Kurz & bündig
- Ruedi Huber züchtet als Kernzüchter Duroc-Eber.
- Ein prophylaktischer Einsatz von Antibiotika ist nicht erlaubt. Es werden nur Einzeltiere behandelt.
- Der Züchter achtet auf viele «kleine» Dinge, um seine Tiere gesund zu halten.
- Tierwohl, ein gutes Stallklima und saubere Futterleitungen sind ihm besonders wichtig.
- Das SuisSano-Gesundheitsprogramm hilft, Schwachstellen zu entdecken.

Gesunde Schweine sind ganz besonders in der Kernzucht wichtig. Denn die Zuchttiere kommen zur Vermehrung auf viele in der Schweiz verteilte Betriebe und können so leicht Krankheiten übertragen.

Ruedi Huber züchtet in Appenzell Duroc-Eber und ist einer von nur drei Duroc-Kernzucht-Betrieben in der Schweiz. «Meine Tiere müssen gesund sein», betont er. Und das mit möglichst wenig Antibiotika-Einsatz, da Antibiotika leicht Krankheiten verdecken können.

Ein gutes Stallklima dank natürlicher Lüftung

Wie hält man seine Tiere mit möglichst wenig Antibiotika-Einsatz gesund? «Viele kleine Sachen führen zum Erfolg», ist Huber überzeugt. Er legt vor allem Wert auf eine tierfreundliche Haltung sowie auf die Futter- und Luftqualität.

Die Galtsauen hält Huber in einem Offenstall mit Liege-Nischen. Das Klima in den eingestreuten Nischen lässt sich durch eine hochklappbare Decke und Streifenvorhänge regulieren. Der nicht überdachte Auslauf befindet sich zwischen den Fressständen und den Liegenischen.

Auch im Abferkelstall achtet Huber darauf, dass immer genügend frische Luft vorhanden ist. Auf jeder Stallseite gibt es ein offenes Band in den Wänden, das sich mittels Luftschläuchen schliessen lässt. Ein Ventilator bläst dazu Luft in die durchsichtigen Plastikschläuche. Es gelangt weiterhin Licht in den Stall, die Luftpolster wirken wärmedämmend. Im Winter bleiben die Schläuche meistens gefüllt, aber die Ventilatoren werden stündlich für fünf Minuten ausgeschalten, um den Stall in dieser Zeit quer zu lüften.

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Bei Kälte senkt der Schweinezüchter eine Zwischendecke über den Liegeplatz von Sau und Ferkel, um ein warmes Mikroklima zu schaffen. Zusätzlich steht den Ferkeln ein mit einer Infrarotplatte beheiztes Ferkelnest zur Verfügung. Liegen die Ferkel in der Kiste und strecken wie unter einer Bettdecke den Kopf nach draussen, ist dies das beste Zeichen, dass das Stallklima für die Ferkel stimmt.

«Es braucht keine Fenster, keine Lüfter und keine Alarmanlage», fasst Huber die Vorteile seines einfach gehaltenen Stalles zusammen. In den von der Firma ATX entworfenen Buchten können die Sauen zwischen Liege- und Kotplatz unterscheiden, was zur Sauberkeit und damit zur Hygiene beiträgt.

Die Futterzuleitungen müssen sauber sein

Die Fütterungseinrichtungen sind ebenfalls ein «Steckenpferd» von Huber. Er legt Wert darauf, die Sauen individuell zu füttern. In den Gruppenbuchten zu je sechs Tieren gibt es Einzelfressstände, welche die Tiere selbst öffnen und schliessen. So können sie in Ruhe fressen.

Ein Futterband füllt die Behälter über den Trögen; der Tierhalter kann nachjustieren, wenn eine Sau etwas mehr Futter erhalten soll. Die Sauen befeuchten das Futtermehl selbst, indem sie den Rüssel auf die Tränkenippel über dem Trog pressen. Wichtig ist, dass genügend Wasser kommt. Das alles hilft, Stress zu vermeiden und wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden und damit auch auf die Gesundheit der Tiere aus. [IMG 3]

In Futterleitungen bilden sich leicht Keime und Pilze, die via Magen- und Darm die Gesundheit beeinträchtigen. «Die Futterleitungen müssen zugänglich sein», das ist Huber wichtig. Er kann jedes Rohr, das in den Trog führt, von der Zuleitung lösen und reinigen.

«Bei mir darf nichts kompliziert sein», ist ein weiterer Grundsatz des Schweinezüchters. Im Galtsauenstall sind die Rohre sogar durchsichtig, damit Ablagerungen leicht erkennbar sind.

Nicht nur bei den Futterzuleitungen legt Huber Wert auf Sauberkeit, sondern auch bei den Silos. Bei gewellten Metallsilos sieht Huber eine grosse Gefahr für Ablagerungen, in denen sich Pilze und Bakterien bilden können. Sein Futtersilo besteht aus glatten Kunststoffwänden und verfügt über eine Siloentlüftung, damit es im Inneren nicht zu warm wird.

