Ende 2019 in der ganzen Schweiz 913 Standorte mit Produkten, darunter:

  • 587 Volg-Dorfläden (1,17 Mrd, +1,3 %)
  • 226 freie Detaillisten (68 Mio, –20 %)
  • 100 TopShops an Agrola-Tankstellen (289 Mio, +7,0 %)
  • den Grossisten Cadar mit 650 Kunden in der Romandie (48 Mio, –1,4 %)

Die 270 Landi-Läden der 183 landwirtschaftlichen Genossenschaften bringen 1,4 Mrd Franken Umsatz (+1,1 %).

Ohne Fenaco geht in der Schweizer Landwirtschaft nichts

Die Fenaco ist heute ein regelrechtes Fenacoversum, dessen Marktanteile auch von langjährigen Brancheninsidern nur geschätzt werden können:

  • Im Düngerhandel beherrscht Fenaco mit Landor schätzungsweise 60 Prozent des Schweizer Marktes.
  • Bei den Futtermitteln dürften es mit UFA 50 Prozent Marktanteil sein.
  • In der Landtechnik ist Serco u. a. mit Claas-Traktoren (5 Prozent Marktanteil) und Fliegl-Agraranhängern dabei.
  • Im Schweizer Nutztierhandel dürfte Anicom mit 25 Prozent präsent sein.
  • Und in der Fleischverarbeitung hat die Ernst Sutter AG einen Marktanteil von geschätzt 10 Prozent.

Umgekehrt stammen 93 Prozent der wichtigsten Lebensmittelrohstoffe, die Fenaco handelt und verarbeitet, aus der Schweiz. Dieser Wert ist massiv höher als der Schweizer Selbstversorgungsgrad von 65 Prozent für die entsprechenden Produkte.

31 Mio Franken «Erfolgsbeteiligung» für die Landi und deren Mitglieder

Auch stammen 41 Prozent der wichtigsten Futtermittel-Rohstoffe, welche die Fenaco handelt und verarbeitet, aus der Schweiz. Hier ist der Schweizer Selbstversorgungsgrad der entsprechenden Produkte mit 39 Prozent minim geringer.

71 Prozent der 10'471 Fenaco-Mitarbeiter – davon 527 Lernende – befinden sich im ländlichen Raum. Für alle Mitarbeiter hat Fenaco im Sinne einer nachhaltigen Sozialpartnerschaft mit den Gewerkschaften Unia und Syna die Gesamt-Lohnsumme für 2020 um 1,1 Prozent erhöht.

Ausserdem wurde die 2018 eingeführte Erfolgsbeteiligung für Landi-Mitglieder, die einen landwirtschaftlichen Betrieb führen, erneut ausgeschüttet. Sie belief sich auf insgesamt 4,6 Mio Franken. Dazu kamen die Geschenkpakete mit Fenaco-Produkten im Wert von 1,9 Mio Franken.

Die Auszahlung erfolgte zusätzlich zur bestehenden Verzinsung der Anteilscheine zu 6 Prozent an die 183 Mitglied-Genossenschaften in der Höhe von 9,9 Mio Franken.

Zudem bezahlte die Fenaco den Landi wie jedes Jahr eine Leistungsprämie aus, 2019 waren dies 16 Mio Franken. Beides kommt auch Landi-Mitgliedern zu Gute. Insgesamt überwies die Fenaco 2019 rund 31 Mio Franken an die Landi und deren bäuerlichen Mitglieder.

Fenaco-Stallgeruch: Zwei Bundesräte und Dutzende von National- und Ständeräten

Als eines der grössten Schweizer Unternehmen hat die Fenaco auch grossen politischen Einfluss: Mit Ueli Maurer (1994–2008 Geschäftsführer des Zürcher Bauernverbandes) und Guy Parmelin (Landwirt und Winzer) sitzen gleich zwei ehemalige Verwaltungsräte der Fenaco im Bundesrat.

Dutzende von National- und Ständeräten stimmen gegen Freihandel und für Direktzahlungen – und damit im Sinne der Mitglieder der Fenaco Genossenschaft (siehe auch unsere Recherche über «Die Bauernlobby»).

Künftig sollen bei der Fenaco auch Frauen mitbestimmen

Auffallend ist aber, dass unter diesen Bundespolitikern praktisch keine Frauen sind. Und auch im in der Fenaco-Verwaltung mit 19 Mitgliedern und in der Fenaco-Geschäftsleitung waren bis 2015 keine Frauen vertreten.

CEO Martin Keller sieht hier grossen Handlungsbedarf: «Wir möchten mehr Bäuerinnen dafür gewinnen, sich in der Landi zu engagieren, damit in Zukunft in der Fenaco-Verwaltung auch Frauen die Schweizer Landwirte und Landwirtinnen repräsentieren.»

Seit 2015 ist in der Fenaco-Geschäftsleitung als Leiterin der Region Westschweiz wenigstens eine Frau vertreten:

  • Geneviève Gassmann (1966) Dipl. Bäuerin und MBA, früher u. a. Leiterin Training, Learning & Development bei McDonald’s Schweiz und Direktorin des Landwirtschaftlichen Institutes Grangeneuve.

Seit 2016 respektive 2018 sitzen in der 19-köpfigen Verwaltung der Fenaco auch zwei Frauen:

  • Karin Perraudin-Bertholet (1974), Eidg. Wirtschaftsprüferin und Verwaltungsratspräsidentin der (Versicherungs-)Groupe Mutuel, Präsidentin von Valais Wallis Promotion und Verwaltungsrätin vom Flughafen Genf.
  • Daniela Lobsiger-Rietmann (1969), Köchin EFZ, Bäuerin und Präsidentin der Landfrauen Wängi-Matzingen-Stettfurt im Hinterthurgau.

In Zukunft werden im immer grösser werdenden Fenacoversum also auch Frauen mitbestimmen.