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Die Körpersignale der Kälber lesen

Kälber sollte man nicht nur während der Fütterung beobachten. Mit Körpersignalen zeigen sie, dass etwas mit ihnen nicht stimmt, bevor sie richtig krank werden. Landwirte, die ihre Tiere gut beobachten, können frühzeitig reagieren.


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Kurz & bündig

  • Kälber senden Signale aus, bevor sie richtig krank werden. Bei der weiteren Abklärung hilft das FARM-Prinzip.
  • Wer die Signale erkennt, kann der Krankheit zuvorkommen oder ihre Auswirkung mindern.
  • Vermehrtes Liegen und ein krummer Rücken sind erste Signale, dass es dem Kalb nicht wohl ist.
  • Ein unharmonischer Körperbau zeigt, dass es dem Kalb schon länger nicht gut geht.
  • Kälber sollen die Milch über den Tag verteilt aufnehmen. Sie brauchen mindestens drei Mal am Tag Milch.
  • Sechs Liter pro Tag sind für über drei Wochen alte Kälber zu wenig.
  • Die Kälber-Lunge ist empfindlich. Husten darf nicht einfach überhört werden.
  • Nasse Stellen am Fell sind ein Hinweis auf sich schlecken. Grund kann Bauchweh auf Grund einer Pansen-Übersäuerung sein.

Kälber reagieren empfindlich auf krankmachende Keime und schlechtes Stallklima. Sie brauchen Zeit, um ihr eigenes Immunsystem aufzubauen. «Wenn Kälber krank sind, geht es schnell abwärts», sagt Pirmin Zürcher von der Fachstelle Rindvieh im Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen LZSG.

Umso wichtiger ist es, dass man möglichst schnell erkennt, wenn ein Tier krank ist. Es sind oft kleine Zeichen, für welche die Landwirte den Blick schärfen müssen.

Die Körpersprache der Kälber verrät viel

Deutliche und einfach erkennbare Körpersignale, die auf eine Krankheit hinweisen, sind ein krummer Rücken, ein eingezogener Schwanz, Tränen- oder Nasenfluss oder ein struppiges Haarkleid. Sie können verschiedene Ursachen haben, zeigen aber alle, dass es dem Kalb oder dem Jungrind nicht wohl ist.

Nicht so gut ersichtlich ist, wenn der Körperbau nicht harmonisch entwickelt ist, zum Beispiel der Kopf im Vergleich zum Körper zu gross ist. Bei auffälligen Tieren ist nach dem FARM-Prinzip vorzugehen. Fieber weist auf eine Abwehrreaktion des Körpers hin. Kranke Tiere liegen vermehrt. Ein praller Bauch oder eingefallene Flanken sowie übel riechender Kot oder Durchfall sind Symptome für Fütterungsfehler oder Verdauungsstörungen.

Eingefallene Flanken des Kalbs deuten auf zu wenig Milch

Gesund aussehende Kälber, aber mit eingefallenen Flanken, bekommen oft zu wenig Milch. Es beginnt mit der Fütterung der Kolostral-Milch. «So früh, so viel und so lange wie möglich», betont Zürcher. Bei Kälbern, die nach der Geburt keine Milch saugen wollen, soll man «drenchen», dem Kalb mit einem Gummischlauch wenigstens vier Liter Biestmilch eingeben.

Zürcher rät, immer eingefrorene Biestmilch anderer Kühe in Reserve zu haben. Dies als Ersatz, wenn zum Beispiel eine Erstmelk-Kuh sich in den ersten vier Stunden nach der Geburt noch nicht melken lässt.

Die Biest-Milch liefert Abwehrstoffe und Energie. «Nur, wenn genügend Energie vorhanden ist, funktioniert das Immunsystem», betont Jungviehspezialist Pirmin Zürcher, «man sollte bei den Kälbern nicht mit der Milch sparen.»

Untersuchungen zeigen, dass es bei täglichen Milchgaben von unter sechs Litern deutlich mehr Erkrankungen und beträchtlich mehr Abgänge gibt als bei täglichen Milchgaben von über acht Litern. «Sechs Liter sind zu wenig für ein drei Wochen altes Kalb. Es braucht mindestens acht, besser zehn Liter pro Tag», empfiehlt Zürcher.

Ist der Saugtrieb unbefriedigt, besaugen sich Kälber gegenseitig

Oft beobachten Landwirte, dass Kälber vor allem nach der Milchaufnahme am Eimer sich gegenseitig besaugen. Um dies zu verhindern, lassen Landwirte ihre Kälber oft eine Zeit lang im Fressgitter eingesperrt.

Das gegenseitige Besaugen ist eine Befriedigung des Saugtriebes am Ersatzobjekt. Das Saugen löst Endorphine aus, sogenannte Glückshormone, und macht das Saugen zusätzlich zum Stillen des Hungers attraktiv, erklärt Zürcher.

Bei Mutterkuh-Kälbern, die 12 bis 20 Mal pro Tag an ihrer Mutter saugen, kommt gegenseitiges Besaugen nicht oder kaum vor. Sie saugen mit einem Unterdruck von 60 kPa. Melkmaschinen arbeiten im Vergleich dazu mit einem Druck von 40 kPa. Dadurch, dass Mutterkuhkälber sich stark um die Milch bemühen müssen, produzieren sie viel Speichel, mit dem sie Verdauungs-Enzyme in die Milch abgeben.

