Kurz & bündig

  • Mit dem hydraulischen Doppelrad-System von Becklönne kann der Abstand von Doppelrädern verstellt werden, ohne das Rad zu demontieren.
  • Vorher wurden Doppelräder mit Distanzringen fix montiert.
  • Auf der Strasse kann die gesetz-lich erlaubte Maximalbreite von drei Metern eingehalten werden.
  • Im Feld werden die Doppelräder auf das passende Mass verschoben.

www.trachsel-technik.ch

 

Nach einer solchen Lösung haben wir lange gesucht», sagt Stefan Leiser aus Wiler bei Seedorf BE. Er spricht von der hydraulischen Zwillingsrad-Verstellung von Becklönne Maschinenbau in Deutschland, die in der Schweiz von der Trachsel Technik AG in Mettmenstetten ZH vertrieben wird und seit Frühling 2021 an einem seiner Fendt-Traktoren montiert ist.

Stefan Leiser und sein Sohn Marc pflanzen jährlich rund 120 Hektaren Kartoffeln im Seeland. Davon bauen sie rund 20 Hektaren selbst an. Um die Felder zu erreichen, sind sie viel auf der Strasse unterwegs.

An ihrem Fendt Vario 516 ist eine Kartoffel-Legemaschine von Grimme angebaut, kombiniert mit einem Frontgerät am Dreipunkt. Das Anbaugerät misst in der Breite 3,15 Meter. Das ist legal (bis 3,5 Meter). Wegen der Doppelräder, die mit dem Abstand der Kulturreihe als Schonspur montiert sind, war aber der Traktor bisher über drei Meter breit und damit auf der Strasse illegal. Denn mit Doppelrädern sind maximal 3 Meter erlaubt.

Schonend auf dem Acker, zu breit auf der Strasse

«Dort wo die Kartoffeln gelegt werden, wollen wir den Boden nicht befahren, weshalb wir keine Breitreifen einsetzen und mit einer sogenannten Schonspur fahren.» Dabei sind zwei schmale Reifen mit einem Distanzring miteinander verbunden. Dieser ist so breit, dass das äussere Rad in der Reihe nebenan fährt. «Auf dem Feld ist dies perfekt. Das Gewicht wird auf eine grössere Bodenaufstandsfläche verteilt und die Stabilität ist besser, als bloss die 1,50 Meter-Spur ohne Doppelrad», so Marc Leiser.

Was auf dem Feld perfekt funktioniert, wurde auf der Strasse mit einer Aussenbreite von rund 3,32 Metern jedoch zum Risiko. Dieses wollten Leisers nicht mehr länger eingehen und investierten in das hydraulische Verstell-System von Becklönne.

Mit einem Hub von zwei Mal 20 oder 25 Zentimetern ist es nun möglich, die erlaubte Traktorenbreite von maximal drei Metern einzuhalten. Das ist das Limit bei temporär angebrachten Zwillingsbereifungen, als welches das System gilt. «Wir sind nun legal unterwegs», atmet der Landwirt und Lohnunternehmer Stefan Leiser auf.

«Natürlich hat uns der Preis von rund 20 000 Franken zu denken gegeben. Die bessere Sicherheit auf der Strasse und die legale Ausstattung liessen jedoch keine Zweifel aufkommen, ob wir hier investieren oder nicht», so Marc Leiser.

Dank der guten Auslastung sei das System tragbar und soll in fünf Jahren abgeschrieben sein. Durch höhere Stückzahlen kann hier in Zukunft eine Preisoptimierung erwartet werden, wie die Trachsel-Technik durchsickern lässt.

Das Doppelrad-System hat eine robuste Bauweise mit viel Gewicht

Die ersten Erfahrungen beim Kartoffellegen in diesem Frühjahr haben gezeigt, dass sich die hydraulische Verschiebung sehr gut bewährt.

Die Konstruktion des Doppelrad-Systems ist sehr robust und überträgt die Lasten zuverlässig, da wackelt nichts. Auch das Drehmoment wird zuverlässig auf das äussere Rad übertragen.

Demgegenüber steht jedoch auch ein stolzes Gewicht von rund 390 Kilogramm pro Rad. Das ist schwerer als fixe Zwillingsradsysteme, ist jedoch auch für Traktoren bis 250 PS ausgelegt.

