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Maiswurzelbohrer noch unter Kontrolle

Mit Erfolg wird in der Schweiz die Etablierung des gefürchteten Maiswurzelbohrers verhindert.

· Pflanzenbau
Mit Erfolg wird in der Schweiz die Etablierung des gefürchteten Maiswurzelbohrers verhindert. So konnte ein grösserer Schaden bisher abgewendet werden. Das Bundesamt für Landwirtschaft überlegt nun, die Bekämpfungsmassnahmen zu lockern.

Mit Erfolg wird in der Schweiz die Etablierung des gefürchteten Maiswurzelbohrers verhindert. So konnte ein grösserer Schaden bisher abgewendet werden. Das Bundesamt für Landwirtschaft überlegt nun, die Bekämpfungsmassnahmen zu lockern.

Im Herbst recken sich die reifen Maiskolben prall und gelb in die Höhe und kündigen die bevorstehende Ernte an. Grosse Schäden bedrohen die Maisernte bislang nicht.

Denn das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) setzt mit dem ÖLN beziehungsweise der Fruchtfolge auf das effizienteste Bekämpfungssystem, das es gibt. Mit Erfolg wird dadurch die Etablierung des Maiswurzelbohrers verhindert. Doch dieser Erfolg könnte nun gefährdet sein, sollte sich das BLW dazu entscheiden, die Bekämpfungsmassnahmen zu lockern.

Die gefrässigen Larven machen sich im Frühjahr über die Wurzeln der Maispflanzen her

Der Maiswurzelbohrer Diabrotica virgifera virgifera wird nicht zu Unrecht als gefährlichster Maisschädling eingestuft. In den USA, wo der Schädling bereits ein ganzes Jahrhundert sein Unwesen treibt, verursacht er jährliche Kosten von etwa einer Milliarde Dollar – wohlgemerkt in Mais-Monokulturen.

Dabei sind seine Larven besonders gefährlich. Nachdem die Weibchen des Käfers im Spätsommer ihre Eier in den Erdboden ablegen, schlüpfen die Larven im nächsten Frühjahr und befallen die Wurzeln der Maispflanze. Durch ihren Frass wird die Standfestigkeit der Pflanze so stark beeinträchtigt, so dass sie umknickt.

In der Schweiz sind solche Schäden durch den Maiswurzelbohrer bislang ausgeblieben. Doch im schlimmsten Fall kann seine Ausbreitung einen kompletten Ernteverlust verursachen, so der Fachexperte Markus Bünter von Agroscope. In den 1990er Jahren wurde der Maiswurzelbohrer aus Nordamerika über den Luftweg nach Europa eingeschleppt. Innerhalb der letzten 20 Jahre hat er sich in Europa verbreitet. Vor allem dort, wo Mais-Monokulturen vorherrschen. Wo sich grosse Populationen etablier
en konnten, kam es in der Vergangenheit zu wirtschaftlichen Schäden in Millionenhöhe.


In der Schweiz wurde der Maiswurzelbohrer das erste Mal im Jahr 2000 in der Nähe des Flughafens Lugano TI vorgefunden, wo er vermutlich über Italien eingeschleppt wurde. Mit strengen Fruchtfolgemassnahmen wird mit Erfolg verhindert, dass sich im Tessin eine Population etablieren kann.

Bisher hat sich der Schädling in der Schweiz noch nicht etablieren können und wird daher als zu beobachtender «Quarantäne-Schädling» eingestuft.


Entlang der Schweizer Grenzen und der Verkehrsachsen stehen Pheromonfallen

Im 2017 wurde der Maiswurzelbohrer erstmals in Basel in einer Pheromon-Überwachungsfalle gefangen. In diesem Jahr ist der Maiswurzelbohrer in weiten Teilen der Nordwestschweiz – entlang der Grenze zu Deutschland und Frankreich – in den Überwachungsfallen entdeckt worden. Das ist kein Zufall, denn seit 2014 sind in der EU die strengen Bekämpfungsvorschriften aufgehoben. Um die Ausbreitung des Schädlings in der Schweiz zu verhindern, veranlasste das Bundesamt für Landwirtschaft die Aufstellung von Pheromon-Überwachungsfallen in Maisparzellen entlang der Verkehrsachsen und den Schweizer Grenzen.

Wird ein Käfer in einer der schweizweit etwa 200 Pheromon-Überwachungsfallen gefangen, wird rundum eine sogenannte «Kernzone» (siehe rote Fläche in der Grafik) festgelegt, aus der bis Ende September kein frischer Mais hinaustransportiert werden darf.

Das ist notwendig, damit sich der Maiswurzelbohrer nicht über Transportwege weiterverbreiten kann. Ausserdem ist der Anbau von Mais im Folgejahr auf derselben Parzelle verboten. Dies gilt auch für die Sicherheitszone (gelb).


Eine konsequente Fruchtfolge verhindert die Verbreitung des Maiswurzelbohrers

Wird die Fruchtfolge eingehalten, entfällt Mais als Nahrungsquelle und die Larve im Boden verhungert, weil sie sich ausschliesslich von Maiswurzeln ernährt.


Die Fruchtfolge, die von den meisten Landwirten hierzulande standardmässig befolgt wird, ist eine gute Prävention vor dem Maiswurzelbohrer. Eine grosse Gefahr geht daher nicht von ihm aus. Das denken sich auch die Pflanzenschutzbeauftragten des Kantons Luzern. Sie fordern aktuell eine Lockerung der Bekämpfungsmassnahmen, wie aus einem Schreiben der kantonalen Dienstelle für Landwirtschaft und Wald an das Bundesamt für Landwirtschaft hervorgeht.

Der Brief von September 2018 verlangt vor allem das Aufheben des 
umstrittenen Transportverbots aus der Kernzone und die Beschränkung der Fruchtfolge. Alleine im Kanton Luzern wird noch auf einer Fläche von 1000 Hektaren Mais auf Mais angebaut.

Laut einem Bericht der «BauernZeitung» unterstützt Markus Hochstrasser von der Fachstelle Pflanzenschutz am Strickhof das Vorgehen. Es mache keinen Sinn, aufwendige Massnahmen wie das Waschen von Häckslern mit Hochdruckreiniger oder Transportverbot bis Ende September zu fordern, so Hochstrasser.

Der Schädling sei mit den strengen Schweizer Fruchtfolge-Massnahmen gut im Griff zu halten. Die Landwirte, die heute noch Mais auf Mais anbauen, würden in zehn Jahren von selbst aufhören, wenn Schäden durch den Maiswurzelbohrer auf ihrem Feld entstehen. Allenfalls greift der Kanton ein und schreibt auf diesen Flächen die Fruchtfolge vor.

Es sei aber trotzdem wichtig, dass jeder Landwirt für die Bekämpfung des Maiswurzelbohrers die Verantwortung übernehme, ergänzt Markus Bünter von Agroscope.

Bericht im November-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

Text: Katrin Erfurt

Bild: Peter Baufeld, JKI
 

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