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ASL-Dünger aus Klärschlamm von der ARA

Eine flüssige Ammonium-Sulfat-Lösung bringen Landwirt Martin Häberli und Lohnunternehmer Guido Steger seit Jahren erfolgreich als Depot-Dünger auf alle Kulturen aus. Neu gewinnt die ARA Yverdon aus Klärschlamm solchen Flüssigdünger für die Landwirtschaft.


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Marcel Pürro stand als Betriebsleiter der ARA Yverdon für den derzeit laufenden Um- und Ausbau vor grossen Herausforderungen. Weil während der Bauphase anstatt zwei nur eine Reinigungslinie zur Verfügung steht, entsteht in der zweiten Reinigungsstufe ein Engpass. In der zweiten Reinigungsstufe wird Stickstoff, der vor allem in Form von Ammonium enthalten ist, in Luftstickstoff umgewandelt und an die Umwelt abgegeben. Dazu wird Ammonium zunächst zu Nitrit und dann zu Nitrat umgewandelt. Bakterien können dann das Nitrat in gasförmigen Stickstoff umwandeln, welcher in die Luft entweicht. Der Stickstoffgehalt in der ARA reduziert sich und der gesetzliche Grenzwert im Sauberwasser lässt sich damit einhalten.

In der ARA Yverdon wurde auf Initiative von Marcel Pürro ein zusätzliches Behandlungs-Verfahren eingerichtet, das im Nebenstrom Ammonium aus dem Reinigungsprozess entnimmt. Dieses ist dann zu einem grossen Teil weg und die zweite Reinigungsstufe wird entscheidend entlastet.

In der ARA entnommenes Ammonium wird Flüssigdünger

Das Nebenstrom-Modul behandelt nicht das ganze ARA-Wasser, sondern nur das sogenannte Zentrat-Wasser. Im Faulturm entsteht Biogas und Schlamm. Dieser Schlamm wird entwässert. Im sogenannten Zentrat-Wasser sind dann rund 20 Prozent des Gesamtstickstoffes, der in die ARA eingetragen wird. In einem Membran-Modul, wird Ammonium aus dem Zentratwasser getrennt, bevor es erneut in die ARA gelangt. Dort muss dann viel weniger Ammonium umgewandelt werden. Das entlastet die Reinigung und verbessert die Leistung. Das entnommene Ammonium wird als Ammonium-Sulfat-Lösung (ASL) in Form von Flüssigdünger an die Landwirtschaft geliefert.

Düngeverfahren benötigt spezielle Technik

Die flüssige Ammonium-Sulfat-Lösung wird als Depot-Dünger eingesetzt. Das Verfahren der im Boden injektierten Düngelösung kennt man unter dem Begriff «Cultan» (Abkürzung vom englischen «Controlled Uptake Long Term Ammonium Nutrition», übersetzt «kontrollierte Langzeit-Ammonium-Ernährung»). Mit der Ausbringung in ein Bodendepot von vier bis acht Zentimeter Tiefe bleibt der Dünger vor Verdunstung geschützt.

Der tiefe pH-Wert schützt die Lösung vor einer zu schnellen Nitrifikation durch die Bodenbakterien. Die Wirkungsweise erklärt Landwirt Martin Häberli: «Da der Dünger auch für die Wurzeln zu sauer ist, gelangen die Nährstoff mithilfe eines Tauschgeschäfts ‹Zucker gegen Nährstoffe› mit den Bodenpilzen zu den Pflanzen.» Seit vielen Jahren setzen Martin Häberli und Lohnunternehmer Guido Steger dieses Düngeverfahren ein. Der Dünger stammt im Moment noch aus Industriebetrieben in Deutschland. An einer heimischen Produktion sind sie interessiert. Den Dünger der ARA Yverdon bringen sie jetzt schon in der Region aus.

