Die Winterbeweidung von Getreide mit Schafen war in der früheren DDR der Normalfall. In den letzten Jahren wurde diese Massnahme in Ostdeutschland wiederentdeckt. Auch in der Schweiz haben einzelne Praktiker Erfahrungen gesammelt. Die Beweidung muss ausgangs des Winters und zwingend vor Ende Bestockung erfolgen. Bei üppig entwickelten Beständen wird Ende Februar, sonst in der ersten Märzhälfte beweidet.

Das Beweiden des Getreides (insbesondere Gerste) Ende Winter hat verschiedene positive Effekte. Durch das Abfressen werden die Bestockung und die Vitalität der Pflanzen angeregt. Da die meisten Ackerunkräuter empfindlich auf Tritt reagieren, kann ein unkrautreduzierender Einfluss beobachtet werden. Und auch der Druck durch Pilzkrankheiten kann reduziert werden. Ein grosser Teil der kranken Blätter wird abgefressen und der Krankheitsdruck im Bestand verringert. An der Liebegg wurde während zwei Jahren ein Versuch in Gerste durchgeführt. Die während zwei bis vier Tagen beweidete Gerste war während mehrerer Wochen sichtbar vitaler und gesünder. Bei zu langer Weidedauer (eine Woche) resultierte aber eine deutlich sichtbare Schädigung des Bestandes, welche später nicht mehr kompensiert werden konnte. Auch die Bodenverhältnisse sind zu beachten. Bei nassen Verhältnissen wurden im Versuch markante Trittschäden und Verdichtungen erzeugt.

Verschiedene Aspekte sprechen für die unkonventionelle Idee der Winterbeweidung. Interessierte Betriebe müssen aber eigene Erfahrungen sammeln, um in Abhängigkeit von Kulturentwicklung und Witterung den optimalen Zeitpunkt und die passende Weidedauer zu finden.