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Kälbergesundheitsdienst: Kälber brauchen Aufmerksamkeit, Liebe und Fürsorge

Zahlreiche Studien zeigen, dass die erfolgreiche Kälberaufzucht eine entscheidende Grundlage für die Remontierung von gesunden, langlebigen Milchkühen ist. Die Aufzucht beeinflusst die Wirtschaftlichkeit der Milchproduktion wesentlich. Entscheidend ist der Faktor Mensch.


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Kurz & bündig

  • Um Erkrankungen zu vermeiden und eine zügige Aufzucht bei optimaler Tiergesundheit zu erreichen, gilt es, die Belastungen des Tieres so gering wie möglich zu halten.
  • Dabei ist der Faktor Mensch bei der Kälberaufzucht zentral.
  • Grundsätzlich gilt: Aufmerksamkeit, Liebe und Fürsorge sind bei der Kälberbetreuung wichtig.

Eine schlechte Entwicklung der Kälber in den ersten Lebenswochen hat drastische Konsequenzen im Hinblick auf die langfristige Leistungsfähigkeit des Tieres. Gleichzeitig sind Kälber ebenso wie andere Neugeborene weniger belastbar als ausgewachsene Tiere.

Es erstaunt deshalb kaum, dass die Betreuung einer der wichtigsten Einflussfaktoren auf die Erkrankungs- und Verlustrate ist. Es gilt, wie so häufig: Der Mensch macht’s.

Das ist erstmal höchst banal: Kälber sind in ihren ersten Lebenstagen und -wochen stressanfälliger als ältere Rinder. Wollen wir Erkrankungen vermeiden und eine zügige Aufzucht bei optimaler Tiergesundheit erreichen, so gilt es, die Belastungen des Tieres so gering wie möglich zu halten.

Dabei sind folgende Faktoren zu berücksichtigen:

  • Schwergeburten sind eine massive Belastung für das Neugeborene. Sie sind durch ein optimiertes Geburtsmanagement so weit als möglich zu vermeiden. Für Fragen steht der Bestandestierarzt zur Verfügung. Das Ablecken des Kalbes durch das Muttertier führt zu der Entfernung des zähen Geburtsschleims und regt den Kreislauf des Kalbes an. Richtig trocken wird das Kalb dadurch aber nicht. Hingegen ist ein schnelles, vollständiges Abtrocknen insbesondere in der kalten Jahreszeit ein zentraler Vorteil für das Neugeborene. Ein Frotteehandtuch, eine Wärmelampe, ein geheizter Raum oder ein spezielles Iglu mit Heizlüfter oder Heizstrahler können hilfreich sein. Ist das Kalb trocken, kann es auch bei niedrigen Umgebungstemperaturen aufgestallt werden – sofern reichlich trockene Stroheinstreu vorhanden ist. Andererseits ist es fatal, nasse Neugeborene bei Minusgraden sich selbst zu überlassen. Diese Tiere verlieren massiv Energie für die Verdunstung des Wassers, trinken wesentlich weniger Kolostrum und sind in den ersten Lebenstagen besonders gefährdet, an Durchfall zu erkranken.
  • Ein niedriger Keimdruck erfordert regelmässig gereinigte und üppig eingestreute Abkalbeboxen. Zudem sollte das Kalb direkt nach dem Trockenlecken aus dem Abkalbebereich in eine gereinigte Kälberbox bzw. ein Kälberiglu gebracht werden. Diese stand idealerweise mindestens drei Tage «hochgeklappt» leer, um die desinfizierende Wirkung des Lichts auszunutzen.
  • Nur eine adäquate Kolostrumversorgung ermöglicht dem Kalb, trotz Myriaden an Krankheitserregern in der Umwelt, einen guten Start ins Leben. Heute gilt die Empfehlung, dass Kälber nach der Geburt warmes Erstgemelk des Muttertieres ad libitum über eine Nuckelflasche angeboten bekommen sollten. Der Saugreflex ist bei spontan geborenen Kälbern meist unmittelbar nach der Geburt am stärksten – viele Kälber trinken dann mehr als vier Liter freiwillig. Dies gilt es zu nutzen. Wenn das Kalb beim nächsten Anbieten von Tränke nicht trinken will, ist das kein Problem. Kälber, die nicht freiwillig zumindest einen Liter Kolostrum aufnehmen, sollten gedrencht werden. Der Tierarzt zeigt, wie man das macht und wie man jegliche Gefahr einer fehlerhaften Eingabe vermeidet.
  • Die Versorgungslage neugeborener Kälber mit Eisen, Selen und Vitaminen ist häufig schlecht. Die Verabreichung eines sogenannten Kälber-Boosters am zweiten Lebenstag kann hier entscheidend helfen. Der Hoftierarzt hilft bei der Auswahl der Mittel.
  • Die Umstallung bedeutet stets eine erhebliche Herausforderung für die noch sehr jungen Kälber. Die Erfahrung zeigt, dass viele Tiere bei einer Umstallung bereits in der ersten Lebenswoche massive Probleme haben. Dies verwundert eigentlich nicht, denn mit der Umstallung ist in der Regel nicht nur ein Wechsel des Haltungssystems (von Einzelhaltung in Gruppenhaltung) verbunden. Damit einher geht auch ein Wechsel des Fütterungssystems (von Eimertränke auf Tränkeautomaten) und des Futtermittels (von Vollmilch auf Milchaustauschertränke).

