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Landwirtin Nathalie Genoud setzt auf Milchschafe

Landwirtin Nathalie Genoud führt einen Betrieb in Orsonnens FR. Sie hat den grossen Pferdebetrieb ihres Vaters während zehn Jahren geführt. Nun setzt sie erfolgreich ganz aufs Milchschaf.


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Kurz & bündig

  • Nathalie Genoud (35) hat zehn Jahre lang den elterlichen Pferdebetrieb geführt.
  • Zusammen mit ihrem Mann hat sie den Betrieb 2017 übernommen.
  • Kurz darauf hat sie ihren Traum verwirklicht und von Pferden auf Milchschafe umgestellt.
  • Als Neulinge in der Milchschaf-Branche musste sich Genoud viel Wissen aneignen.
  • Ihre 80 Milchschafe melkt Genoud in einem modernen Melkstand.

Landwirtin Nathalie Genoud (35) geniesst ihren Alltag in Orsonnens FR. Ihre Tage beginnen um 5.15 Uhr im Schafstall. Um 7.15 Uhr frühstückt sie mit den beiden Kindern Romain und Nicolas.

Die Landwirtin kümmert sich um das Melken, die Lämmer, die Buchhaltung und die Kinder. Ihr Mann David füttert, bestellt den Acker- und Futterbau, kümmert sich um die Klauenpflege und hilft im Stall, wenn es mit den Lämmern viel zu tun gibt.

Denn bald ist es wieder soweit. Die nächsten Milchschafe lammern kurz vor Weihnachten. Dann sind alle Hände gefragt fürs Schöppeln, Markieren und für das Angewöhnen an den Milchautomat. Neben den Milchschafen haben Genouds eine 30-köpfige Mutterkuhherde mit Direktvermarktung.

Die Arbeit auf dem Betrieb «Le Moulin» soll für das Betriebsleiterehepaar Genoud ohne Angestellte zu bewältigen sein, das ist Nathalie Genoud wichtig. Und der Betrieb soll genug abwerfen, dass eine ganze Familie davon leben kann. «Ein typischer Familienbetrieb», sagt Nathalie Genoud. Das ist genau ihr Ding.

Ohne Zögern vom Pferd auf das Schaf umgesattelt

Nathalie Genoud ist Landwirtin mit Leib und Seele und wusste schon immer, dass sie diese Laufbahn einschlagen will. Dass die Leute immer weniger Bezug zur Landwirtschaft haben, macht der Landwirtin Sorgen. «Ich finde, wir Landwirtinnen und Landwirte sind wichtig!», sagt Genoud. «Mehr Wertschätzung wäre schön.»

Nathalie Genoud besuchte die Landwirtschaftliche Schule in Grangeneuve FR und stieg nach der Lehre direkt als Angestellte in den elterlichen Betrieb ein, der ganz auf Pferde ausgerichtet war. Doch für Genoud war immer klar, dass sie gerne Milch produzieren würde. «Wir haben eine sehr gute Käserei hier im Dorf, die Moléson SA», sagt Genoud. «Also fragten wir einfach an, ob sie noch Produzenten suchen.»

Nach einem positiven Bescheid überlegten Genouds nicht lange, knüpften Kontakte in der Branche, lasen sich ins Thema Milchschafe ein und gingen zu einer Betriebsberatung. Weder Nathalie Genoud noch ihr Mann hatten je zuvor was mit Schafen am Hut. «Und wir müssen noch viel lernen», betont Nathalie Genoud immer wieder.

Auf Milchschaf-Einkaufstour im Entlebuch

Die beiden Landwirte reisten im Jahr 2016 immer wieder über den Röstigraben hinaus ins Entlebuch. Das sei quasi die Hochburg der Milchschaf-Halter. Sie schauten sich Betriebe und verschiedene Melksysteme an.

«Eine Herde erwachsener Schafe zu kaufen wäre finanziell ganz schön happig gewesen», erzählt Nathalie Genoud. Also fuhren sie und ihr Mann vor der Betriebsübernahme abermals ins Entlebuch und kauften Lämmer.

