Kurz & bündig
- Schermäuse sind bedeutende Schädlinge im Futterbau und können ganze Wiesen kahl fressen und somit den ganzen Pflanzenbestand vernichten.
- Die Schadenssumme setzt sich aus direkten Schäden (z. B. Ertragsausfall) und Reparaturkosten zusammen.
Schermäuse, auch Wühlmäuse, Stossmäuse oder Nueler genannt, verursachen grosse Schäden, weil sie sich stark vermehren», erklärt Hanspeter Hug, Futterbauberater am Strickhof. Die Tiere werfen drei- bis fünfmal pro Jahr, mit bis zu acht Jungen pro Wurf. Die Jungen werden mit zwei bis drei Monaten geschlechtsreif. Kumuliert kann ein einziges Paar in einem Jahr theoretisch bis zu 500 Mäuse hervorbringen.
Hinzu kommt, dass Schermäuse überwiegend unterirdisch leben, wodurch sie schlecht jagdbar und gut geschützt sind.
«Schermäuse können sich zudem sehr gut gegen Kälte schützen. Wenn es kalt wird, graben sie einfach tiefere Gänge oder bauen wärmende Nester», weiss Hug.
Direkte und indirekte Schäden durch Mäusebefall
Der Schaden wird oft erst sichtbar, wenn er bereits fortgeschritten ist. Besonders problematisch sind die Erdhaufen, die beim Bau der Gangsysteme entstehen. Diese können zu starken Unebenheiten in der Wiese und zu erheblicher Futterverschmutzung führen. «Unebenheiten bewirken, dass die Maschinen zur Grasernte nicht richtig eingestellt werden können und somit immer wieder zu tief oder zu hoch laufen», erläutert Hug.
Hinzu kommt, dass die Tiere den Pflanzenbestand direkt schädigen. Schermäuse fressen bevorzugt grosse, saftige Wurzeln, was das Pflanzenwachstum deutlich reduziert. Zusätzlich werden junge Triebe oberirdisch abgefressen. Dabei unterscheiden sie auch zwischen den schmackhaften, guten Futterpflanzen und den weniger schmackhaften, schlechteren Futterpflanzen. So stehen das Raigras, der Rotklee und die Luzerne zuoberst auf der Speisekarte.
«Wühlmäuse sind in der Lage, ganze Wiesen kahl zu fressen und den ganzen Pflanzenbestand zu vernichten. Gefürchtet sind sie auch in Dauerkulturen wie Obst- und Beerenanlagen oder im Rebbau. Auch solche Wurzeln fressen sie gerne», verdeutlicht der Berater.
[IMG 2-3]
Die Schadenssumme setzt sich wie folgt zusammen:
Direkter Schaden
- Ertragsausfall
- Qualitätsverlust beim Futter (wegen Bestandesveränderung)
- Mehr Verschleiss von Mähmaschinen
- Verschmutztes Futter (höherer Rohaschegehalt, Mehrarbeit Krippenreinigung)
Reparaturkosten
- Abschleppen, Übersaat, Neuansaat
- Bodenbearbeitung (Wiesenegge, Pflug, Egge, Traktor, Arbeitskraft)
- Säen (Saatgut, Sämaschine, Traktor, Arbeitskraft)
- Pflegearbeiten (Säuberungsschnitt mit Motormäher, Ladewagen, Traktor, Arbeitskraft)
- Die Tabelle «Kalkulation von Mäuseschäden» zeigt die möglichen finanziellen Auswirkungen, je nach Ausmass des Mäuseschadens, auf.
[IMG 4]
Früh mit der Mäusebekämpfung beginnen
«Wehret den Anfängen. Das ist sicherlich das wichtigste Gebot. Im Frühling macht es am meisten Sinn, die Mäuse zu bekämpfen», rät Hanspeter Hug. Diejenigen Tiere, die den Winter überstanden haben, produzieren am meisten Nachkommen.
Zur Mäuseregulierung stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung:
- Fallenfang (z. B. mit Topcat)
- Vergasung mit Benzinmotoren
- Vergasung mit Tabletten und Räucherpatronen
- Förderung natürlicher Feinde
- Grossflächige mechanische Behandlung
- Barrieren gegen einwandernde Mäuse
«Mechanische Mäusefallen sind sehr effizient, aber leider sehr aufwendig, das Vergasen mit einem Mauki ist ebenfalls weitverbreitet», weiss Hanspeter Hug.
Im Bereich der chemischen Rodentiziden zur Bekämpfung von Schermäusen in unterirdischen Gängen stehen im Feldbau einerseits ausgasende Granulate auf Basis von Aluminiumphosphid (Bsp. Cobra Forte), andererseits verpackte Portionenriegel mit dem Wirkstoff Zinkphosphid (Bsp. Ratron Sticks) zur Verfügung.
