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Agrar Landtechnik AG baut in Balterswil Maschinen für die Schweiz

Die Agrar Landtechnik AG in Balterswil TG importiert Marken wie Horsch, Krone oder Manitou. Besonders stolz sind die Mitarbeiter jedoch auf die Marke Agrar. Diese Maschinen entwickeln und bauen sie selber.


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Kurz & bündig

  • Die Agrar Landtechnik AG baut in Balterswil TG Güllefässer, Ladewagen, Aufbereiter und Ballengreifer.
  • Jährlich werden rund 100 Ladewagen und 80 Güllefässer produziert.
  • Die etwas höheren Produktionskosten in der Schweiz werden mit effizienten Abläufen und optimalen Fertigungsprozessen kompensiert.
  • Sonderlösungen umzusetzen ist eine Stärke des Unternehmens.

Beim Traktoren- und Maschinen-Kauf steht für die Landwirte in der Schweiz die Qualität an erster Stelle. Das wissen auch die Maschinen-Entwickler in Balterswil TG, wo die Agrar Landtechnik AG seit 2015 die Maschinen ihrer Eigenmarke Agrar produziert und oft auch massgeschneiderte Sonderlösungen realisiert.

Viele Landwirte in der Schweiz kennen die Ladewagen und Güllefässer von Agrar seit Langem. Die Marke hat ihren Ursprung vor über 80 Jahren in Wil SG. Hergestellt wurden vor allem Futterernte-Maschinen. Vor knapp 20 Jahren wurde der Marke durch die Fusion mit der heutigen GVS Agrar Gruppe neues Leben eingehaucht.

Massgeschneiderte Sonderlösungen für den Kunden

«Wir produzieren Sonderlösungen für die Schweizer Landwirtschaft», freut sich Verkaufsleiter Karl Tanner. Das heisst nicht, dass jeder Ladewagen oder jedes Güllefass eine Sonderanfertigung ist. Aber dank dem direkten Kontakt zu den Kunden und den kurzen Entscheidungswegen innerhalb der Firma fliessen viele Rückmeldungen direkt in die Entwicklungsbüros in Balterswil.

«Das führt dazu, dass wir sehr genau wissen, was bei den Landwirten gefragt ist und sehr schnell reagieren können», so Tanner. Natürlich wird in einem solchen Fall ein Ladewagen nicht komplett neu entwickelt. «Unsere Produktpalette deckt bereits ein breites Spektrum ab. Oft können wir schon mit kleinen Details Kundenwünsche exakt erfüllen.»

Eine Sonderfertigung befand sich beispielsweise Anfang Februar 2020 in der Produktionsstrasse. Erstmals wurde ein einachsiger Tieflader mit einer gefederten Achse ausgerüstet. Der Federweg misst rund sieben Zentimeter und wird mit speziellen Kunststoff-Puffern gefedert.

Die Achse ist so konstruiert, dass der Wagen auf der Strasse bei schneller Fahrt einerseits nicht aufschaukelt, die Federung bei Hanglage aber dennoch nicht einseitig einnickt. Die Federung erhöht nicht nur die Fahrsicherheit, sondern wird auch als Signalgeber für die automatische lastabhängige Bremskraftregelung ALB genutzt.

Drei Varianten beim Lade-Aggregat

Auf Schweizer Landwirtschafts-Betrieben stehen noch viele bereits ältere Agrar-Ladewagen im Einsatz. Viele davon werden mit einem Förder-Elevator gerne für die Heubergung genutzt. Das Heu wird schonend gefördert und dabei weniger verdichtet als bei kreisenden Förder-Rechen. Das Futter kommt so im Heuraum lockerer an den Stock und kann optimal belüftet werden. Rund 25 Prozent der Agrar-Ladewagen werden noch heute mit diesem System ausgerüstet. Der Elevator ist jedoch nur eines von drei Ladesystemen, die Agrar baut. «Dadurch können wir unsere Kunden optimal beraten, weil wir für jeden Einsatzbereich ein passendes System haben», so Karl Tanner.

Für die schonende Behandlung von Heu eignet sich der Elevator mit Förder-Rechen, weil dieser das Futter weniger verdichtet und letztlich lockerer auf der Belüftung gelangt. Damit lässt sich auch Eingrasen. Die Förderleistung mit dem Elevator ist etwas geringer als bei den folgenden Systemen.

Das Förderorgan mit Kurvenbahn gelenkten Förderschwingen kann mit bis zu 15 Messern ausgestattet werden und kann auch für Silage eingesetzt werden.

Bei der robustesten Variante werden die Förder-Rechen mit einer Lenkersteuerung und bis zu 29 Messern zum Silieren ausgerüstet.

Alle Fördersysteme lassen sich sowohl bei Tieflader- wie auch bei Hochlader-Ladewagen einbauen. Der kleinste Tieflader hat ein Fassungsvermögen von 23 Kubikmeter. Der grösste Ladewagen, den Agrar jemals baute, wurde Ende 2019 ausgeliefert. Er hat eine Gesamtlänge von 11,6 Metern, fasst 84 Kubikmeter und fördert das Futter mit lenkergesteuerten Förder-Rechen in den Laderaum. Der Ladewagen steht auf einem gelenkten Tandemfahrwerk und trägt die Bezeichnung HL84.