Antibiotika nur zur gezielten Einzeltier-Behandlung

Das Magen-/Darmmilieu spielt für die Gesundheit der Ferkel eine wichtige Rolle. Huber lässt die Ferkel schon in der Abferkelbucht im Trog der Mutter mitfressen. Dafür hat er einen speziellen Mutter-Kind-Trog eingebaut. Auch hat er im Ferkelnest einen kleinen Trog mit Milch aufgestellt. Den abgesetzten Ferkeln mischt er ein flüssiges Säuregemisch in die Wühlerde.

Betriebsspiegel der Huber Schweinezucht GmbH
Ruedi Huber, Appenzell

LN: 3 ha für die Freilandhaltung
Tierbestand: 75 Muttersauen, 25 Remonten, 180 Mastschweine, 10'500 Legehennen im Freiland und 10'500 Aufzuchthennen
Weitere Betriebszweige: Legehennenhaltung mit Junghennenaufzucht
Arbeitskräfte: Betriebsleiter und seine Frau (40–50 %), ein Mitarbeiter in der Schweinezucht (80 %), vier Mitarbeiterinnen in der Geflügelhaltung ( je 30 %)

Das Porträt von Simone Barth steht neben einer Flasche Antibiotika und einer leeren Spritze (Symbolbild). Antibiotika-Reduktion StandPunkt von Simone Barth zum Antibiotika-Einsatz: Wir sind noch lange nicht am Ziel Dienstag, 2. August 2022 Um Antibiotika zu reduzieren, kann man nicht einfach einen Schalter kippen. «Es kommt auf tausend kleine Sachen an», erzählt Huber aus Erfahrung.

Beim Einrichten der Abferkelbuchten war ihm zum Beispiel der Boden wichtig. Er sollte zwar rutschfest, aber nicht zu rau sein, um ein Aufreiben der Gelenke der Ferkel zu vermeiden. Ein antibiotisches Medizinalfutter hat Huber schon lange nicht mehr eingesetzt. Ein prophylaktischer Einsatz ist im SuisSano-Gesundheitsprogramm der Suisag, an dem Huber seit einem Jahr teilnimmt, nicht erlaubt.

Wenn er Antibiotika einsetzt, dann ist es nur zur Behandlung von Einzeltieren. Meistens machen Gelenkentzündungen oder Milchfieber eine Antibiotika-Behandlung nötig.

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SuisSano-Gesundheitsprogramm ist einzigartig

Das SuisSano-Gesundheitsprogramm hat zum Ziel, den Antibiotika-Verbrauch in der Schweinehaltung zu reduzieren. «Es ist ein gutes Instrument», findet Huber. Es helfe nicht nur dem Schweinehalter, Schwachstellen bei der Haltung zu finden, sondern fördere auch das Vertrauen der Konsumenten in die schweizerische Schweinehaltung.

Abo Mastferkel stehen in der eingestreuten Bucht. Antibiotika-Reduktion Verbrauch von kritischen Antibiotika bei Schweinen sinkt Dienstag, 2. August 2022 Das Fleisch enthält keine Rückstände von Antibiotika und die Gefahr der Bildung resistenter Keime wird minimiert. Auch wenn Huber schon vor der Teilnahme am Programm nur zur Einzeltierbehandlung Antibiotika eingesetzt hat, so steht er trotzdem hinter dem Programm.

«Es ist weltweit einzigartig», lobt der Schweinehalter. Es sei den Schweinehaltern nicht vom Bund auferlegt worden, sondern die Sauenbranche habe es selbst initiiert, betont Huber nicht ganz ohne Stolz.

Seit dem 1. Januar 2022 müssen alle QM-Betriebe daran teilnehmen. Die betriebsindividuellen Daten sind nur dem Betriebsleiter und dem Schweinegesundheitsdienst SGD zugänglich. Sie dienen nur der Gesundheitsüberwachung. Ersterer kann aber auch ausgewählten Dritten den Zugang frei schalten. Ohne Datenschutz könnten die Daten leicht missbraucht werden.

Biosicherheit ist Voraussetzung für gesunde Schweine

Die Auswertung der Betriebsdaten und der Vergleich mit anderen Betrieben im SuisSano-Programm zeigen, dass Huber Erfolg hat. Der Betrieb liegt beim Einsatz von Antibiotika weit unter dem Mittelwert vergleichbarer Zuchtbetriebe. Hubers Strategie, auf viele kleine Dinge zu achten, geht bei dem Betrieb auf. 

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Dazu gehört auch das strikte Einhalten der Richtlinien für die Biosicherheit nach dem Grundsatz «Vorbeugen ist besser als heilen».

Wenn keine Keime eingeschleppt werden, braucht es auch keine Behandlung. Deshalb arbeitet Huber unter anderem nach diesen Grundsätzen:

  • Die Ausläufe sind umzäunt und man darf nur mit Schutzkleidung und betriebseigenen Stiefeln in den Stall.
  • Es kommen keine fremden Tiere auf den Betrieb, weder Sauen noch Eber.
  • Blutauffrischungen geschehen über Sperma-Importe aus Kanada.

Nicht zuletzt sei es auch der Rasse zuzuschreiben, dass seine Tiere gesund sind, ist Ruedi Huber überzeugt. Denn die Rasse Duroc zeichne sich nicht nur durch eine sehr gute Fleischqualität, sondern auch durch eine robuste Gesundheit aus.