Kurz & bündig

- Hans Werner Külling aus Trasadingen SH achtet auf eine schonende Bodenbewirtschaftung.
- Er will die Technik seines130 PS-Ackerschleppersoptimal einsetzen.
- Mit einer Reifendruck-Regelanlage kann der passende Druckan Traktor und Güllefass eingestellt werden.
- Ein geringer Innendruck im Acker reduziert die Spurtiefe und den Zugkraftbedarf.

Hans Werner Külling aus dem schaffhausischen Trasadingen blätterte als Schüler im «Profi». Er erinnert sich heute noch genau, wie ein holländischer Landwirt mit einem Güllefass im Ackerboden festgefahren war und stecken blieb.

Das war gewollt. Als nächstes betätigte der schlaue Holländer einen Hydraulikzylinder zwischen Anhänger und Traktor. Der Zylinder wurde ausgefahren, was einen Druck auf den Traktor erzeugte und dafür sorgte, dass die Vorderachse belastet wurde. Dann fuhr der Holländer weiter, als wäre nichts geschehen. «Das hat mich sehr fasziniert, wie er allein durch die Verlagerung des Gewichts, die Zugkraft des Traktors verbessert hat. Dabei musste er den Traktor gar nicht mit Frontgewichten ballastieren.»

Hans Werner Külling interessiert sich seit langem für die ideale Gewichtsverteilung und Bereifungen mit viel Grip an Traktoren. Für die Bewirtschaftung seiner Betriebsflächen braucht er viel Schlagkraft, will diese wegen der Bodenbelastung jedoch nicht mit allzu grossen und schweren Traktoren realisieren. Es hat sich gezeigt, dass mit einer schlauen Fahrzeugeinstellung auf dem Acker eine hohe Zugkraft erreicht werden kann.

Kein Wunder, kennt er die Gewichtsverhältnisse von Vorder- und Hinterachse der wichtigsten Traktorenhersteller. Mit dem Verhältnis von 50:50 an seinem Massey Ferguson MF 6460 mit einem Leergewicht von rund 6200 Kilogramm ist er sehr zufrieden. «Das ist eine gute Ausgangslage, um Zugkraft optimal auf den Boden zu bringen.»

Külling vermeidet Verdichtungen mit einem leichteren Traktor

Mit seinem 130 PS-Ackerschlepper bewirtschaftet er eine landwirtschaftliche Nutzfläche von rund 75 Hektaren. Andere würden ob dieser Ausgangslage wohl einen grösseren Traktor anschaffen. Külling erledigt die meisten Ackerarbeiten mit dem MF und führt mit ihm auch das Futter mit einem Kurzschnitt-Ladewagen ins Fahrsilo.

«Die Bodenschonung ist mir wichtig. Ich will Verdichtungen vermeiden und das kann ich mit einem leichteren Traktor besser als mit einem schwereren.» Allerdings wird der Traktor stark gefordert, beispielsweise am Kurzschnitt-Ladewagen und am 12 Kubikmeter-Güllefass mit Anbaugrubber.

«Bei diesen Einsätzen kommt der Traktor oft an seine Leistungsgrenze und der Motor wird schön ausgelastet. Mit über 200 PS hätte ich sicher eine höhere Arbeitsleistung. Aber das zusätzliche Gewicht behindert meine Bemühungen zur Bodenschonung und braucht zusätzliche Energie.»

Um den Boden schonend zu befahren, hat Hans Werner Külling seinen Traktor optimiert. Er ist mit den Xeobib-Reifen von Michelin mit der Dimension 650/60 R38 ausgerüstet. Die Baureihe ist bekannt für eine hohe Tragkraft bei geringem Innendruck.

Breite Reifen und Kompromiss beim Innendruck

Doppelräder waren für Külling kein Thema. Er sieht in einem Breitreifen ein grösseres Potenzial, weil der Innendruck tiefer gewählt werden kann als bei zwei schmäleren Reifen. Da er auch hügelige bis steile Flächen bewirtschaftet, stellt sich jedoch die Frage der Kippgefahr.