Nebst den eigenen Ladewagen produziert die Agrar Landtechnik AG auch die Ladegeräte für die Transporter der Firma Aebi.

Die Ladewagen-Produktions-Strasse befindet sich auf der einen Seite der grossen Produktionshalle. Diese ist in der Mitte getrennt. Auf der anderen Seite sind die Montageboxen der Güllefässer eingerichtet.

Viele hoch spezialisierte Zulieferer aus der Region

Viele Bauteile lässt die Agrar Landtechnik AG bei spezialisierten Firmen in der Region fertigen. «Es gibt in der Schweiz viele hoch spezialisierte Firmen für die Bearbeitung diverser Materialien.»

«Wenn wir ein neues Modell entwickeln, bauen wir einen Prototyp und zeichnen alle Teile. Ist das Modell serienreif, lassen wir die Teile auswärts fertigen. Für unsere Bedürfnisse wäre die Auslastung der notwendigen Spezialmaschinen zu gering», erklärt Karl Tanner. Die Einzelteile werden dann angeliefert und von den Mitarbeitern beispielsweise zu Ladeorganen für Ladewagen oder Schleppschlauch-Gestängen für die Güllefässer vormontiert und auf den Galerien in der grossen Halle gelagert. Von dort gelangen die vormontierten Elemente mit dem Hallenkran an die Montagestelle.

Mitarbeiter testen auf ihren Betrieben, was sie gebaut haben

«In der Maschinenkonstruktion und in der Produktion arbeiten auch Mitarbeiter, welche zu Hause noch einen Landwirtschaftsbetrieb führen. Das ist für uns ein grosser Vorteil, sie wissen, wie die Maschinen eingesetzt werden, und testen sie auch gerne auf ihren Betrieben. Das gibt für uns sehr wertvolle Rückmeldungen», so Karl Tanner.

Hier kommt dem Unternehmen zugute, dass in kleinen Strukturen, wo jeder jeden kennt und jeder weiss, wer was macht, die Mitarbeiter mit Herzblut dabei sind. «Bei uns sieht jeder Mitarbeiter, was wir produzieren und wie sich die Kunden an den Maschinen, an denen jeder mitgebaut hat, freuen.» Und letztlich sei es kein Geheimnis, dass Agrar die Lieblingsmarke der Mitarbeiter sei. Dies, obschon das Unternehmen auch erfolgreich Maschinen importiert und verkauft.

Bei den Ladewagen kommt es mit dem Importprogramm von Krone zu keiner Konkurrenz zur Hausmarke Agrar. «Krone-Silierwagen kommen meistens dort zum Einsatz, wo das Leistungsspektrum von Agrar aufhört. Sie ergänzen sich also sehr gut.»

Immer mehr Güllefässer werden mit Schleppschlauch ausgeliefert

Die Güllefässer, welche bis zu einem Fassungsvermögen von 24 Kubikmetern angeboten werden, werden immer öfter mit Schleppschlauch-Verteilern ausgerüstet. Agrar reagiert damit auf die zukünftigen Ausbring-Vorschriften, die einen Schleppschlauch verlangen. Agrar baut an jedes Fass die entsprechenden Anbauteile. So kann ein Verteilgestänge auch später an das Fass montiert werden, ohne das verzinkte Fassmaterial zu bearbeiten. Zurzeit wird etwa jedes zweite Fass mit einem Schleppschlauch-Gestänge ausgeliefert.

Auch bei den Güllefässern ist die Agrar Landtechnik AG immer für Sonderlösungen zu haben. So gibt es Saugarme, die sowohl links wie rechts eingesetzt werden können. Und Schieber lassen sich optimiert für den Kunden positionieren.

Bei der Bereifung reagiert Agrar ebenfalls auf Kundenwünsche, denn viele Landwirte suchen nach einer breiten Bereifung, damit der Boden weniger stark zusammengepresst wird. Dank Radkästen, die in das Fass integriert sind, können auch kleinere Fässer mit breiten Reifen ausgestattet werden.

Die Agrar Landtechnik AG ist auch Importeur namhafter Landtechnik-Hersteller. In der Werkstatt, welche sich hinter der Produktionshallen für Ladewagen und Güllefässer befindet, werden die Importmaschinen für die Auslieferung bereitgestellt, falls dies nicht durch den Händler erfolgt.

Die Agrar Landtechnik AG hat pfiffige Tüftler in ihren Reihen

Zurzeit warten viele Futterernte-Maschinen auf ihre Bereitstellung. Diese haben die Kunden im letzten Jahr bestellt. Sie werden bis Saisonbeginn ausgeliefert. Hier fällt auf, dass viele Kreisler über ein Fahrwerk verfügen. Diese können dadurch mit einem 80 PS-Traktor angetrieben werden.

Müsste die gleiche Maschine ohne Fahrwerk am Dreipunkt getragen werden, bräuchte es mindestens 120 PS. Karl Tanner sieht darin einen Trend, wonach die Landwirte immer mehr auf die Bodenbelastung achten.

