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Siloballenfolie mit Recycling-Anteil: Ein Schritt Richtung Nachhaltigkeit

Rund 6 Millionen Siloballen werden jedes Jahr in der Schweiz gewickelt. Was danach mit den Folien passieren soll, ist nach wie vor ein leidiges Thema. Folien mit rezykliertem Kunststoff sind ein erster Schritt in Richtung Nachhaltigkeit.


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Kurz & bündig

  • Seit Herbst 2020 ist in der Schweiz eine Siloballenfolie mit rezykliertem Kunststoff auf dem Markt.
  • Im Alltag merken weder Lohnunternehmer noch Landwirt einen Unterschied zur Standardfolie.
  • Das 2018 vom SBV lancierte Projekt zum Recycling von Siloballenfolien ist gescheitert. Ein neues Projekt ist angedacht, aber noch nicht spruchreif.

 

Aemisegger Agro-Bedarf ist ein Siloballen-Pionier. Schon 2003 feierte das Unternehmen «20 Jahre Siloballen Schweiz». Für Bruno Aemisegger sen. und Bruno Aemisegger jun. war sofort klar, dass sie die Folie «Triowrap loop» von Trioplast testen werden.

Diese Folie besteht zu über 30 Prozent aus rezykliertem Kunststoff. Sie basiert auf PCR-Material – also Material, das bereits einmal dem Verwendungszwecke gedient hat. In diesem Fall stammt also fast ein Drittel der neuen Ballenfolie aus gebrauchtem Kunststoff.

Aemisegger jun. zeigt sich nach einem Test mit zwei Rollen Folien überzeugt. «Qualitativ ist die Folie den anderen ebenbürtig», sagt er. Die «Triowrap loop» ist 25µ dick und entspricht damit der Standard-Siloballenfolien.

Kein Unterschied zu «gewöhnlicher» Siloballenfolie spürbar

Landwirt Urs Theiler aus Sommeri TG hat gar nicht realisiert, dass er Ballen mit der neuen Folie hat: Lohnunternehmer Daniel Haffa aus Andwil hat bei ihm im Herbst 2020 Siloballen gewickelt. Theiler merkt keinen Unterschied, weder beim Futter noch bei der Lagerung oder dem Umgang mit den Ballen im Alltag. Er entsorgt jedes Jahr gegen 1,5 Tonnen Folie: «Arbeitstechnisch ist es für mich am einfachsten, die Folien mit dem Teleskoplader in eine 30-Kubik-Mulde zu legen. Einmal pro Jahr fahre ich damit zur Kehrichtverbrennungsanlage.»

Ihm sei klar, dass es Recycling-Möglichkeiten geben würde und seine Lösung vielleicht nicht die beste sei. Doch seine Lösung biete auch Vorteile, gibt er zu bedenken: «In der KVA nehmen sie die Folie gern, um Wärme zu produzieren.»

Dieser Meinung ist auch Bruno Aemisegger: «Natürlich muss eine komplette Kreislaufwirtschaft das Ziel sein.» Recycling klinge stets besser als Verbrennung. Doch wenn die Folie thermisch weitergenutzt werde, sei das durchaus sinnvoll. Denn in der KVA können auch verschmutzte Folien angeliefert und in Wärme umgewandelt werden.

Und Lohnunternehmer Daniel Haffa ergänzt: «Am Ende bleibt keine Schlacke übrig – in der KVA wird Folie aus der Landwirtschaft komplett verbrannt.»

Wenn Siloballenfolie-Recycling, dann transparent und nachhaltig

Haffa ist ein grosser Befürworter davon, dass korrekt entsorgt wird. Bloss muss eine Recycling-Lösung für ihn nachhaltig und nachvollziehbar sein. Und es müssen in der ganzen Schweiz die gleichen Bedingungen gelten. Bruno Aemisegger jun. und er sind nicht erstaunt, dass das im Jahr 2018 vom SBV und den Akteuren der Ballen-Produktion diskutierte Projekt einer «vorgezogenen Recycling-Gebühr» im Sand verlaufen ist.

Aemisegger zeigt sich enttäuscht, dass der SBV einen «realitätsfremden Papiertiger» ins Auge gefasst hatte: «Die Gebühr war viel zu hoch angesetzt, gerade wenn man es mit bestehenden Recycling-Programmen in unseren Nachbarländern verglich. Es gibt keine eigene Zollnummer für Siloballenfolie. Deshalb wäre der Markt wahrscheinlich auch mit Importen geflutet worden, auf denen keine vorgezogene Gebühr geleistet wurde.»

Aemiseggers Fazit: «Die Idee war nicht umsetzbar.» Wie es weitergeht, werde sich zeigen. Sinnvoll sei sicher, auch über die Grenze zu schauen und sich an erfolgreichen Projekten zu orientieren, etwa der Initiative ERDE.