Hier löste Hans Werner Külling das Problem mit einer breiten Spur. Der Traktor hat eine Reifen-Aussenbreite von 2,75 Metern und ist dementsprechend mit einem braunen Kontrollschild ausgerüstet. «Die Überbreite ist kein grosses Problem. Der Silierladewagen und das Güllefass sind beide über 2,55 Meter breit. Ich benötige also sowieso genügend Platz.»

Mit dem Traktor braucht er auch nicht durch das Futtertenn zu fahren. Dazu nutzt er einen Zweittraktor mit konventioneller Spurbreite.

Das Güllefass schaffte Külling im Jahr 2013 an. Es fasst 12 Kubikmeter und hat einen Dreipunkt. Bei Bedarf wird dort mit einem Drei-Meter-Grubber die Gülle direkt eingearbeitet. Beladen kommt das Fass auf rund 19 Tonnen. Das ist viel. Da für einige Flächen jedoch bis zu 20 Kilometer zurückgelegt werden müssen, wäre dies mit einem kleineren Fass wenig effizient. Den Kompromiss fand Külling in der Bereifung mit der grosszügigen Dimension von 650/60 R26.5.

Lösung für schwammiges Fahren gesucht

Da Hans Werner Külling anfangs noch ohne Reifendruck-Regelanlage arbeitete, suchte er einen minimalen Innendruck, welcher sowohl auf der Strasse wie auch im Feld vertretbar war. Dieser lag beim Traktor bei 1 bar und beim Güllefass bei 1,4 bar. Bei längeren Strecken sogar bei 1,8 bar. Das Problem war jedoch, dass das Gespann auf der Strasse schwammig zu fahren war.

Für einen sicheren Strassenverkehr hätte es mehr Reifendruck gebraucht. Im Feld war der Druck dann trotzdem zu hoch. Es entstanden Spuren und das Fass war schwer zu ziehen. Der Traktor geriet an seine Grenzen und es zeigte sich als Vorteil, dass das Doppelachs-Aggregat nach hinten verschoben werden kann. Dadurch konnte die Stützlast auf den Traktor erhöht werden und die Adhäsion wurde verbessert. Trotzdem waren die Zugkraft und der Reifendruck ein Problem.

Mehr Zugkraft dank Reifendruck einstellen und Gewicht verlagern

Da Hans Werner Külling keinen unbegrenzt schweren Traktoren einsetzen will, war die Zugkraft nicht nur beim Güllefass ein Thema. Beim Grubbern zeigte ihm die Schlupfanzeige einmal einen Wert von 20 Prozent an. Das war ihm definitiv zu viel. Er senkte den Innendruck von 1 bar auf 0,7 bar. Und staunte nicht schlecht, dass allein dadurch der Schlupf auf nur noch 3 Prozent gesunken ist.

«Es ist schlicht beeindruckend zu sehen, was es ausmacht, wenn der Reifen eine längere Auflagefläche hat und dabei zusätzliche Stollen bei der Kraftübertragung mithelfen. Allein die Reduktion von 0,3 bar hat mir in dieser Situation sehr viel gebracht.

Da will man natürlich auch bei anderen Einsätzen davon profitieren. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, eine Reifendruck-Regelanlage anzuschaffen, um auch beim Güllen keine Kompromisse mehr eingehen zu müssen.»

Im Jahr 2019 investierte Hans Werner Külling in eine Reifendruck-Regelanlage. Vom österreichischen Hersteller Terra Care beschaffte er sich einen hydraulisch betätigten Luft-Kompressor für an die Fronthydraulik. Er rüstete den Traktor mit aussenliegenden Leitungen und Drehdurchgängen aus und liess durch das gleiche Unternehmen am Fass die vier Naben nachträglich aufbohren, um die Druckleitungen innen zu verlegen.

Zusammen mit einem Bedienterminal in der Kabine investierte er rund 17 000 Franken. Külling bezeichnet dies als bisher beste Investition in seinen Maschinenpark.

