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Investitionen: Auf Pump leben ist langfristig fatal

Schöne neue Ställe, moderne Maschinen, schmucke Wohnhäuser: Von aussen betrachtet geht es den meisten Bauern gut. Doch in Wirklichkeit haben viele Betriebe Schulden und manche leben sogar auf Pump – was auf lange Sicht fatal sein kann.


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Kurz & bündig

  • Landwirtschafts-Betriebe müssen nicht zwingend grösser werden, sondern in erster Linie optimiert werden.
  • Die allermeisten Landwirte zahlen ihre Kredite zurück.
  • Beim Leasing von Landmaschinen ist Vorsicht geboten: Sinnvoll ist Leasing vor allem bei einem neuen, kapitalintensiven Betriebszweig. Aber nicht bei Ersatz-Investitionen im Maschinenpark.

Über Schulden spricht man nicht gern. Schon gar nicht, wenn man sie nur mit grösster Mühe tilgen kann. Dabei ist bekannt, dass die Schulden in der Landwirtschaft immer grösser werden. «Das ist eine Folge vom Strukturwandel», sagt Hans Oesch von der Bernischen Stiftung für Agrarkredite BAK, «wir haben letztes Jahr mit 50 Millionen Franken zwar nicht mehr Auszahlungen bewilligt als in den Jahren zuvor, aber die Summe ging an weniger Betriebe.»

Damit steigt das Risiko für den Landwirt. Vor allem dann, wenn er zwar grösser wird, aber nicht unbedingt mehr damit verdient. Statt der Einnahmen steigt manchmal nur die Arbeitsbelastung an.

Das kann Victor Peer vom Vorstand der Landwirtschaftlichen Kreditgenossenschaft Graubünden LKG nur bestätigen: «Es ist immer noch in den Köpfen drin, dass man wachsen muss. Dabei ginge es vor allem darum, den Betrieb zu optimieren. Sonst gibt es Fehlentwicklungen, die zu Überlastung führen.»

Genau hier beginnt oft ein Teufelskreis: Die Schulden drücken und die Bauernfamilien chrampfen, um sie abzuzahlen. Vor lauter Chrampfen haben sie kaum noch Zeit, nachzudenken.

Während sich erfolgreiche Bauern stets Gedanken zur Optimierung machen, können es sich die nicht so Erfolgreichen oft gar nicht leisten, sich einmal zurückzulehnen. Sie sind in der Arbeitsfalle gefangen.

Damit werden die Erfolgreichen immer besser, während es den weniger Erfolgreichen immer schlechter geht. Der Druck steigt, bis – stets im dümmsten Moment – passiert, was man am wenigsten brauchen kann: Es kommt zu Gesundheitsproblemen, zu Schwierigkeiten in der Familie, die Ehe geht in die Brüche, die Psyche kollabiert.

Wenn Schulden nicht getilgt werden können hat das selten nur einen, sondern fast immer mehrere Gründe. Oesch: «Manchmal fängt es mit familiären Problemen an, das hat dann Einfluss auf das unternehmerische Ergebnis.» Dass jemand einen Kredit nicht zurückzahlt, kommt bei der BAK allerdings sehr selten vor, «die Ausfallrate liegt praktisch bei Null». Das liegt auch daran, dass die BAK verfügen kann, dass die Tilgungsrate mit den Direktzahlungen verrechnet wird. Aber auch das ist pro Jahr nur in rund einer Handvoll Fälle notwendig.

Innovative Bauern haben es schwer bei der Bank

Dass die Zahlungsmoral der Bauern allgemein gut ist, bestätigt Pablo Nett vom Beratungsteam des Zürcher Bauernverbands. «Wenn Bauern Geld bekommen, wollen sie auch zurückzahlen.»

Dafür, dass sie es zurückzahlen können, werden im Vorfeld Tragbarkeits-Berechnungen angestellt. Da kann es schon mal vorkommen, dass Nett sagen muss: «Das Projekt ist zu gross, das lässt sich nicht mehr finanzieren.»

