Die Märkte in der Schweineproduktion sind sensibel. Schwankungen in Angebot und Nachfrage wirken sich direkt auf Preise, Logistik und Planungssicherheit aus – vom Produzenten über die Schlachtbetriebe bis zur Branche insgesamt. Um diese Dynamik besser zu verstehen und frühzeitig reagieren zu können, haben Forschende der Berner Fachhochschule HAFL gemeinsam mit Suisseporcs ein Prognosemodell für die wöchentlichen Schweineschlachtzahlen in der Schweiz entwickelt.
Ziel der Studie war es, die Anzahl geschlachteter Schweine pro Woche möglichst zuverlässig vorherzusagen. Grundlage dafür bilden Zeitreihendaten aus Schlachthöfen, die mit weiteren Informationen entlang der Produktionskette kombiniert wurden. Entwickelt wurde ein Ensemble aus sechs statistischen Modellen, deren Ergebnisse zusammengeführt werden. Dieser Ansatz reduziert Unsicherheiten und erhöht die Robustheit der Vorhersagen.
Die Modelle berücksichtigen zeitliche Abhängigkeiten zwischen aufeinanderfolgenden Wochen, saisonale Muster im Jahresverlauf sowie Feiertage mit eingeschränkten Schlachtkapazitäten. Zusätzlich fliessen vorgelagerte Indikatoren wie verkaufte Ebersamen, verfügbare Ferkel oder Tierbewegungen aus der Tierverkehrsdatenbank ein, die das Schlachtaufkommen zeitlich verzögert beeinflussen.
Kommentar von Adrian Schütz, Suisseporcs: Entwickelt für die Praxis [IMG 2]
Das entwickelte Modell ist kein theoretisches Konstrukt, sondern ein praktisches Entscheidungsinstrument. Es kann helfen, Engpässe oder Überangebote frühzeitig zu erkennen und die Planung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu verbessern. Für Schlachtbetriebe bedeutet das mehr Planungssicherheit, für die Branche eine bessere Abstimmung von Produktion und Markt.
Entscheidend ist dabei die wissenschaftlich fundierte Datenbasis. Die HAFL bringt hier ihre langjährige Erfahrung in Statistik, Agrarökonomie und Tierproduktion ein. Durch die Kombination mehrerer Modelle in einem Ensemble werden die Informationen umfassender und die Prognose robuster als bei einem einzelnen Ansatz. Je regelmässiger und umfassender solche Modelle genutzt werden, desto grösser ist ihr Nutzen für Markttransparenz und Stabilität.
Die Schweineproduktion ist durch lange Vorlaufzeiten geprägt. Wer früh erkennt, wie sich das Schlachtaufkommen entwickelt, kann besser reagieren. Mit unserem Modell zeigen wir, wie sich vorhandene Daten entlang der Produktionskette sinnvoll nutzen lassen – zum Vorteil der gesamten Branche.