Je nach Ausbildung des Anwenders oder Produktionssystem auf dem Betrieb gelten unterschiedliche Bedingungen bezüglich des Einsatzes. «Kammerjäger dürfen mehr Methoden anwenden als Landwirte mit Ausbildung. Bewirtschafter ohne Fachbewilligung haben noch weniger Möglichkeiten», zeigt Hug auf. Der Berater empfiehlt, sich über die jeweiligen Bewilligungen und Auflagen zu informieren.
Zäune als Schutz spielen hingegen kaum eine Rolle. «In der Landwirtschaft ist das nicht praktikabel», so Hug.
Natürliche Feinde und pflanzenbauliche Massnahmen als Hilfe
Auch die Förderung natürlicher Feinde ist ein wichtiger Punkt bei der Mäusebekämpfung. Das Aufstellen von Sitzstangen für Greifvögel habe sich bewährt. «Am meisten Mäuse frisst jedoch das Wiesel. Da kann es absolut Sinn machen, Wieselburgen zu errichten», sagt Hanspeter Hug. Wieselburgen und Sitzstangen sollten aber nicht kombiniert werden, weil Greifvögel auch Wiesel fressen.[IMG 5]
Weiter gibt es auch pflanzenbauliche Möglichkeiten, die zu einer verbesserten Regeneration der Wiesen verhelfen. «Ein am Anschlag geführter Wiesenbestand regeneriert sicherlich weniger als ein optimal geführter Bestand. Leider sind sehr viele Wiesenbestände übernutzt», verdeutlicht Hug.
Auch das tiefe Abmähen des Grasbestandes vor dem Winter würde bei der Mäusebekämpfung nichts bringen, es schade jedoch deutlich dem Pflanzenbestand.
«Die Mäuse sind ein Teil unserer Biodiversität, es liegt an uns, wie wir mit ihnen leben. Mäusepopulationen entstehen nicht einfach so, sie bauen sich auf und fallen wieder in sich zusammen. Wenn solche Populationsentwicklungen früh erkannt werden, können frühzeitig Massnahmen getroffen werden, die der Populationsentwicklung und damit dem Ernteausfall entgegenwirken», schluss-folgert Hug.
AGFF-Schermausradar
Das Schermausradar dient als Hilfsmittel zur Erfassung der Dichte von Mäusepopulationen. Seit dem Frühjahr 2010 erheben Agroscope und die AGFF jährlich an rund 50 Standorten im Deutschschweizer Mittelland sowie in den angrenzenden Hügelgebieten die Dichte von Schermauspopulationen.
Das Schermausradar kann (in Kombination mit einer Beurteilung der Lage auf dem eigenen Betrieb) dabei helfen, folgende Fragen zu beantworten:
- Wann ungefähr kann mit einem Populationszusammenbruch gerechnet werden?
- Bis wann lohnt es sich, Mäusebekämpfung zu betreiben?
- Wann muss man damit beginnen, Futterreserven anzulegen, um bei einem allfälligen Totalschaden in den Wiesen glimpflich davonzukommen?
Weitere Informationen
Diese Tiere richten im Futterbau Schaden an
Die Schermaus, die Feldmaus und der Maulwurf können bedeutende Schäden verursachen.
Schermaus (Wühlmaus, Nueler, Stossmaus)
- Wühlender Nager, bis 130 g schwer
- Kleine Ohren; rundlich; kurzer Schwanz
- Lebt meist unterirdisch im Gangsystem
- Baue: Summe der Gänge bis zu 40 Metern Länge
- Wirft jährlich 3- bis 5-mal, 2 bis 8 Junge pro Wurf
- Populationsaufbau: bis zu 500 Mäuse pro Pärchen in einem Jahr möglich
- Massenvermehrungen alle 5 bis 7 Jahre möglich
- Populationsdichten von bis zu 1000 Tieren pro ha möglich (Potenzial)
Feldmaus (Spitzmaus, Springer)
- Kleiner Nager, bis 35 g schwer
- Lebt in unter- und oberirdischen Gängen
- Wirft bis zu 7-mal jährlich, 4 bis 10 Junge pro Wurf
- Netzartige, oberflächliche Laufpfade
- Periodisches Massenauftreten ist in der Schweiz selten
- Lebt in extensiv bis mittelintensiv bewirtschafteten Wiesen, aber auch in Getreide- und Hackfruchtkulturen
Maulwurf (Schwarze Maus, Schär)
- Insekten- und Wurmfresser
- Bis 85 g schwer
- Schaufelartige Vorderbeine
- Lebt als Einzelgänger an Waldrändern und entlang von Riedflächen
- Lebt in ausgedehnten, geschlossenen, tiefen unterirdischen Gängen
- Vermehrt sich langsam
- Wirft 1-mal jährlich, 4 bis 6 Junge pro Wurf
- Kein Massenauftreten
- Bevorzugt tiefgründige humusreiche Böden
Quelle: Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaues (AGFF)
[IMG 6]