Bei grossen Lohnunternehmer-Maschinen zeigt sich dieser Trend auch. Derzeit befindet sich eine gezogene 6-Meter-Säkombination von Horsch in der Werkstatt. Dabei zeigt sich, dass die Agrar Landtechnik AG über pfiffige Tüftler verfügt. Die mächtige Kombination wird zurzeit auf Schweizer Bedingungen umgebaut. So wird für die Rückverfestigung ein Doppelrollpacker montiert, welcher ab Werk für dieses Modell nicht verfügbar ist.

Der Kunde hat bereits an einer 3-Meter-Kombination gute Erfahrungen damit gemacht und möchte dies an der neuen Maschine nicht missen. Am Fahrwerk haben die Agrar Landtechnik-Tüftler ebenfalls gearbeitet. Bei der Werkslösung ragt die Transportachse hinter die Säschare, weshalb in einigen Situationen nicht bis an den Feldrand gesät werden kann. Die Lösung bestand darin, mit einem klappbaren Fahrwerksträger die Achse nach vorne zu kippen.

Die Agrar Landtechnik erfüllt die strengen Qualitätsauflagen von Horsch, um die Säkombination abzuändern. Wie im heutigen Maschinenbau üblich, wurden die Umbau-Teile digital erfasst. Bewährt sich die optimierte Säkombination in der Praxis, besteht die Möglichkeit, dass sie der Hersteller als Option dereinst in seine Produktion implementieren wird.

Für den Mehrpreis muss dem Landwirt mehr geboten werden

Verkaufschef Karl Tanner ist sich bewusst, dass eine Produktion in der Schweiz immer teurer ist als im Ausland. Das liegt am Kostenumfeld und Agrar ist davon auch betroffen. Allerdings versucht man einen allfälligen Mehrpreis mit technischen Finessen wettzumachen, welche dem Landwirt einen Mehrwert bieten.

Bei den Ladewagen sind dies etwa vollverzinkte Pick-ups für eine lange Lebensdauer oder ein grosser Pendelweg von 20 Zentimetern, was eine saubere Futteraufnahme auch im coupierten Gelände ermöglicht.

Bei den Güllefässern sind es die Anschlagpunkte, um später ein Schleppschlauchgestänge anzuschrauben. Bei der Schieberbetätigung hat Agrar ebenfalls eine pfiffige Lösung entwickelt. Über das Hebelgestänge wird mit einer Bewegung der Schieber geschlossen und ein Ventil geöffnet, um das Vakuum im Saugschlauch zu lösen.

Zurzeit läuft die Produktion in Balterswil auf Hochtouren. Die Maschinen müssen zu Saisonbeginn ausgeliefert sein. Später im Jahr stehen weniger Aufträge an und Agrar nutzt die Zeit für neue Entwicklungen. Diese werden dann an den Messen wie der Agrama oder der «Tier & Technik» der Öffentlichkeit als Neuheit präsentiert.

Auf dem Vorplatz lagern derzeit vor allem Ladewagen und Aufbereiter auf ihre Besitzer. «Unsere Maschinen werden regional, in der ganzen Schweiz und in geringen Mengen auch ins benachbarte Ausland geliefert. Einige Kunden holen die Maschinen sogar mit dem Traktor bei uns ab. Das freut uns immer sehr, wenn sie mit Stolz nach Hause fahren», freut sich Karl Tanner.

Das Vertriebsnetz für die Marke Agrar umfasst in der Schweiz rund 100 Händler. Agrar ist für viele Händler eine interessante Marke, da sie frei von Traktoren-Marken oder Full-Liner-Programmen unabhängig im Markt steht.

Die Agrar Landtechnik AG

Die Agrar Landtechnik AG produziert die Eigenmarke Agrar und importiert die Marken Horsch, Krone, Fella, Manitou, Treffler, Schmotzer, Monosem, Sulky und Reisch.

Die Marke Agrar baut seit dem Jahr 1936 Landmaschinen für die Futterernte und Güllefässer.

Seit 2001 gehört die Marke zur heutigen GVS Agrar Gruppe. 2015 wurde der Produktionsstandort in Balterswil TG in Betrieb genommen. Jährlich werden rund 100 Ladewagen, 80 Güllefässer und 120 Aufbereiter produziert. Das Unternehmen beschäftigt 48 Mit-arbeiter im Bereich Maschinenbau, Import, Verkauf und Werkstatt.

Die Agrar Landtechnik AG ist eines von drei Kompetenz-Zentren derGVS Agrar Gruppe in Schaffhausen und deckt den Bereich Landmaschinen ab.

Die GVS Agrar AG in Schaffhausen beliefert mit den Marken Fendt, Massey Ferguson und Valtra den Traktorenmarkt. Die GVS Fried AG in Koblenz importiert Erntetechnik der Marken Fendt, Laverda und Massey Ferguson.www.agrar-landtechnik.ch

Erfolgreiche Schweizer Firmen

Es gibt sie, die erfolgreichen Schweizer Firmen in der Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft. In der «Swissmade»-Serie stellen wir diese Firmen in loser Folge vor.

 

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