Hafer wird als pflanzlicher Proteinlieferant und wegen seiner Ballaststoffe für die Ernährung immer wichtiger. Um seine Vorzüge besser nutzen und neue, angepasste Sorten züchten zu können, hat ein internationales Forschungsteam einen Gen-Atlas (ein sogenanntes Pangenom) von über 30 Hafersorten erstellt.

Forschende der ETH Zürich fügten das Genom der alten, lange verschollenen Schweizer Sorte «Hative des Alpes» zu diesem Atlas hinzu. Diese Sorte war zwischen 1910 und 1930 in den Voralpen verbreitet. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand sie von unseren Äckern. Erst 2012 erhielt Agroscope vom Vavilov-Institut in St. Petersburg Saatgut zurück und begann mit der Vermehrung. Die Forschenden der ETH Zürich analysierten das Erbgut von «Hative des Alpes» und speisten ihre genetischen Baupläne in den Gen-Atlas ein.

Das Hafer-Pangenom enthält zum einen die Gene, die in allen Sorten gleich sind. Zum anderen enthält es spezifische Gene, die nur in einzelnen Sorten vorkommen. So besitzt «Hative des Alpes» Gene, die den Pflanzen Resistenz gegen bestimmte Krankheiten verleihen oder sie besonders gut für den Anbau in kühleren, regenreichen Alpenregionen geeignet machen.

Kennt man diese Gene, kann man sie gezielt in moderne Sorten einkreuzen. Dies erleichtert die Züchtung und macht Hafer wieder zu einer attraktiven Option zur Diversifikation landwirtschaftlicher Produktion.

 

Kommentar von Boulos Chalhoub, Agroscope Reckenholz: Ein genetischer Schatz [IMG 2]

Ob als herzgesundes Lebensmittel oder als bewährtes Futtermittel – Hafer ist ein Alleskönner. Tief in der Schweizer Ackerbautradition verwurzelt, trägt er heute als Nischenkultur zur Ernährungssicherung, Fruchtfolgevielfalt und ökologischen Aufwertung landwirtschaftlicher Betriebe bei.

Der neue Gen-Atlas ist für die Pflanzenzüchtung eine wichtige Ressource. Er erlaubt es, die genetische Vielfalt effizient zu nutzen und robuste, an den Standort angepasste Sorten zu züchten. Ein besonderer Schatz ist dabei die Sorte «Hative des Alpes». Ihre Gene für Kälte- und Nässetoleranz sowie zur Abwehr von Pilzkrankheiten sind besonders wertvoll, da sie bei den anderen im Atlas charakterisierten Hafersorten in dieser Form nicht vorkommen.

Dank der Zusammenarbeit mit dem Vavilov-Institut ist «Hative des Alpes» nicht länger ein verlorenes Erbe. Das Saatgut lagert in der nationalen Genbank von Agroscope und ist öffentlich zugänglich. Nutzen wir dieses genetische Erbe für einen starken Schweizer Haferanbau.