Lungenentzündungen bei Kälbern gelten als klassische Faktorenkrankheit. Das bedeutet, dass in der Regel nicht ein einzelner Erreger die Erkrankung auslöst, sondern das Zusammenspiel mehrerer Belastungen. Verschiedene Fachstellen betonen, dass im Winter besonders viele dieser Risikofaktoren zusammenkommen. Kälte, Feuchtigkeit und Zugluft schwächen die Abwehrkräfte, während Schadgase wie Ammoniak die Atemwege zusätzlich reizen können. Ist das Immunsystem geschwächt, können Viren besonders leicht eindringen und die Lunge schädigen.

Auf diese virale Vorschädigung folgen bakterielle Infektionen, die den Krankheitsverlauf massiv verschlimmern. Typische Erreger sind Mykoplasmen (v. a. Mycoplasma bovis). Sie verursachen schwere, teils chronische Lungenveränderungen, die sich oft erst spät vollständig ausheilen.

Die Folgen sind erheblich. Kälber mit Pneumonie zeigen tiefere Tageszunahmen, benötigen mehr Behandlungen und entwickeln sich langsamer. Bei weiblichen Tieren erhöht sich häufig das Erstkalbealter und die spätere Milchleistung kann sinken. Damit beeinträchtigen Atemwegserkrankungen nicht nur das Tierwohl, sondern auch die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes.

Wirksame Prävention beginnt früh. Eine hochwertige Kolostrumversorgung, trockene und warme Liegeflächen, stabile Gruppen und ein zugfreies, gut belüftetes Stallklima sind daher vorteilhaft. Zusätzlich gibt es Impfprogramme gegen wichtige Atemwegserreger, die das Risiko deutlich reduzieren können. Werden diese Faktoren konsequent berücksichtigt, kann eine solide Grundlage für gesunde Kälber und eine erfolgreiche Aufzucht geschaffen werden.