«Wir hatten ja keine Ahnung», sagt Genoud und lacht. Aber es hat funktioniert. Sie bauten eine stattliche Herde von 80 jungen Milchschafen auf, übernahmen den Betrieb per 2017 und bauten gross um. Im Februar 2018 lammerten die ersten Milchschafe.

Moderne Melktechnik macht sich bezahlt

Nathalie Genoud melkt zwölf Schafe aufs Mal in einem Melkstand mit einer Rohrmelkanlage. Das Melken ist ihre Lieblingsarbeit. Jeder Handgriff sitzt. Kaum ist das letzte Schaf am Aggregat, fasst sie den ersten Schafen ans Euter, kontrolliert ob es leer ist, und hängt die ersten Aggregate auch schon wieder ab. Das Melken geht zackig – 100 Schafe pro Stunde sind möglich. Sind die ersten zwölf Schafe fertig, öffnen die Fressgitter per Knopfdruck und die Schafe gehen in einer Kolonne aus dem Melkstand hinaus.

Die nächsten Schafe sind im Warteraum. Kaum geht die Tür in den Melkstand auf, reihen sie sich im Melkstand ein. Sie kommen gerne, denn wieder per Knopfdruck gibt’s etwas Kraftfutter. Nathalie Genoud muss den Melkstand nur verlassen, um die zweite Gruppe Schafe in den Warteraum zu holen. Die erste Gruppe ist fast galt, die zweite Gruppe enthält Schafe, die bis zu sechs Liter Milch pro Tag geben.

Genouds ursprünglicher Plan war, die Melkerei mit Standeimern zu lösen. Heute ist sie froh, dass sie sich für einen umfassenden Umbau des Gebäudes und in die Investition eines Melkstands mit Rohrmelkanlage entschieden haben. «Die Arbeit muss auch Spass machen», sagt Genoud, «und das tut es in dieser Anlage.» Der gesamte Umbau inkl. Melktechnik kostetet sie 250'000 Franken. David Genoud konnte Teile des Umbaus in Eigenleistung erbringen. Denn er ist neben Landwirt auch gelernter Maurer.

Auch in der Galtzeit brauchen Milchschafe gutes Futter

Genouds füttern ihre Tiere silofrei. «Sie benötigen aber sehr gutes Futter», sagt Genoud. Nebst Heu, Emd und eigens hergestellten Maiswürfeln erhalten die Milchschafe Kraftfutter. Nathalie Genoud ist nach wie vor fasziniert von ihren Tieren: «Es ist unglaublich, wie viel Milch diese Tiere geben, wenn man es mit ihrem Körpergewicht von 55 bis 75 kg vergleicht.» Schafmilch hat mit 7,4 Prozent Fett und 5,5 Prozent Eiweiss viel höhere Gehalte als Kuhmilch.

Obwohl die junge Landwirtin vieles richtig machte, tauchten bei ihren Schafen gegen Ende der ersten Galtzeit gesundheitliche Probleme auf, die auf die Fütterung zurückzuführen waren. «Galte Milchschafe müssen ab vier Wochen vor der Geburt energiedichteres Futter, also Emd statt Heu, fressen», sagt Genoud. Auch stärkereiches Kraftfutter kann verfüttert werden. Der Grund liege im Wachstum der noch ungeborenen Lämmer. Diese legen gegen Ende der Trächtigkeit nochmals mächtig zu. Deshalb muss die Energieversorgung der Aue – trotz Verzehrrückgang – unbedingt sichergestellt werden.

Auch bei Mineralstoff-Mischungen gilt es vorsichtig zu sein. Schafe reagieren bei einer Überversorgung des Spurenelements Kupfer sehr empfindlich. Nathalie Genoud gibt die Mineralstoffe deshalb täglich in loser Form – und nicht als Leckstein.

Gehaltreiche Milch wird honoriert

Zurück im Melkstand hängt Nathalie Genoud die letzten Aggregate ab und spritzt an jede Zitze Desinfektionsmittel. «Die Hygiene und Eutergesundheit ist von sehr hoher Bedeutung» sagt sie. Die Milch bringt ihr Mann David nach jedem Melken zur nahegelegenen Moléson SA.