Das tut ihm besonders dann leid, wenn es sich um innovative Bauern handelt, «denn da ist es sehr schwierig abzusehen, wie die Erfolgschancen sind.» Nett glaubt, dass derzeit die meisten Betriebsleiter schuldenmässig gut unterwegs sind. «Aber wenn die Trinkwasserinitiative angenommen würde, könnte das grossen Druck geben.» Dann könnte sich so mancher Neubau im Nachhinein als Fehlinvestition erweisen.

Vorsicht vor der Leasing-Falle bei Landmaschinen!

Dem Risiko einer Politikveränderung können die Bauern nicht ausweichen. Andere Probleme sind dagegen hausgemacht, wie Oesch weiss. «Das Leasing von Landmaschinen hat zwar durchaus seine Berechtigung. Wenn jemand in einen neuen Betriebszweig einsteigen will, der zwar eine hohe Wirtschaftlichkeit verspricht, aber sehr kapitalintensiv ist, kann Leasing richtig sein.»

Problematisch wird es für Oesch jedoch, wenn im Maschinenpark Ersatz-Investitionen über Leasing-Verträge abgewickelt werden. Für ihn ist klar: «Damit wird nur Cash-Flow vernichtet.» Oesch glaubt, dass sich die Landwirte dessen nicht immer bewusst sind.

Auch die aktuelle Zinspolitik sieht er als problematisch an: «Da ist die Verlockung gross, Schulden nicht zurückzuzahlen.» Dabei müsste man genau das heute tun, um später Reserven zu haben.

Damit sich diese Erkenntnis durchsetzt, müsste man bereits in der Berufsbildung damit anfangen. Aber da stellt sich laut Lehrlingsausbilder Peer ein anderes Problem: «Die Fächer, die am Schluss wahrscheinlich matchentscheidend für die Betriebe sind, sind genau die Fächer, die nicht gerne besucht werden.»

Dass der Einzelne mehr Freude daran hat, sich über Viehzucht und Maschinen zu unterhalten als über das Einkommen, ist verständlich. Aber es soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Bauernfamilien zu viele Schulden haben.

Wenn man das erst merkt, wenn die nächste Investition ansteht oder wenn unvorhergesehene Ausgaben nötig werden, wird es problematisch. Dann rechnen Kreditkasse oder Berater vor, dass die Tragfähigkeit einer Investition nicht gegeben ist. Oder die Bauernfamilie wird alt und stellt fest, dass die Pensionskasse praktisch leer ist. Doch dann ist es zu spät.

Trockenheit kann die Schuldenlast der Betriebe erhöhen

Nicht alle Faktoren hat ein Betriebsleiter in der Hand, dem Wetter ist er oft ausgeliefert. So hat zum Beispiel die ausserordentliche Trockenheit des Sommers 2018 beim Bund zu einer Zunahme der Gesuche um Betriebshilfe geführt.

Gleichzeitig wurden fast 12 Millionen Franken zur Umfinanzierung bestehender Schulden bewilligt. Zur Umfinanzierung kommt es in der Regel dann, wenn jemand an einer sehr hohen Zinslast nagt, weil er oder sie zum Beispiel bei der Bank einen Kredit aufgenommen hat. Das durchschnittliche Betriebshilfe-Darlehen belief sich letztes Jahr auf rund 131 000 Franken, welches innerhalb von 10 bis 20 Jahren zurückbezahlt werden muss.

Glossar

Cash-Flow

Der Cash-Flow bedeutet die Differenz von Einnahmen und Ausgaben innerhalb eines bestimmten Zeitraumes.

Leasing

Bei dieser Finanzierungsweise schliesst ein Leasing-Nehmer mit dem Leasing-Geber einen Vertrag über die Nutzung eines Objektes über einen vereinbarten Zeitraum.

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