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Winterzeit ist Schnittzeit bei Niederstamm-Bäumen

Im Winter müssen Niederstamm-Apfelbäume wieder in Form gebracht werden. Durch das Entfernen störender und alter Triebe darf man sich in der kommenden Saison wieder auf regelmässige und qualitativ hochwertige Erträge freuen.


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Kurz & bündig

  • Ab November bis April kann der Winterschnitt durchgeführt werden.
  • Die Spindelform ist die ideale Schnittform: Blütenknospen und Früchte erhalten genügend Sonnenlicht, der Krankheitsdruck wird reduziert.
  • Mit dem Schnitt nicht übertreiben: Wird zu stark zurückgeschnitten, schiesst der Baum in die Höhe, anstatt Blüten und Früchte zu bilden.

Das Laub ist abgefallen, es herrschen frostige Temperaturen und es ist bestenfalls trocken. Der ideale Zeitpunkt für den wichtigen Winterschnitt im Obstbau.

Auf Obstbäume wirkt ein richtiger Schnitt wie eine Verjüngungskur: Er formt den Baum, lenkt die Saft-ströme, fördert den Blütenreichtum und Ernteertrag. Ein guter Schnitt muss aber gelernt sein und benötigt Erfahrung.

Andreas Klöppel, Betriebsleiter der Obstanlage am Strickhof Lindau (Kanton Zürich), hat uns gezeigt, worauf beim Schneiden von Niederstamm-Apfelbäumen geachtet werden muss.

Ein Winterschnitt fördert hochwertiges Obst von Niederstamm-Bäumen

«Ein falscher Schnitt und wir gefährden Ertrag und Qualität in der kommenden Saison und in den Folgejahren», warnt Andreas Klöppel. Er schreitet zwischen den Apfelbaumreihen der Niederstamm-Obstanlage und begutachtet seine Bäume.

«Der Winterschnitt kann ab November bis April erfolgen, dann haben wir genug Zeit die Bäume zu schneiden», erklärt der Betriebsleiter.

Bei unserem Besuch am Strickhof ist es November und das Laub hängt noch mehrheitlich an den Obstbäumen. «Grundsätzlich würde ich jetzt noch nicht schneiden, sondern erst, wenn das gesamte Laub abgefallen ist», sagt Klöppel. Das erfolge meist dann, sobald frostige Temperaturen von -3 oder -4 Grad eingetreten sind.

«Der Frost gibt den Bäumen dann den Impuls, Chlorophyll zurückzuziehen und eine Trennschicht zwischen Ast und Blatt zu bilden. Das Blatt wird abgenabelt und es fällt ab», erklärt er.

Der ideale Niederstamm-Apfelbaum hat eine Spindelform

Obwohl die Blätter noch hängen, kann der Betriebsleiter dennoch zeigen, wie man bei einem Winterschnitt richtig vorgeht. Er geht auf die Apfelsorte Topas zu. «Neben Gala und Golden Delicious gehört sie zu den Sorten, die besonders ertragsreich, pflegeleicht und ruhig im Wachstum sind. Topas macht doppelte Spiesse und ist deshalb einfacher zurückschneiden», erzählt Andreas Klöppel.

Er nimmt einen Ast und befreit ihn vom Laub. «Wenn das Laub später abfällt, kann man besser erkennen, wo Knospen gebildet wurden und wie die Triebe wachsen», sagt er und deutet auf die gebildeten Blütenknospen. Ideal wäre es, nach einem Winterschnitt noch 200 bis 300 starke Knospen am Baum zu haben. Das ergebe rund 1000 bis 1500 offene Blüten.

Der Winterschnitt sollte nicht willkürlich erfolgen. Denn jede Sorte hat einen sortenspezifischen Wuchs: «Manche wie Boskoop sind besser garniert. Er macht kleine Äste, weniger Triebe und braucht deshalb nur wenig geschnitten zu werden. Andere, wie die Sorte Rubinola, die einen starken Wuchs hat und wenig garniert ist, müssen vorsichtiger zugeschnitten werden.»

Andreas Klöppel verschafft sich zunächst einen Überblick über den Baum: «Der ideale Apfelbaum hat die typische Spindelform bzw. Tannenbaum- oder Pyramidenform. Oben sind die jüngsten und kürzesten Triebe und unten die längsten und ältesten. Das Fruchtholz trägt die wertvollen Blütenknospen und verteilt sich flach um die Mittelachse.» 

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Der Niederstamm-Baum muss in die gewünschte Form zurückgeschnitten werden

Triebe, die aus der Spindelform herausstechen, müssen weggeschnitten werden. Das gilt beispielsweise für aufrechtwachsende Langtriebe, die sogenannten Wasserschosse, die auch in der Baumkrone auftreten.