Das gegenseitige Besaugen ist ein Signal für den Landwirt, dem Kalb die Milch anders anzubieten: Nämlich öfters und ähnlich, wie das Kalb an der Mutter saugt. Das Kalb soll den Kopf nach oben halten. Das fördere den Schlundrinnen-Reflex, sagt Zürcher. Die Milch gelangt in den Labmagen und nicht in den Pansen.

Im Labmagen eines zwei Wochen alten Kalbes hat es nur Platz für etwa zwei bis zweieinhalb Liter Milch. Deshalb sollte die Milchmenge aufs Mal nicht grösser sein. Besser ist, die Kälber mindestens drei Mal am Tag mit Milch zu füttern.

Noch besser ist ein Milchautomat mit mehr Fütterungszeiten. Die Öffnung des Nippels sollte nicht zu gross sein, damit das Kalb die Milch gut einspeichelt.

Wer die Kälbermilch mit Milchpulver anmischt, muss darauf achten, dass der Gehalt der Milch ähnlich ist wie derjenige von natürlicher Milch, da sonst die Milch schlechter gerinnt.

Wegen Husten-Gefahr: Kühe und Kälber nicht im selben Stall halten

Husten ist ein gefürchtetes Signal oder Krankheits-Symptom im Kälberstall, denn Kälber sind im Gegensatz zu Jungtieren anderer Säugetierarten besonders empfindlich auf Lungenentzündungen. Ihre Lunge ist erst im Alter von zehn bis zwölf Monaten ganz entwickelt.

Auch hat das Rind im Verhältnis zu seinem Körpervolumen eine relativ kleine Lunge. Um genügend Sauerstoff in seine Körperzellen zu transportieren, muss es mehr atmen. Dies macht das Rind, insbesondere das Kalb, besonders empfindlich auf eine hohe Keimbelastung der Luft.

Im Kälberstall sollte es deswegen immer frische Luft haben. Die Vorboten einer Erkältung oder sogar Lungenentzündung sind eine nasse oder sogar gerötete Nase sowie Nasen- und Augenausfluss. Das Tier schleckt sich vermehrt.

«Kühe und Kälber im selben Stall, das kommt selten gut», sagt Pirmin Zürcher. Denn dort ist die Luft durch das Atmen der Tiere meistens feucht und keimbelastet.

Auch sollten Kälber, aber auch ausgewachsene Rinder, nicht auf einer hohen Tiefstreu liegen, da dort viel Ammoniak entweiche, welches die Schleimhäute reizt.

Auch beim Liegen sieht man es den Kälbern an, ob sie gesund sind. Halten die Jungtiere den Kopf mit hängenden Ohren nach unten, stimmt etwas nicht. «Ich möchte Ohren, nichts als Ohren, sehen», habe es ein auf Kälbergesundheit spezialisierter Tierarzt einmal pointiert ausgedrückt.

Dicker Bauch und geringe Zunahme bei Kälber deuten auf Kokzidien-Befall

Es gibt Kälber, die viel Milch und später auch viel Raufutter aufnehmen, einen dicken Bauch haben – aber doch geringe Zunahmen aufweisen. Hier müsse man an einen Kokzidien-Befall denken und möglichst schnell entwurmen, so Zürcher.

Oft seien solche Kälber «Dreckfresser». Sie nehmen viel Schmutz und damit Bakterien auf. Die Kotbeschaffenheit ist ein wichtiges Signal, ob die Verdauung in Ordnung ist. Durchfall, übel riechender und zu fester Kot lassen sich auf falsche Fütterung, aber auch auf Infektionen oder innere Parasiten zurückführen.

Nasse Stellen am Kälberbauch können auf Bauchweh hindeuten

Ein bisher kaum beachtetes Signal ist, wenn die Kälber nasse Stellen am Bauch aufweisen. Diese entstehen, weil die Kälber sich dort schlecken. Sie lassen auf Bauchweh schliessen, weil der Pansen-pH-Wert wegen Übersäuerungen schwankt.

Aufgrund eines Kälbersignales allein lässt sich oft noch kein sicherer Rückschluss ziehen. Dennoch: Es soll den Tierhalter aufmerksam machen. Dann kann er reagieren, zum Beispiel Kotproben nehmen oder die Fütterung anpassen. Denn mit Kälbern geht es schnell abwärts, wenn sie krank sind. Entsprechend ist es wichtig, frühzeitig Signale zu erkennen und schnell zu reagieren.

 

Das FARM-Prinzip

Fieber: Fieber weist auf eine Abwehrreaktion des Körpers hin.

Aktivität: Kranke Tiere liegen vermehrt, sie zeigen also weniger Aktivität.

Ranzen und Mist: Der Ranzen (Bauch) und der Mist zeigen, ob das Kalb gesund ist: Ein praller Bauch oder eingefallene Flanken sowie übel riechender Kot oder Durchfall sind Symptome für Fütterungsfehler oder Verdauungsstörungen.

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