Kurz & bündig

- Dank eingebautem Futterband konnte Landwirt Bruno Sonderegger in St. Margrethen SG seinen neuen Milchviehstall kompakt bauen.
- Dafür wurde dem Fressbereich viel Platz eingeräumt, damit die Kühe genügend Ausweichmöglichkeiten haben.
- Der alte Anbindestall wurde geschickt in einen Freilaufstall für dass Jungvieh umgebaut.

Der neue Stall ist genial», sagt Bruno Sonderegger schon nach den ersten zwei Gesprächsminuten. Er hat in St. Margrethen SG einen neuen Laufstall für sein Milchvieh gebaut und konnte im Februar 2023 mit den Tieren einziehen. Der neue Stall ist eine extreme Arbeitserleichterung für die Familie Sonderegger. Vorher waren die Milchkühe angebunden und auf zwei Ställe verteilt. Die Rinder wurden in einem dritten Anbindestall gehalten.

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Doch nicht nur das Zusammenbringen der Tiere in einem Stall, sondern der ganze Stallaufbau an sich erleichtert die tägliche Arbeit und erhöht die Tiergesundheit. Beim Stallbau wurde auf folgende Aspekte geachtet:

  • Arbeitseffizienz
  • Kompakte Bauweise (weniger Land verbaut)
  • Tiefere Kosten dank kompakter Bauweise
  • Tiergesundheit (die sechs Freiheitender Weide im Stall integriert)

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Mit Futterband muss man weder zuschieben noch wischen

Bei der Planung als Berater dabei war Kuhsignal-Trainer Christian Manser. Er plädiert nicht nur dafür, die Ställe «Kuh-konformer» zu bauen, sondern vor allem auch möglichst arbeitseffizient und gleichzeitig kostengünstig. Alle diese Faktoren konnten im neuen Stall umgesetzt werden.

Eine grosse Stellschraube dafür war der Einbau eines Futterbandes. «Ich konnte mir zuerst nicht vorstellen, ohne Futtertenn zu arbeiten», erzählt Sonderegger. Dann ging er ins Bernbiet ein Futterband anschauen, was ihn sofort überzeugte. Jetzt, im täglichen Gebrauch, findet er es sehr praktisch. Vorne kann er mit dem Traktor und Futtermischwagen ans Futterband fahren und die Mischung abladen. Währenddessen lässt Sonderegger das Futterband laufen und die Mischung wird gleichmässig in der Krippe nach hinten gezogen.

Um Krippenreste herauszunehmen, lässt man das Futterband einfach rückwärts laufen. Somit werden die Reste wieder nach vorne gebracht, wo sie einfach aufgeladen und zum Miststock gebracht werden können.

«Ich kann jetzt auf Knopfdruck füttern», erzählt Sonderegger stolz. «Ausserdem brauche ich keinen Futterzuschieber und muss das Futtertenn nie wischen. Es ist immer alles sauber und die Kühe haben rund um die Uhr zu fressen.» Alle zwei Wochen reinigt Sonderegger den Bereich unter dem Futterband. Doch es seien jeweils nicht viele Futterreste darunter zu finden, da das Band am Rand gut verschliesst.

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Zum Glück hatten sie nicht zu viel Platz zum Bauen

Das Futterband erleichtert nicht nur die Fütterung, sondern ist auch extrem platzsparend. Der Platz war bei der Stallplanung von Sonderegger das Kernthema. Denn der Bauplatz war begrenzt, weil der Betrieb am Hang liegt. Unten fliesst ein Bach, oben geht ein nicht verlegbarer Wanderweg durch.

«Es ist ein Glücksfall, dass wir nicht mehr Platz hatten. Das hat uns zu diesem kompakten Stall geführt», sagt Manser. Die Krippe mit Futterband ist nur gut einen Meter breit. Ohne Tenn im hinteren Bereich konnte Sonderegger rund vier Meter Stallbreite einsparen. «Auf einer Krippenlänge von 38,5 Meter sind das 150 m2, die weniger verbaut werden mussten», erklärt Christian Manser. «Wenn man mit 700 bis 1000 Franken pro m2 umgebaute Stallfläche rechnet, konnte dort viel Geld eingespart werden.»

Zudem brauche es beim Futterband keine Erschliessung am Ende des Stalles. «Wenn man mit dem Mischwagen füttert, muss man gerade auch aus Sicherheitsgründen rund um den Stall fahren können. Im Fall Sonderegger konnte man sich die Einfahrt hinten am Stall sparen», erklärt Manser. Letztlich wurde deutlich weniger Landwirtschaftliche Nutzfläche verbaut als bei ähnlichen Bauprojekten.

«Die wichtigste Linie im Stall ist die Fressachse»

Der Platz, der beim nicht vorhandenen Futtertenn eingespart werden konnte, wurde zum Teil den Kühen im Fressbereich zur Verfügung gestellt. Bei Bruno Sonderegger haben die Kühe von der Futterkrippe bis zur ersten Liegeboxenreihe einen 6,6 Meter breiten Fressbereich. In diese Fläche ist auch der unüberdachte Laufhof integriert. «So wird der Stehhof zum Laufhof umfunktioniert und die Fläche sinnvoll genutzt», sagt Manser.

«Meine Kühe sind schön ruhig, dank des vielen Platzes. Rangniedere Tiere haben Platz zum Ausweichen», beobachtete Sonderegger. 

«Die wichtigste Linie im Stall ist die Fressachse, dort entscheidet sich der Erfolg. Gesunde Tiere holt man sich nicht mit einem fünf Meter breiten Futtertenn in den Stall», sagt Manser. «Genau, vorne bei den Fressplätzen, da gibt’s Krach», bekräftigt Sonderegger. Deshalb sei es wichtig, bei Stallbauten bei der Fressachse grosszügig Platz einzuplanen. So wird gewährleistet, dass alle Kühe genug Futter aufnehmen können und die Verletzungsgefahr wird verringert. Hinten, zwischen den Liegeboxen, sei viel weniger ein Gerangel, weil es dort nichts zum Erkämpfen gibt. Denn es hat schliesslich genügend Liegemöglichkeiten für alle.

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Beim Stall von Sonderegger sind nur die Futterachse und der Liegebereich sowie die Separationsboxen und der Melkroboter überdacht. Sogar der Quergang am Stallende ist nicht überdacht und kann so zur Laufhoffläche hinzugerechnet werden, was den Bau zusätzlich kompakter macht.

Bei der Stallplanung und dem Stallbau sollten die späteren täglichen Arbeitsabläufe berücksichtigt und möglichst effizient gestaltet werden. Schlau bauenZeit ist Geld: Arbeitseffizient bauen bedeutet auch Kosten sparenDonnerstag, 25. Januar 2024 «Ein Tierarzt hat mir einmal gesagt, die gesündesten Kühe sehe er in Ställen, wo hinter dem Futtertisch viel Raum besteht, also mit integriertem Laufhof im Fressbereich», erzählt Manser. Bei vielen Ställen mit angebauten Laufhöfen handle es sich eher um «Stehhöfe», weil die Tiere nur raus an die Sonne stehen. 

Integrierte Laufhöfe sind also nicht nur gut für die Tiergesundheit, sondern auch arbeitseffizient und schliesslich kostengünstig. Christian Manser mahnt zudem: «Müsste man den Kühen nur 1 m2 statt 2,5 m2 unüberdachte Fläche zur Verfügung stellen, könnte dank mehr Dachfläche und entsprechend besserer Beschattung eine noch gesündere Umgebung geboten werden.»

Fittere und schwerere Kühe im neuen Laufstall

Der neue Laufstall ist nicht nur arbeitseffizient, sondern auch «kuh-konform» gebaut worden. Dabei wurden die «sechs Freiheiten der Weide» (siehe Beitrag S. 22) in den Stall integriert. Der Stall ist offen, mit Licht und Luft durchflutet und bietet trotz der kompakten Bauweise am richtigen Ort viel Platz für die Kühe.

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«Mir ist aufgefallen, dass die Kühe extrem zugenommen haben. Ich denke, das ist dank der ad libitum Fütterung. Aber auch dank der Bewegung, der guten Luft und dem idealen Liegebereich», findet Sonderegger. Ausserdem habe er den Tierarzt weniger als bisher rufen müssen, vorwiegend nur zum Enthornen der Kuhkälber. «Wenn im vorherigen Anbindestall eine Kuh die Grippe erwischte, dann seuchte es den ganzen Stall durch. Im offenen Stall sind die Kühe jetzt fitter und ich habe geringere Tierarztkosten.»

Bei der Milchleistung hat Sonderegger noch keine grossen Änderungen bemerkt. Aber ihm ist aufgefallen, dass die Erstmelkkühe sehr gute Milchleistungen entwickeln und diese auch länger halten. «Es ist normal, dass Altmelkkühe etwas länger brauchen, um sich ans neue Stallsystem zu gewöhnen. Diese entfalten sich meistens dann in der nächsten Laktation, wenn sie im Roboterstall abkalben», erklärt Manser.

Alter Anbindestall wurde zu Rinder-Laufstall umgebaut

Auch für den alten Anbindestall hat Sonderegger mit dem Verpächter (Ortsgemeinde St. Margrethen) eine Lösung gefunden. Er hat ihn zu einem Laufstall für Rinder umgebaut. Nun hält er dort 44 Stück Jungvieh in vier Altersgruppen. Alle Tiere liegen in Liegeboxen, deren Grösse an jede Gruppe angepasst ist.

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Auch in diesem Stall hat Sonderegger ein Futterband montiert, an welchem die Tiere von beiden Seiten fressen können. Dank des geringeren Platzbedarfes durch das Futterband konnten zehn Jungviehplätze im bestehenden Stall dazugewonnen werden. Den Futtermischwagen kann Sonderegger sowohl für die Milchkühe wie auch für das Jungvieh nutzen.

Der Jungviehstall ist jetzt auch offen. Seit zwei Monaten sind die Tiere im neuen Stall und Bruno Sonderegger ist bereits etwas zur Tiergesundheit aufgefallen. «Wenn ich die Rinder früher im Anbindestall im Spätherbst eingestallt habe, dann haben sie immer etwas gehustet am Anfang. Diesen Herbst, mit dem offenen Stall, hat keines gehustet.»

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Sonderegger ist sehr zufrieden mit seinem neuen Stall

Die Baukosten konnten verhältnismässig tief gehalten werden, weil Bruno Sonderegger als gelernter Zimmermann beim Neubau und beim Umbau des Rinderstalles viele Arbeiten selbst ausführen konnte. «Ohne Eigenleistung wäre der Stall deutlich teurer geworden», meint Sonderegger.

«Mit all den umgesetzten Massnahmen konnten hier zwei richtig knackige Ställe gebaut werden», sagt Manser stolz. Insgesamt ist Bruno Sonderegger sehr zufrieden mit seinen beiden neuen Ställen. Die Freude steht ihm wortwörtlich ins Gesicht geschrieben.

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Betriebsspiegel der Familie Sonderegger
Bruno Sonderegger, St. Margrethen SG

LN: 48 ha
Kulturen: Grünland, Wintergerste, Silomais, Ribelmais
Tierbestand: 60 Milchkühe, 50 Kälber und Aufzuchtrinder, 50 Schafe, 10 Ziegen, 60 Legehennen