An der Delegiertenversammlung 2022 des Schweizer Bauernverbandes SBV in Bern standen hochpolitische Themen auf der Traktandenliste. Die SBV-Spitze bereitete ihre Delegierten auf die Nationalrats-/Ständerats-Wahlen im Oktober 2023 vor und – chronologisch gesehen vorher – auf die Wintersession 2022 der eidgenössischen Räte mit einer rekordhohen Zahl von Landwirtschafts-Traktanden.

«Ich kann mich nicht erinnern, dass wir in einer Session so viele Traktanden zur Landwirtschaft zu beraten hatten», erklärte SBV-Präsident Markus Ritter, der immerhin schon seit 2011 Nationalrat ist.

Die Wintersession 2022 der eidgenössischen Räte und die Nationalrats-/Ständerats-Wahlen 2023 als Herausforderung

Die DV 2022 stand im Zeichen der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 125-jähriges Bestehen des Schweizer Bauernverbandes. Die wichtigsten Traktanden der Delegiertenversammlung 2022 des Schweizer Bauernverbandes waren aber zukunftsgerichtet – und hochpolitisch:

  • Im ersten politischen Traktandum bereitete die SBV-Spitze ihre Delegierten auf die Wintersession 2022 der eidgenössischen Räte vor, die vier Tage nach der DV beginnt. In dieser Wintersession werden die Nationalräte und Ständerate eine rekordhohe Zahl Landwirtschafts-Traktanden diskutieren und beschliessen.
  • Das zweite politische Traktandum waren die Volksinitiativen «Für die Zukunft unserer Natur und Landschaft» (Biodiversitäts-Initiative) und «Gegen die Verbauung unserer Landschaft» (Landschaftsinitiative) mit den jeweiligen Gegenvorschlägen.

    Der SBV kritisiert, dass diese Volksinitiativen die Hauptaufgabe der Landwirtschaft – die Bereitstellung von Lebensmitteln – «mit völlig unverhältnismässige Forderungen weiter einschränken würden». Wobei das Problem weniger die Initiativen selbst seien, sondern der jeweilige Gegenvorschlag.

    «Der Bundesrat stellt fast jeder Volksinitiative einen Gegenvorschlag gegenüber, der die Forderungen teilweise verschlimmbessert», erklärte SBV-Direktor Martin Rufer. «Wenn der Gegenvorschlag angenommen wird, haben die Initianten ihr Ziel schon erreicht – und die Landwirtschaft das Nachsehen.»
  • Das dritte politische Traktandum waren die Eidgenössischen Wahlen vom 22. Oktober 2023. Im Ständerat hat die Landwirtschaft seit jeher einen guten Stand – «aber im Nationalrat ist mittlerweile jede Agrar-Vorlage ein Vabanque-Spiel», erklärte SBV-Präsident und Nationalrat Markus Ritter.

    Er müsse jedes Mal «um die 15 bis 20 wankelmütigen Nationalräte von Mitte und FDP zittern. Und wenn im Oktober 2023 noch einmal 10 Sitze an Links-Grün verloren gehen, dann Gute Nacht Landwirtschaft.»

Weiter genehmigten die 450 SBV-Delegierten den Jahresbericht 2021, die Flächenbeiträge 2023, das angepasste Finanzierungsreglement und das ambitionierte Tätigkeitsprogramm 2023 mit den Schwerpunkten und Spezialaufgaben der Verbandsarbeit.

Der Schweizer Bauernverband schaut mit den Junglandwirten nach vorne

Der Schweizer Bauernverband nutzte das Jubiläum seines 125-jährigen Bestehens, um nach vorne zu schauen – und engagierte die Mitglieder der Junglandwirte-Kommission JULA für die (Mit-)Organisation der DV.

Die JunglandwirtInnen präsentierten ihre Vorstellungen für die Landwirtschaft im Jahr 2050 – unter anderem mit einem modularen Direktzahlungssystem analog dem effektiv und effizient funktionierenden Punktesystem von IP-Suisse. Dem an der DV anwesenden Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft BLW, Christian Hofer, wird es in den Ohren geläutet haben.

Danach wurden die jungen GewinnerInnen der SwissSkills 2022 (die nationalen Berufsmeisterschaften) in den verschiedenen landwirtschaftlichen Berufen geehrt. Das Aussergewöhnliche daran: Von über 1000 jungen Fachkräften aus 87 Berufen wurde Matthias Baumann aus Madiswil BE nicht nur der beste Landwirt, sondern mit der höchsten Punktzahl auch der beste Lehrling der Swiss Skills 2022.

Die Gewinner der SBV-Medienpreise 2022

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Die jährlich vergebene Medienpreise des Schweizer Bauernverbandes SBV zeichnen  in jeder Sprachregion eine überzeugende, mediale Auseinandersetzung mit dem Thema Landwirtschaft aus. Die Medienpreise im Wert von je 2000 Franken werden von der Agrisano gesponsert, einer Tochter des SBV im Versicherungsbereich. Die Gewinner der SBV-Medienpreise 2022 sind:

Sara Hauschild, RTR Cuntrasts
Der Preis für die Deutschschweiz ist dieses Jahr ein Preis für die rätoromanische Schweiz: Sara Hauschild zeigt in ihrem Dokumentarfilm «Bain Bun - Mit 21 zum eigenen Hof im Münstertal» für Radiotelevisiun Svizra Rumantscha RTR die Geschichte ihres Neffen Janic Andrin Spinnler. Erst 21jährig kauft dieser zusammen mit der Zürcherin Maisha Joss – die er erst vier Monate kennt – einen 25 Hektaren grossen Bergbauernhof.

Ihre Geschichte ist geprägt von Herausforderungen, Zweifeln und Existenzängsten. Anderthalb Jahre lang begleiten Sara Hauschild und der Kameramann Roman Schmid die beiden Jund-Landwirte. Entstanden ist ein berührender Film über die Suche nach einer Zukunft in der Berglandwirtschaft.

Marc Guéniat und Duc-Quang Nguyen (Le Temps), Sandra Pernet (Heidi.news)
Den SBV-Medienpreis für die Westschweiz gewinnen drei JournalistInnen, die sich für eine investigative Recherche zusammengeschlossen haben. Sandra Pernet von Heidi.news sowie Marc Guéniat und Duc-Quang Nguyen von «Le Temps» recherchierten «Comment Migros et Coop font leur beurre avec les produits laitiers» für die Tageszeitung «Le Temps».

Darin zeigen sie auf, dass der Produzentenpreis für Milch nicht reicht, um die Produktionskosten der Milchbauern-Familien zu decken. Migros und Coop auf der anderen Seite verdienen mit Milch und Milchprodukten viel Geld.

Martina Salvini, «Corriere del Ticino»
Den SBV-Medienpreis für das Tessin erhielt Martina Salvini für ihre einfühlsame Reportage «Il lupo non rischia niente mentre noi rischiamo l’estinzione»  in der Tageszeitung «Corriere del Ticino». Die Reportage zeigt sehr umfassend die Probleme mit dem Wolf für die Bauernbetriebe und andere Betroffene.