«Diese Triebe sollten regelmässig entfernt werden. Denn sie wachsen nur in die Höhe und bilden weniger Blütenknospen aus. Wenn sich daraus Früchte entwickeln, dann sind sie oft minderwertig, weil die Blüten später blühen und damit unterentwickelt sind. Wir möchten am Ende aber gleichgrosse Früchte und eine einheitliche Reife und Ausfärbung», erklärt der Betriebsleiter, setzt die Schere zwischen einer Verzweigung an und kappt den Trieb ab.

«Je länger der Ast, desto schlechter die Qualität», sagt Andreas Klöppel

Auch die herabhängenden Zweige fallen ins Auge. «Das sind schon ältere Triebe, die sich über die Jahre immer stärker verästeln. An solchen Trieben bilden sich zwar weiterhin Früchte, allerdings nicht mehr in der gewünschten Qualität.»

Als Faustregel könne man sich Folgendes merken: «Je länger der Ast, je weiter er runter hängt, desto älter und schwächer ist die Knospen- und dementsprechend die Fruchtqualität.»

Andreas Klöppel schneidet deshalb das herabhängende Fruchtholz auf einen jüngeren, vitalen Seitentrieb zurück. «Durch dieses sogenannte Verjüngen zwingen wir den Baum in die gewünschte flache Wuchsrichtung wieder zurück. Gleichzeitig reduzieren wir die Anzahl der Blütenknospen und erzeugen damit ein gutes Verhältnis zwischen vegetativen und generativen Wachstum, also dem Trieb- und Fruchtwachstum.»

An einigen Stellen weist der Baum einen verdichteten Wuchs auf. «Besonders jetzt, wo die Blätter noch hängen, sieht man deutlich, dass wertvolles Fruchtholz von Konkurrenztrieben beschattet wird. Wenn wir hier nicht auslichten, erhalten die Knospen und Früchte zu wenig Sonne und Pilzkrankheiten können sich besser entwickeln. Beides gefährdet die Qualität der Früchte», argumentiert der Betriebsleiter.

Nach dem Schnitt zeigt sich deutlich: Der Baum wirkt weniger gedrungen, er ist luftig und Sonnenlicht kann besser durchdringen.

Wer sich etwas schwer tut mit der Entscheidung, welcher Ast weggeschnitten werden soll, dem rät Andreas Klöppel, die dickeren Äste vor allem im oberen Bereich der Krone zu entfernen, da sie zu viel Schatten auf die unteren Triebe und damit auf die Blütenknospen werfen.

Aber Achtung: «Wenn wir alles wegschneiden, was uns nicht gefällt, reizen wir den Baum und er schiesst nach oben, statt die Energie in die Bildung der Blüten und Früchte zu investieren.» Zudem riskiere man weniger Früchte im Sommer, weil zu viel Fruchtholz mit den wertvollen Blütenknospen abgetrennt wurde.

Wer seine Bäume kennt, schneidet intuitiv

Wenn insgesamt 200 bis 300 Blütenknospen stehen bleiben, könne man zum Schluss mit einer guten Ernte von 100 bis 150 Früchten pro Baum rechnen – inklusive Verluste durch den Frost und nach der Qualitätsausdünnung im Frühjahr.

«Aber ich zähle nicht jede einzelne Knospe, wenn ich den Winterschnitt durchführe. Man muss den Baum einfach intuitiv schneiden. Das kommt mit der Zeit, wenn man seine Bäume besser kennengelernt hat», erklärt der Betriebsleiter.

Andreas Klöppel betrachtet seine Arbeit und nickt zufrieden. Die anderen 10 000 Bäume wird sich Klöppel aber erst nach dem ersten Frost vornehmen. Dann sind die restlichen Blätter abgefallen und die Struktur des Baumes offenbart sich – der perfekte Zeitpunkt für den Winterschnitt.

 

So geht der Winterschnitt

Mit einem angepassten Winterschnitt versucht man, den Baum in ein Gleichgewicht zwischen einem mässigen Triebzuwachs und einer ausgeglichenen Blütenknospenbildung zu bringen. Dies erfolgt, um Alternanzen bzw. unterschiedliche Fruchtgrössen vorzubeugen.

Ziel des Schnittes im 1. Jahr

Im 1. Standjahr werden mit dem Schnitt das vegetative Wachstum gefördert und die Produktion von Früchten gehemmt, indem kleine Äste und Blüten entfernt werden.

Ziel des Schnittes ab dem 2. Jahr

Im 2. und den darauffolgenden Jahren wird der Obstbaum so geschnitten, dass alle Elemente eine optimale Besonnung und eine möglichst waagerechte Ausrichtung haben. Dominante Seitentriebe werden konsequent entfernt.

Ziel des Unterhaltsschnittes

Alle Fruchtäste sollen eine gute Belichtung und eine optimale Position haben. Abgetragenes Fruchtholz wird entfernt bzw. verjüngt. Dominante Äste, vor allem in den oberen Baumpartien, müssen entfernt werden.

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