Xylella fastidiosa ist eines der gefährlichsten phytopathogenen Bakterien weltweit. Es ist in der EU und in der Schweiz als prioritärer Quarantäneorganismus eingestuft und gefährdet mehr als 700 Pflanzenarten. Bei Kulturpflanzen verursacht es unter anderem die Pierce-Krankheit an Weinreben, das Quick-Decline-Syndrome an Olivenbäumen sowie Chlorosen und Blattverbrennungen an Zitrusfrüchten und Steinobstbäumen, insbesondere an Arten der Gattung Prunus.

Die Schweiz ist derzeit frei von Xylella fastidiosa, doch die Ausbrüche in den Nachbarländern und der intensivierte internationale Pflanzenhandel geben Anlass zur Sorge. Die vom Kompetenzzentrum Neobiota in Cadenazzo TI durchgeführten Forschungsaktivitäten zielen darauf ab, die Risiken frühzeitig zu erkennen und nachhaltige Strategien für den Umgang mit einem möglichen zukünftigen Auftreten des Erregers in der Schweiz zu entwickeln.

Xylella fastidiosa wird von der in der Schweiz heimischen und weitverbreiteten Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius) übertragen. Studien zur Ökologie und Phänologie dieses Vektors sowie die Prüfung verschiedener Mäh-regime sowie Push-und-Pull-Methoden tragen dazu bei, die Epidemiologie der Krankheit im Schweizer Kontext besser zu verstehen und nachhaltige Kontrollstrategien zu entwickeln. Zudem wird derzeit mit Unterstützung des SNF und in Zusammenarbeit mit der WSL unter kontrollierten Bedingungen untersucht, in welchem Ausmass verschiedene Insektenvektoren das Bakterium aufnehmen und auf land- und forstwirtschaftlich relevante Wirtspflanzen übertragen können.

 

Kommentar von Dr. Francesca Dennert, WSL: Auch für Waldbäume gefährlich [IMG 2]

Bisher ist das Bakterium Xylella fastidiosa noch nicht in der Schweiz angekommen. In einigen Nachbarländern, etwa in Italien und Frankreich, ist es jedoch bereits verbreitet. Durch den Klimawandel könnte sich Xylella fastidiosa weiter nach Norden ausbreiten, da das Bakterium wärmeliebend ist. Die Sorge vor einer möglichen Einschleppung in die Schweizer Landwirtschaft ist berechtigt, da die wirtschaftlichen Schäden erheblich ausfallen könnten.

Weniger bekannt ist, dass Xylella fastidiosa ein sehr breites Wirtsspektrum besitzt, das auch zahlreiche Waldbaumarten umfasst. In seinem Ursprungsgebiet in Nord- und Mittelamerika befällt das Bakterium zum Beispiel Eichen und Ahorn. Die übertragenden Insektenvektoren leben sowohl im Wald als auch in Agrarlandschaften. Damit besteht das Risiko einer wechselseitigen Übertragung zwischen Wald und landwirtschaftlichen Kulturen. Über das potenzielle Schadensausmass im Wald und über die Verbreitungswege zwischen beiden Lebensräumen ist bislang nur wenig bekannt. Genau diese Wissenslücken adressieren die Forschungsprojekte des Kompetenzzentrums Neobiota. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden entscheidend sein, um künftig Schäden an Waldbaumarten frühzeitig zu erkennen und wirksam einzudämmen.