Die Bilder sind eindrücklich: Geograf Hanspeter Liniger hat im Auftrag des Centre for Development and Environment der Universität Bern gemessen, wie stark sich Ackerböden im Vergleich zu bedeckten Böden oder einer Strasse an einem heissen Sommertag erwärmen. Der bearbeitete, nackte und ausgetrocknete Boden erwärmt sich auf eine Oberflächentemperatur von über 60 Grad, der Asphalt hingegen «nur» auf 50 Grad.
Der Grund: Der Asphalt ist kompakt und leitet die Hitze in den Boden hinein. Der Ackerboden hingegen enthält Luftporen, welche das Weiterleiten der Wärme in den Boden verhindern.
Die Folgen sind dramatisch, wie im Video zu sehen ist: Zum einen leiden die Bodenlebewesen, zum anderen zerstört Hitze die Bodenstruktur, was bei Regen zu Erosion führt. Wasser fliesst oberflächlich ab, statt im Boden zu versickern und die Grundwasserreserven aufzufüllen.
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Bedeckter Boden bleibt kühler und kann Wasser aufnehmen
Die Versuche von Liniger und der Agronomin Jovana Askrabic aus den letzten drei Sommern zeigen erstaunliche Resultate. Deshalb referiert Liniger am zweiten Tag von Soil Evolution, der Fachveranstaltung für Bodenfruchtbarkeit und Bodenaufbau. Im «Pavillon» berichtet er am 3. Juni 2026, was seine Versuchsergebnisse für die Landwirtschaft bedeuten.
Was sich in den Versuchen auch gezeigt hat: Am kühlsten bleiben bei hohen Sommertemperaturen Waldböden, danach folgt ein Boden, den eine Gründüngung bedeckt. Im Versuch war es ein Sommerfuttererbsen-Guizotia-Gemisch, das nach Gerste direkt ins gehäckselte Stroh eingesät wurde. Zum Zeitpunkt der Messung stand die Gründüngung bereits sechs Wochen und bedeckte den Boden lückenlos. Zudem konnte sich in der Nacht dank der wachsenden Pflanzen Tau sammeln, der den Boden befeuchtete und den Pflanzenwuchs förderte. Der Boden konnte sich nicht überhitzen.
Hanspeter Liniger führte in verschiedensten Ländern der Welt Temperaturmessungen bei verschieden bearbeiteten oder bepflanzten Böden durch: Der Erfahrungsaustausch mit dem Forscher ist nur ein Grund, sich die Zeit für einen Besuch bei Soil Evolution zu reservieren. Am Festival werden viele weitere innovative und praktische Lösungsansätze präsentiert.
Wissen vermitteln und Austausch zwischen Praktikern fördern
Das Bodenfestival Soil Evolution findet vom 2. bis 5. Juni auf dem Gurten in Bern statt. Ziel ist es, mit Exkursionen, Fachvorträgen und Workshops aktuelles Wissen und innovative Praktiken zu vermitteln. Neben den Diskussionen auf den Betrieben und nach den Fachvorträgen tragen sicher die Gespräche während des Abendprogramms und auf dem Rundgang durch die Ausstellung zum Austausch unter Praktikern und mit den Forschenden bei.
Anmeldung und Infos