Die Schafmilch wird analysiert und die Werte dem jeweiligen Produzenten per Email mitgeteilt. Neben dem Eiweiss- und Fettgehalt, sowie Zell- und Keimzahlen werden auch die Reduktase, Propionsäure, Buttersäure und die Milchsäure analysiert. «Sind wir bei einem Wert ausserhalb der Toleranz, sehen wir das sofort und können reagieren», sagt die Landwirtin.

Der Milchpreis setzt sich aus einem Basispreis mit Zu- und Abschlägen zusammen. Tiefe Gehalte geben pro Kilogramm Milch bis zu 7 Rappen Abzug, gute bis zu 7 Rappen Zuschlag.

«Wir sind da immer sehr gut drin», sagt Genoud. Aber das erfordere sehr gutes Futter. Daneben gibt es einen saisonalen Zu- oder Abschlag von bis zu 30 Rappen. «Im Herbst benötigt unser Verarbeiter mehr Milch, dann sind die Preise besser als im Frühling», erklärt Genoud.

Nathalie Genoud ist in der Branche sehr gut vernetzt

Als Neulinge in der Milchschaf-Branche musste sich Nathalie Genoud einiges an Wissen aneignen. Befreundete Betriebe im Entlebuch auf der einen Seite, aber auch der Kontakt zu verschiedenen Akteuren in der Branche sind ihr wichtig. Das sind seitens Melktechnik die Firma Wermelinger oder die Firma Melior in Sachen Fütterung.

In Gesundheitsfragen zieht die Landwirtin ihren Tierarzt bei oder telefoniert mit dem Beratungs- und Gesundheitsdienst für Kleinwiederkäuer BGK. Ein weiterer Ansprechpartner ist die Schweizerische Milchschafzuchtgenossenschaft SMG, welche unter anderem die Milchleistungskontrolle organisiert. Dies möchte Genoud künftig auf ihrem Betrieb umsetzen. Damit hat sie die Möglichkeit, gezielte Zuchtziele zu verfolgen.

Die Ablamm-Saison ist zeitintensiv

«Das ist die jüngste Generation unserer zukünftigen Milchschafe», sagt Nathalie sichtlich stolz. Die 33 Jungtiere umringen die Landwirtin. Im Moment trinken die eineinhalb bis zwei Monate alten Lämmer je etwa drei Liter mit Milchpulver angereicherte Kuhmilch pro Tag. Diese erhalten sie über einen Milchautomaten. Den Milchverzehr pro Lamm kontrolliert Genoud aber an den Bäuchen: «Ich sehe sofort, ob sie alle getrunken haben oder nicht.» Und jetzt in diesem Alter trinken sie sowieso alle ganz zuverlässig.

Die Milchschafe gebären jeweils zwei oder drei Lämmer. «So habe ich in der Ablammzeit pro Tag schnell zehn neue Lämmer», sagt Genoud. Das häufige Kontrollieren, Schöppelen und das Angewöhnen an den Milchautomaten benötige vor allem in den ersten Tagen nach der Geburt viel Zeit. «Die Mütter kümmern sich meistens nicht um die Kleinen», sagt Genoud. Sie mutmasst, dass der Mutterinstinkt kaum ausgeprägt ist, weil sie das selber nicht erlebt haben.

Umso wichtiger sei es, dass Genoud die Jungtiere sofort mit Biestmilch versorgt. Danach markiert sie die Lämmer und erfasst sie in der Tierverkehrsdatenbank TVD. «Man muss das sofort machen», sagt sie, «weil innert kürzester Zeit ist der Stall voll und ich hätte keinen Überblick mehr.» Zukünftig wird sie die Erfassung mittels elektronischem Lesegerät machen. Sie müsse nur noch die App installieren.

Genouds staffeln die Ablammungen auf drei Perioden im Jahr: September, Dezember und Februar. Sie haben zwei Milchrasse-Böcke der Rasse Lacaune und Obelix, einen Fleischrasse-Bock. Einen Grossteil der Lämmer geben Genouds in die Mast. Nur einzelne behalten sie für den Eigenbedarf.

