Sie haben 2020 ein Stöckli gebaut: Worauf haben Sie geachtet?

Andrea Zemp: Wir wollten langlebig bauen und natürliche Materialien verwenden. Zudem war es uns wichtig, möglichst viel Eigenleistung zu bringen. Da wir den Betrieb 2020 übernommen haben, war die Finanzierbarkeit ein wichtiger Punkt.

Das Stöckli ist grundsätzlich eine Alterswohnung, wir haben deshalb die ganze Wohnfläche auf einer Etage und ohne Treppen erstellt.

Welche Materialien sind verbaut?

Da wir eigenen Wald haben, konnten wir zum grössten Teil eigenes (Mond-)Holz verwenden. Für die Fassade der Wetterseite haben wir Douglasien-Holz verbaut. Der Wohnbereich im Erdgeschoss inklusive Boden sowie der Dachstock sind vollständig aus Holz. Einzig im Untergeschoss haben wir die Bodenplatte und Aussenwände betoniert, da diese im Erdreich liegen.

Ein paar Wände der Innenräume sind mit Lehmplatten verkleidet und mit Lehm verputzt. Diese weissen Wände erhellen den Raum und unterstützen das gutes Raumklima.

Wir haben darauf geachtet, möglichst keine chemischen Stoffe zu verwenden. Das gesamte Holz ist unbehandelt. Den Holzboden pflegen wir mit Schmierseife.

Wie wird das Haus geheizt?

Wir haben einen Steinofen, den wir mit Holz betreiben, auch das Wasser erhitzen wir mit Holz. Der Steinofen ist zentral platziert und wärmt, einmal eingefeuert, eine Tag lang sehr gut.

Das Holz gibt ein sehr angenehmes Wärmegefühl, bereits eine Raumtemperatur von 19 Grad empfinden wir als angenehm.

Haben Sie auch das Bauernhaus renoviert?

Noch nicht. Das Bauernhaus ist ein altes Jura-Haus. Zuerst haben wir überlegt, dieses abzureissen und ein neues Haus mit zwei Wohnungen zu bauen anstelle des Stöcklis.

Am Ende haben wir uns fürs Stöckli und eine Renovation entschieden. Erstens, weil das Abreissen eines bestehenden Gebäudes meistens mehr Energie braucht als eine Renovation und zweitens, weil uns mehr Distanz sinnvoll erscheint, um das Risiko von Generationenkonflikten zu minimieren.

Nachhaltig bauen ist teurer: Wieso lohnt es sich trotzdem?

Für uns ist es ein Beitrag zum Umweltschutz, zu einem gelebten Kreislauf-Denken. Und mit einem langlebigen Gebäude lassen sich die Kosten auch länger umwälzen. Falls das Haus irgendwann abgebrochen wird, ist viel Material wiederverwertbar.

Sie sind Lehrerin und Beraterin am Wallierhof: Befassen Sie sich auch dort mit nachhaltigem Bauen?

Ich habe mich beim Neubau stark damit befasst und das Thema als übergreifende Tagung für den Wallierhof vorgeschlagen. Ich sehe nachhaltig Bauen als Chance für Landwirte, eigene Ressourcen zu nutzen: Dazu gehört vor allem Holz, aber auch Stroh.

 

Veranstaltung zu «Nachhaltig Bauen»

Forum Wallierhof: Nachhaltig Bauen in der Landwirtschaft

Eigenschaften natürlicher Baumaterialien, alternative Bausysteme wie Vollholzbau und Strohbau
Wann: Mittwoch, 1. Dezember 2021 um 19.30 Uhr
Wo: Aula Bildungszentrum Wallierhof
Kostenlos und ohne Anmeldung
Referenten: Werner Schmidt, Strohbau-Architekt; Jürg Hirschi, Truberholz; Herbert Höfler, HAGA Naturbaustoffe