Der Praxiseinsatz zeigt: Die Investitionen lohnen sich

Was die Investition genau bringt, zeigt ein Praxiseinsatz, der Anfang Oktober 2021 auf zwei verschieden tief gelockerten Flächen stattgefunden hat.

Hans Werner Külling hat den lehmigen Sandboden auf der einen Fläche mit dem Grubber 40 Zentimeter tief gelockert und auf der anderen Fläche mit der Kreiselegge etwa 20 Zentimeter bearbeitet. Es hat sich gezeigt, je geringer der Reifendruck ist, desto flacher sind die Fahrspuren.

Vom Hof zum Feld betrug der Reifeninnendruck am Traktor vorne 1,6 bar und hinten 1,8 bar. Das Fass war mit 3,3 bar befüllt. «Mit dieser Einstellung rollt das Gespann leicht und stabil, es fühlt sich nicht schwammig an. Man spürt jedoch die Schlaglöcher intensiver», gibt Külling als Nachteil zu bedenken. Nun beisst er in den sauren Apfel und fährt zu Vorführzwecken mit der Strassen-Einstellung ins gegrubberte Feld. Die Spurtiefe beträgt rund 19 Zentimeter.[IMG 3]

Nun stellt er im Terminal auf die Feld-Einstellung. Die Innendrücke messen nun am Traktor vorne noch 0,5 bar, hinten 0,6 bar und am Güllefass 0,6 bar. Die Reifen liegen nun mit einer grösseren Fläche am Boden auf.[IMG 4]

Dadurch reduziert sich die Spurtiefe auf 15 Zentimeter. Das ist nicht nur für den Boden besser, auch der Traktor hat sichtlich weniger Mühe, das immer noch volle Fass zu ziehen. Das liegt daran, weil die Spurbildung Energie benötigt. Je tiefer, desto mehr Erde muss verformt werden.

Der «Oberlenker» drückt die Vorderachse auf den Boden

Nun kommt der nächste Trick zum Einsatz, welcher die Traktion des Traktors verbessert. Hans Werner Külling hat sich an den Holländer aus dem «Profi» erinnert und einen «Oberlenker» zwischen Deichsel und Traktor montiert.

Nun gibt er dort 50 bar drauf, worauf der Zylinder auf den Traktor drückt. Dies bewirkt das Gegenteil von einem zu schweren Anbaugerät. Der Traktor wird mit der Vorderachse auf den Boden gedrückt. Zwar wird dabei die Hinterachse entlastet, aber die Gewichtsverteilung wird besser und die Traktion nimmt zu. Die Hinterachse würde allerdings auch bei einem passiven Frontgewicht entlastet.

Die richtige Technik schont den Boden sichtbar

[IMG 5] Külling freut sich sichtlich daran, wie man hier mit der richtigen Technik mit dem vorhandenen Gewicht einen Vorteil hat, ohne zusätzliches Gewicht mitzuschleppen. Nun findet derselbe Vergleich auf der Fläche statt, die mit der Kreiselegge bearbeitet wurde. Dort werden die gleichen Reifeninnendruck-Werte verglichen. Einmal liegt die Spurtiefe bei 12 Zentimeter und einmal bei 4,5 Zentimeter. Der Boden war hier rückverfestigt und trug das Gewicht besser.

Die Erfahrungen von Hans Werner Külling zeigen, dass mit der passenden Einstellung leistungsstarke Landtechnik bodenschonend eingesetzt werden kann.

[IMG 6]

Betriebsspiegel Sonnenhof

Familie Külling, Trasadingen (Schaffhausen)
LN: 75 ha
Kulturen: WW, WG, Raps, ZR, Silomais, Körnermais, Lupinen, Konservenerbsen, Saatklee, KW, Naturwiese
Tierbestand: 45 Milchkühe, 260 Mastschweinplätze, 8 Zebu
Weitere Betriebszweige: 170 Aren
Arbeitskräfte: Betriebsleiterehepaar, 1 Lehrling