Zehn Jahren führte Nathalie Genoud den Pferdebetrieb

Nathalie Genoud ist ein positiver Mensch, sie reisst gerne Projekte an und setzt sie mit viel Elan um. So einfach das Ganze mit der Betriebsübergabe und dem Aufbau des neuen Betriebszweigs tönen mag, das war es nicht. Die junge Landwirtin musste früh viel Verantwortung übernehmen und für ihre Träume einstehen.

Im Jahr 2007, als Nathalie Genoud 22 Jahre alt war, erlitt ihr Vater eine Hirnblutung und fiel für sechs Monate komplett aus. «Es galt, den Betrieb ohne ihn zu führen, und das von heute auf morgen», erzählt Genoud. Der Betrieb war gross. Zeitweise lebten 70 Pferde auf dem Betrieb, mit Fohlenweide, Zuchtstation, Concours, Reitvereinen, die zum Training kamen, Pensionspferden, Angestellten.

Doch damit nicht genug. Fünf Jahre später, im Jahr 2011 ein weiterer Schock, als eine Praktikantin durch einen Huftritt lebensgefährlich am Kopf verletzt wurde. Für Nathalie Genoud war das ein Schlüsselmoment. Eine Zukunft mit Pferden kam für sie nicht in Frage. Es vergingen fünf weitere Jahre, bis sich Nathalie und David Genoud  ihren Traum verwirklichten und die ersten Lämmer kauften, den Betrieb übernahmen und den neuen Betriebszweig aufbauten.

Die Hartnäckigkeit von Nathalie Genoud hat sich gelohnt

Heute ist Nathalie Genoud rundum zufrieden. Ihre Eltern bewohnen den oberen Stock im Wohnhaus und schauen ihren sechs eigenen Pferden. Dass der neue Betriebszweig mit den Schafen so gut läuft, macht Nathalie Genoud stolz: «Wir mussten uns damals in der Betriebsberatung in Grangeneuve ganz schön dafür einsetzen.»

Im Moment planen Genouds einen Umbau für die Mutterkühe. Eine Vergrösserung bei den Milchschafen schliesst die Landwirtin nicht aus. Der Melkstand wäre ganz einfach verdoppelbar. Nathalie Genouds Ziel ist es, weiterhin von der Landwirtschaft leben zu können. «Wir möchten die alten Gebäude gut instand halten und Tier und Mensch sollen wohl sein bei der Arbeit.» 

Betriebsspiegel «Le Moulin»

Nathalie und David Genoud mit Romain (8) und Nicolas (6) aus Orsonnens FR

LN: 37 ha

Bewirtschaftung: ÖLN

Tierbestand: 80 Lacaune-Milchschafe, 3 Böcke, ca. 80 Jungtiere, 30 Mutterkühe mit Jungtieren, 2 Pensionspferde

Kulturen: Mais, Gerste, Triticale, Weizen

Betriebszweige: Schafmilch-Produktion, Direktvermarktung von Rindfleisch

Arbeitskräfte: Nathalie und David Genoud

Nebenprodukt Schafwolle

Die Familie Genoud schert ihre Lacaune-Milchschafe zweimal pro Jahr. Die Wolle geben sie nicht ab – der Aufwand sei zu gross.

Wer Schafschurwolle liefern will, muss die Wolle sorgfältig nach Rasse, Farbe und Qualität sortieren. Restwolle, also Bein-, Kopf- und Bauchwolle, müssen separat verpackt sein. Auch muss die Wolle äusserst sauber sein. Sprich: keine Farbspritzer und keine Heu- oder Strohreste. Die Preise pro Kilogramm Wolle variieren je nach Abnehmer und Jahreszeit von 20 Rappen (Restwolle) über CHF 1.50 (weisse Bio-Wolle) bis CHF 2.20 (Wolle vom Walliser Schwarznasenschaf).

Detaillierte Preislisten:

Fisolan AG, Enggistein BE
www.fisolan.ch

FIWO, Amriswil TG
www.fiwo.ch

Nawarotec GmbH, Buchs SG
www.swisswool.ch

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