Mit Cem Özdemir ist das deutsche Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft BMEL neu unter Führung eines Spitzenpolitikers vom Bündnis 90/Die Grünen (kurz: die Grünen). Özdemir wird damit Nachfolger von Julia Klöckner (CDU), die seit 2014 Landwirtschaftsministerin der Merkel-Regierung war.

Der Hauptsitz bzw. erste Dienstsitz von Cem Özdemir ist als Erbe der deutsche Geschichte in der Bundesstadt Bonn (die von 1949 bis 1999 Regierungssitz war), sein zweiter Dienstsitz ist in Berlin.

Das Grüne Team des deutschen Landwirtschaftsministers Cem Özdemir

Den nach dem Minister mächtigsten Job im Landwirtschaftsministerium übernimmt eine Diplom-Agraringenieurin:

  • Silvia Bender (die Grünen): Agrarwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Naturschutz und Landschaftsökologie. Sie war in der Vergangenheit unter anderem Abteilungsleiterin Biodiversität beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND, einem der grössten Umwelt- und Naturschutzverbände in Deutschland. Seit 2019 war Bender Staatssekretärin im Brandenburger Landwirtschaftsministerium.

Als beamtete Staatssekretärin ist Silvia Bender eine Beamtin und vertritt den Minister «hausintern» als Chefin der BMEL-Verwaltung und führt das Landwirtschaftsministerium mit seinen rund 1000 Beschäftigten. Aus Özdemirs Umfeld heisst es, der künftige Minister schätze sowohl Benders Sachkompetenz als auch ihre Verwaltungserfahrung.

Neben Silvia Bender sind im Team von Özdemir zwei neue Parlamentarische Staatssekretärinnen. Diese müssen Bundestags-Abgeordnete sein (also Politiker) und unterstützen den Minister nach aussen, zum Beispiel im Parlament, in Ausschüssen und Fraktionen des Parlaments und bei öffentlichen Terminen:

  • Ophelia Nick (die Grünen): Veterinärin, Erbin eines Milliardenkonzerns und Besitzerin von einem der ältesten Demeter-Landwirtschaftsbetriebe der Welt (seit 1930) sowie Buchautorin («Neue Bauern braucht das Land»).
  • Manuela Rottmann (die Grünen), Juristin und frühere Dezernentin für Umwelt, und Gesundheit in Frankfurt am Main.

Wer ist der neue deutsche Landwirtschaftsminister Cem Özdemir?

Cem Özdemir wurde 1965 als Sohn einer türkischen Gastarbeiterfamilie im schwäbischen Bad Urach geboren. Er finanzierte sein Studium zum Diplom-Sozialpädagogen als Erzieher in einem Jugendzentrum und als freier Journalist für den Reutlinger General-Anzeiger und ein Lokalradio.

Zehn Jahre war Cem Özdemir Vorsitzender der Grünen und hat sich dort nicht nur Freunde geschaffen: Sein flapsiger Spruch «Mit der Yoga-Matte unterm Arm» kann man keine Politik machen» hat viele zarte Seelen bei den Grünen erschüttert.

Was erwarten die deutschen Landwirte von Cem Özdemir?

Ein grüner Landwirtschaftsminister war zwar nicht der Wunsch der deutschen Bauern – aber ein «Realo» wie Özdemir ist ihnen lieber als ein «Fundi» vom linken Flügel.

Özdemir hatte bis jetzt wenig Bezug zur Landwirtschaftspolitik. Seine Vorgängerin Julia Klöckner kam zwar aus der Branche, ihre Eltern haben ein Weingut, aber die deutschen Landwirte haben ihr jegliche Fachkompetenz abgesprochen. Es sei «nicht wichtig, ob jemand Stallgeruch hat», erklärte denn auch der Präsident des Deutschen Bauernverbandes DBV, «ein wacher Geist arbeitet sich schnell ein.»

Der Vegetarier Özdemir müsse mit den Bauern ja kein Schnitzel essen, erklären auch die Freien Bauern, die Organisation der bäuerlichen Familienbetriebe. «Aber wir würden Ihm gerne erklären, warum eine vegetarische oder vegane Landwirtschaft nicht funktioniert.»

Ob sich die Hoffnungen auf eine pragmatische Landwirtschaftspolitik mit Özdemir  erfüllen, muss sich erst noch zeigen. Denn seine Vorgängerin Julia Klöckner (CDU) hinterlässt einen Stall, in dem an allen Ecken Glutnester brennen. Özdemir wird die Interessen von Landwirten, Nutztieren, Umwelt  und Konsumenten zusammenbringen müssen – und zwar so, dass weder die Tiere und die Natur, noch die Bauernfamilien dran glauben müssen.

Behörden, Anstalten, Institute und Forschungsanstalten im BMEL

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit BVL
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung LE
Bundessortenamt BSA
Bundesinstitut für Risikobewertung BfR
Julius Kühn-Institut JKI, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit
Max Rubner-Institut MRI, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel
Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei