Ausser in Diskussionen zur Unverträglichkeit von Laktose in der menschlichen Verdauung wurde der Milchzuckergehalt, wie er auch genannt wird, lange als uninteressant betrachtet. Dies hat sich in den letzten Jahren leicht geändert. Deshalb wird er seit einiger Zeit auch auf dem Ergebnis der Milchleistungskontrolle ausgewiesen wird. Durchschnittliche Kuhmilch enthält 4,7 bis 4,8 Prozent Milchzucker.

Milchzucker wird in den Milchbildungszellen aus Blutzucker aufgebaut und in die Drüsenbläschen im Euter abgegeben. Der Milchzuckergehalt unterliegt aber nur kleinen Schwankungen. Je mehr Milchzucker produziert wird, desto mehr Wasser zieht es aus dem Blut in die Drüsenbläschen. Der Körper hält so den Zucker- und Salzgehalt in der Milch im Gleichgewicht (Osmose). Die gebildete Menge an Milchzucker bestimmt dadurch die Höhe der Milchleistung.

Es erstaunt daher nicht, dass der Milchzuckergehalt einen direkten Zusammenhang mit dem Blutzuckergehalt und der Energiebilanz der Kuh hat. Kühe mit hohen Werten scheinen nach ersten Forschungsergebnissen etwas weniger an Ketose zu erkranken und eine leicht bessere Fruchtbarkeit aufzuweisen. Dazu braucht es aber noch einiges an Forschungsarbeit, bis die Laktosewerte systematisch in die Analyse der Fütterung einfliessen können.

Leider sagt uns der Einzelwert oder auch der Mittelwert über die Herde nicht viel aus. Hilfreicher sind mehrere Werte über längere Zeit bei derselben Kuh. Es kann nämlich beobachtet werden, dass der Milchzuckergehalt mit zunehmender Laktationenzahl und höheren Zellzahlen absinkt. Insbesondere letzteres macht ihn zur Erkennung von Euterentzündungen und zur Zucht auf gute Eutergesundheit interessant. Dazu bräuchte es aber tägliche Messwerte.