Häberli und Steger setzen für die Düngergabe ein Schlitzgerät für Reihenkulturen ein. Dieses lässt sich hydraulisch auf die Reihenabstände 50 und 75 Zentimeter einstellen. Sie setzen auch eine Injektionsrad Maschine bei Getreide- und Futterbaukulturen ein. Dazu haben sie vor einigen Wochen eine neue Maschine in Betrieb genommen. Bei Fahrzeugbauer Walter Marolf AG in Finsterhennen BE liessen sie einen Trägeranhänger nach eigenen Vorstellungen fertigen.

Auf dem Fahrzeug ist ein Tank montiert, der gut 4 Kubikmeter Flüssigdünger fasst. Am Heck befindet sich ein Dreipunkt-Gestänge, wie bei einem Traktor. Dort wird der klappbare 9-Meter-Rahmen mit den Injektionsrädern montiert.

Bisher wurde der Rahmen direkt am Traktor angebaut und der Dünger im Fronttank mitgeführt. Mit dem Träger-Anhänger lässt sich die Kapazität erhöhen und der Traktor wird mit weniger Gewicht belastet. Die Aufwandmenge liegt pro Hektare bei 600 bis 1200 Litern. Dabei werden bis zu 120 kg N/ha ausgebracht.

Die Langzeitdüngung kann in jeder Kultur eingesetzt werden

Seit 15 Jahren setzt Martin Häberli auf seinem Betrieb in Bärfischenhaus BE auf Langzeitdüngung mit ASL.
Er hat aus Misserfolgen gelernt und macht mittlerweile bei allen Kulturen gute Erfahrungen: «Auch Gemüse und Kartoffeln lassen sich damit versorgen. Das Verfahren ist nun praxisreif.» Der Düngezeitpunkt richtet sich danach, dass bei höchstem Stickstoffbedarf auch das höchste Nachlieferungspotenzial erreicht wird.
Hierzu nennt Häberli bei Getreide das Stadium 24 bis 30, bei Mais das 4- bis 6-Blattstadium und bei Zuckerrüben kurz vor Reihenschluss. Davon lässt sich der ideale Düngezeitpunkt ableiten.

Die höchste Düngewirkung wird im Frühjahr nach acht bis zehn Wochen erreicht, wenn der Boden noch kalt ist, und im Vorsommer bei vier bis sechs Wochen nach der Anwendung. Häberli und Steger machen nur einen ASL-Austrag pro Kultur. In der Schweiz wird die Düngung auch mit Gülle kombiniert. «Bei Getreide wird beispielsweise mit Gülle angedüngt und der restliche Düngerbedarf mit ASL ergänzt.» Bei der ASL-Düngung wird ein Wirkungsgrad der Nährstoffe von rund 85 Prozent erreicht. Das sind etwa 20 Prozent mehr als bei der konventionellen Nährstoffversorgung mit dem Düngerstreuer. Bei Trockenheit mit zu wenig Wasser bleibt die Wirkung der oberflächlichen Düngung aus oder verzögert sich, was den Wirkungsgrad weiter senkt.

Hier ist die Düngung in den Boden mit ASL besser gegen Trockenheit gewappnet. «Wir empfehlen mit ASL nicht über 100 bis 120 kg N/ha zu gehen. Dies entspricht rund 155 kg N mit Ammonsalpeter. Das bringt nicht nur einen ökologischen Vorteil, auch eine angespannte Düngerbilanz wird so entlastet.»

Wann düngt man ASL am besten aus?

Guido Steger und Martin Häberli sehen die Terminierung der Düngung als die derzeit noch grösste Heraus-
forderung bei der ASL-Düngung. Denn Lohnunternehmer und Landwirt müssen die Hauptwirkungsphase mit der Phase des grössten Bedarfs der Pflanzen treffen. Es ist wie bei den Hofdüngern: Auch dort ist nicht immer klar, wie rasch die Inhaltsstoffe verfügbar sind. Die Bemühungen, Nährstoffe aus der ARA zurückzugewinnen, sehen Steger und Häberli als Chance für geschlossene, regionale Kreisläufe.

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