Hannah Hofer, Leiterin Energie & Umwelt beim SBV, sieht das anders: «Das Projekt scheiterte nicht an der Höhe des Beitrags, sondern weil wichtige Akteure grundsätzlich kein System basierend auf einer vorgezogenen Recyclinggebühr wollten. Stattdessen wollte man auf Sensibilisierung und freiwillige Massnahmen setzen.» Sie deutet an, dass ein neues Projekt in der Luft liege, der Zeithorizont sei jedoch noch nicht klar.

Hofer ist wie Aemisegger und Haffa klar, dass die KVA immer noch attraktiv sei, da die Recyclinggebühren teilweise nahe bei den Entsorgungsgebühren liegen und beim Recycling der Aufwand noch höher liegt. Was dazu kommt: Die Kunststoffpreise sind aufgrund der tiefen Ölpreise so tief, dass Rezyklate finanziell kaum wettbewerbsfähig sind.

Bruno Aemisegger jun. übt sich also in Geduld – und hat einiges an «Triowrap loop»-Folie bestellt. 400 bis 800 Rollen will er 2021 verkaufen, also fast einen ganzen LKW voll. Der Preis pro Balle wird anfangs minim höher sein, mit steigender Menge wird er wahrscheinlich auf das Niveau der herkömmlichen Folie sinken. Er geht davon aus, dass der Anteil an Folie mit Recycling-Anteil zunehmen wird. «Doch die Qualität muss stimmen – sonst verbinden meine Kunden Folien mit Recyclinganteil mit schlechter Qualität.»

Er weist darauf hin, dass Ballenfolie zwar wiederverwertbar sei. Aber um Folien herzustellen, brauche es extrem reines Material. «Die Folien werden ja aufgeblasen. Wenn das Material nicht wirklich rein ist, reisst es.» Lohnunternehmer Daniel Haffa vertraut Bruno Aemisegger jun.: «Wenn Aemisegger sagt, dass die Folie gut ist, stimmt das. Er steht nämlich auch hin, wenn etwas nicht gut läuft.»

Haffa wickelt grundsätzlich mit der etwas dickeren Folie, dafür nur sechs Lagen. Ob sich die «Triowrap loop» bewähre, müsse sich beim Ernsteinsatz im Hochsommer noch zeigen: «Im Herbst war es ja eher kühl, dann hatten wir überhaupt keine Probleme mit der Festigkeit.»

Wahrscheinlich werden es 5 bis 10 Rappen sein, die ein Ballen teurer wird: Der Mehrpreis setzt sich aus dem höheren Einkaufspreis zusammen und der Tatsache, dass es etwas länger dauert, einen Ballen mit acht Lagen zu wickeln. Ob sich die neue Folie durchsetzt? Dazu wagt Haffa noch keine Prognose.

Angebot besteht

Markus Tonner, ­Geschäftsführer der Inno Recycling AG, erklärt im September 2020 der BauernZeitung, woran es liegt, dass die Quote recycelter Siloballenfolien immer erst bei 10 bis 15 Prozent liegt. Einerseits wüssten noch immer nicht alle Siloballenverbraucher, dass die Folien rezykliert werden können. Andererseits fehlen teils regionale Sammelstellen.

Damit die gebrauchten Siloballenfolien optimal rezykliert werden können, müssen sie frei von Netzen, Schnüren und grobem Schmutz, sogenannt «besenrein», sein. Bei Inno Recycling werden die Folien zerkleinert, mit Wasser gewaschen, getrennt, getrocknet, geschmolzen, entgast, filtriert und zu kleinen Granulat-körnern verarbeitet, anschliessend gemischt und verpackt.

Aus dem Granulat werden Kabelschutzrohre, Tragetaschen, Wickel-folien, Flachfolien usw. hergestellt.

Recycling nach deutschem Vorbild?

In Deutschland läuft das Recycling von Folien über die Initiative ERDE. Diese Abkürzung steht für Erntekunststoffe Recycling Deutschland und ist eine der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen angeschlossene Initiative von Herstellern und Vertreibern von Erntekunststoffen wie beispielsweise Silofolien, Stretchfolien oder Ballennetzen.

ERDE hat im Jahr 2019 knapp 20'500 t Silo- und Stretchfolien gesammelt und verwertet. Diese entspricht über 40 Prozent der Gesamtmarktmenge.

Dabei setzt ERDE auf ein System von dezentralen Sammelstellen: Jeder Lohnunternehmer und Landwirt, der die Produkte nutzt, kann seine gebrauchten Erntekunststoffe an einer ERDE-Sammelstelle abgeben.

Die gesammelten Kunst­stoffe werden zerkleinert, gewaschen und zu Re-granulat eingeschmolzen (Recycling), um dann in unzähligen Kunststoff­produkten eingesetzt zu werden.

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