Adrian Vogel ist bei der Trachsel Technik AG für das System zuständig und arbeitet eng mit dem Hersteller Becklönne zusammen. Für den Sommer 2021 kündigt er eine Variante mit 6 Tonnen Achslast, mit einem Gewicht von unter 300 Kilogramm pro Einheit und 25 Zentimeter Schiebeweg an. Als Alternative zum Hydraulikzylinder wird eine Spindel angeboten, die mit dem Schlagschrauber verstellt werden kann.

Der Traktor wird auf dem Feldweg weniger belastet

Bei einem Feldweg rollen die eingefahrenen äusseren Räder weniger auf dem Randstreifen. Dies schont den Fahrweg wie auch den Traktor, weil die Last weniger auf dem äusseren Rad aufliegt, welches mit Hebelwirkung auf die Nabe wirkt.

Um die Zwillingsbereifung zu verschieben, fährt Marc Leiser mit den inneren Rädern auf Hölzer, welche er stets mitführt. Die Zwillingsräder werden entlastet und können verschoben werden.

Flexibel für mechanisches Hacken bei verschiedenen Reihenweiten

Dazu werden pro Seite zwei Hydraulikschläuche gekoppelt. Leisers nutzen pro Seite je ein doppelwirkendes Zusatzhydraulikventil. Alternativ können mit nur einem Ventil und einem T-Stück beide Seiten bedient werden. Die notwendigen Hydraulikschläuche werden über den Kotflügel verschlauft. Hier suchen Leisers noch eine elegantere Lösung.

Den künftigen Einsatzbereich mit dem hydraulischen Doppelradsystem sehen Vater und Sohn Leiser nicht nur beim Kartoffelpflanzen. Sie gehen davon aus, dass in Zukunft die mechanische Unkrautbekämpfung an Bedeutung gewinnt und mit modernen und schlagkräftigen Geräten viel erreicht werden kann.

In Kartoffeln, Mais, Zuckerrüben etc. sind solche Einsätze möglich. Stefan Leisers Idee ist es, mit der 1,5 Meter Spur der inneren Räder in 50 und 75 Zentimeter Reihenkulturen zu fahren und die Doppelräder jeweils passend zur Reihenweite auszustossen.

Im Sommer wird der Traktor zum Ackerschlepper mit Breitreifen

Nachdem die Pflanz- und Pflegearbeiten abgeschlossen sind, wechseln Leisers die Bereifung des Traktors und statten ihn mit Breitreifen aus, mit denen er beispielsweise bei der Stoppelbearbeitung eingesetzt wird.

 

Transportprobleme vermeiden

Das hydraulische Zwillingsrad-System von Becklönne löst in erster Linie Transportprobleme auf der Strasse. Durch das Verschieben müssen die Zwillingsräder nicht mit zusätzlichen Fahrzeugen transportiert werden und vor allem müssen die Räder nicht dauernd montiert und demontiert werden.

Das setzt kaum jemand konsequent um. Eher verschiebt man illegal mit einer Breite von über drei Metern auf der Strasse zum nächsten Feld. Hier löst das System von Becklönne ein Problem, das viele Landwirte und Lohnunternehmer betrifft.

In der Schweiz wird das System durch die Trachsel Technik AG in Mettmenstetten ZH vertrieben. Das Unternehmen ist für innovative Lösungen in der Landwirtschaft bekannt und entwickelte und baut beispielsweise den X-Trailer, einen hydraulisch angetriebenen Triebachsanhänger für diverse Aufbauten.

Das hydraulische Schiebesystem basiert auf sechs kreisförmig verteilten Bolzen, die in einer Führung gehalten werden. Die Bewegung erfolgt durch einen Hydraulikzylinder im Zentrum. Über die Bordhydraulik werden zwei Schläuche an den Zylinder gekuppelt.

Dazu fährt man mit den inneren Rad auf ein Brett, damit das äussere Rad keinen Bodenkontakt hat und frei schieben kann. Eine hydraulische Drehdurchführung ist technisch möglich und würde den Vorgang eleganter gestalten, allerdings ist der Aufwand erheblich grösser.

Das System kostet 20 000 Franken und beinhaltet alle notwendigen Hydraulik und Anschlussteile und kann auf normierten Lochungen auf den Felgen montiert werden.