Wenn all diese Umstellungen dann noch in die Phase mit dem höchsten Risiko für Durchfallerkrankungen fallen (1. bis 3. Lebenswoche), sind Probleme vorprogrammiert. Um diese zu vermeiden, sollten Kälber nicht vor der vollendeten dritten Lebenswoche umgestallt werden.

Entscheidend für die Tiergesundheit ist der Mensch

All diese Faktoren sind sehr wichtig. Aber der wichtigste Einflussfaktor fehlt noch. Für Tierärzte und Berater mit langjähriger Erfahrung in der Bestandesbetreuung ist es eine Selbstverständlichkeit: Der Faktor «Mensch» ist von ausschlaggebender Bedeutung für die Tiergesundheit auf einem Betrieb. Trotzdem wird dieser Aspekt regelmässig ignoriert. Fakt aber ist, dass suboptimale bauliche Gegebenheiten, Stalleinrichtungen und fehlende technische Ausrüstung durch eine konsequente, motivierte und qualifizierte Herangehensweise des Landwirts an diese Probleme ausgeglichen werden können.

Ebenso können zu wenig Zeit, Desinteresse und fehlende Sachkenntnis des Landwirts durch perfekte Haltungs-, Fütterungs- und Herkunftsbedingungen nicht ersetzt werden.

Kälberbetreuung braucht Aufmerksamkeit, Liebe und Fürsorge

Die Bedeutung einer ausreichenden Betreuungsintensität kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Versorgung neugeborener Kälber erfordert Zeit und Sorgfalt. Im englischen Sprachraum hat sich dafür die Abkürzung «TLC» eingebürgert. TLC steht für «tenderness, love and care», also Aufmerksamkeit, Liebe und Fürsorge. Entscheidend ist TLC insbesondere für die Betreuung erkrankter Tiere.

Allein durch intensivere Betreuung können die Erkrankungsrate und die Tierverluste bei Bestandsproblemen nachhaltig reduziert werden.

Fachkenntnisse sind bei Kälbern wichtig, doch Geduld ist zwingend

Die zentralen Punkte sind dabei Gewissenhaftigkeit und Mitgefühl mit dem Tier. Zwar sind auch Fachkenntnisse bezüglich des richtigen Vorgehens bei Erkrankungen notwendig. Doch die besten, vom Tierarzt bereitgestellten Organigramme und Therapieschemata nützen nichts, wenn sie auf dem Betrieb nicht umgesetzt werden.

In einer älteren Doktorarbeit konnte klar gezeigt werden, dass die Erkrankungsrate von Kälbern sowie auch die Verlustrate massiv gesenkt werden konnten, wenn die Ehefrau des Betriebsleiters die Kälberbetreuung übernahm. Grund für diesen signifikanten Unterschied dürfte schlicht die grössere Geduld sein, die gerade bei der Versorgung von lebensschwachen oder kranken Kälbern zwingend ist.

Untersuchungen in Schweinemastbetrieben zeigte, dass sich Leistungsdaten, Tiergesundheitsstatus, Bestandeshygiene und Therapieschemata zwischen Betrieben mit hohem und niedrigem Antibotika-Einsatz kaum unterschieden.

Betriebe mit wenigen antibiotischen Behandlungen hatten zudem oft vergleichbare betriebliche Rahmenbedingungen wie Betriebe mit einem hohen Therapie-Index.

Motivation und Tierbeobachtung senken den Antibiotika-Einsatz bei Kälbern

Die Ermittlung des Einfühlungsvermögens der Landwirte und Landwirtinnen (sogenannte Soft Skills) zeigte jedoch, dass es Betriebsleitern mit einer guten Motivation, sehr guter Tierbeobachtung und grosser Beratungsoffenheit gelang, den Antibiotika-Einsatz sehr gering zu halten. Gute Soft Skills sind somit entscheidend, um trotz unter Umständen suboptimaler baulicher Verhältnisse eine gute Tiergesundheit und einen geringen Antibiotikaeinsatz zu erreichen.

Insofern gilt auch im neuen Jahr, dass unser Einsatz in der Tierbetreuung gerade für die neugeborenen Kälber wichtig ist – gesunde und vitale Tränker werden es uns danken!

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