In der Agrarpolitik fliegen bei Öko-Themen oft die Fetzen. Eine Bachelorarbeit an der ETH Zürich beleuchtet nun die Hintergründe dieser Gräben. Wie könnte man zukünftig gemeinsam tragfähige Lösungen finden?

Das Erbe der «Anbauschlacht»: Die Identität der Schweizer Landwirtschaft ist tief verwurzelt in der Zeit von 1900 bis 1980. Damals galt: Produktion ist alles. Dieser Auftrag prägte die Landwirtschaft als stolze Ernährerin der Nation. Ab 1980 kam der Umschwung zum Naturschutz. Der Widerstand vieler ProduzentInnen richtete sich dabei weniger gegen die Ökologie an sich, sondern gegen das Gefühl, die Eigenbestimmung auf dem Hof zu verlieren. Man fühlte sich fremdbestimmt statt abgeholt.

Vom Graben zum Dialog: Während es auf politischer Ebene (zum Beispiel bei der Biodiversitäts-Initiative) oft kracht, zeigt die Praxis ein anderes Bild: In regionalen Vernetzungsprojekten funktioniert die Zusammenarbeit meist gut. Viele LandwirtInnen sehen die Vielfalt heute als Teilaufgabe – sofern sie als Fachleute ernst genommen werden.

Wenn wir verstehen, wie diese alten Narrative – gemeinsame Geschichten und Vorstellungen – unser Handeln prägen, kann der Dialog mit NaturschützerInnen sachlicher geführt werden. Ohne Praxiswissen geht es schliesslich nicht, wenn Massnahmen auf dem Feld auch wirklich funktionieren sollen.

 

Kommentar von Urs Gimmi, Leiter Abteilung Natur und Landschaft, Kanton St. Gallen: Alte Narrative bremsen [IMG 2]

Im Naturschutz sind wir regelmässig auf die Mitarbeit der Landwirtschaft angewiesen. Doch verfestigte Haltungen erschweren die Zusammenarbeit. Das Argument «Ernährungssicherheit» wird oft als Totschlagargument gegen Naturschutzauflagen und -projekte verwendet. Ebenso falsch ist das undifferenzierte Bild der Landwirtschaft als Totengräberin der Biodiversität. Zuletzt verfestigten Naturschutzinitiativen die unterschiedlichen Positionen weiter.

Es ist an der Zeit, einander wieder mehr zuzuhören, die gegenseitigen Anliegen anzuerkennen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden. So hilft beispielsweise die offene und ehrliche Kommunikation über mögliche betriebliche Auswirkungen von Naturschutzmassnahmen – zum Beispiel in Sachen Nährstoffbilanz oder Mehraufwand –, um Vertrauen zu schaffen.

Hoffnungsvoll stimmt, dass auf Ebene der einzelnen Landwirtschaftsbetriebe immer wieder gemeinsame Lösungen gefunden werden.