Der Tag der Schlachtung bedeutet für Rinder und Menschen meistens Stress. Das Verladen und die Abläufe auf dem Schlachthof, wie das Treiben durch die Gänge, sind für die Tiere eine völlig neue und überfordernde Erfahrung.

Abo Diese Tiere versuchten im Galopp, zu den anderen aufzuschliessen – ohne Erfolg. Bild: Pia Neuenschwander Tierhaltung Mit Low Stress Stockmanship Rinder stressarm bewegen Freitag, 30. Oktober 2020 Das FiBL-Projekt «Konditionierung von Rindern auf dem landwirtschaftlichen Betrieb» hat einen neuen Ansatz ausprobiert. In dem vom Coop-Fonds für Nachhaltigkeit finanzierten Projekt übten LandwirtInnen vorab mit ihren Tieren das Laufen durch einen Treibgang. Dazu wurde die Methode «Low Stress Stockmanship» verwendet, die in einem zweitägigen Kurs gelernt wurde. Stockmanship lehrt den Zusammenhang zwischen der Aktion des Menschen und der Reaktion der Tiere. Dadurch wird ein ruhiger und effizienter Umgang möglich.

Die Projektteilnehmenden trainierten mit ihren Kälbern je dreimal das Treiben durch einen sechs Meter langen Panelgang und die Fixierung in einem Behandlungs- oder Wiegestand. Der Aufwand betrug durchschnittlich zehn Minuten pro Tier, dazu kam je nach Gegebenheiten das Einrichten des Treibgangs.

Im Schlachthof untersuchten die FiBL-Forschenden insgesamt 76 Tiere. Die Tiere, mit denen trainiert worden war, wiesen einen signifikant tieferen Gehalt des Stresshormons Cortisol auf. Auch für die Menschen wurde es einfacher.

 

Win-win für Mensch und Tier [IMG 2]

Kommentar von Damian Laube, Mutterkuhhalter, Wislikofen AG

Wir haben auf unserem Betrieb 25 Mutterkühe, deren Kälber wir als Natura-Beef vermarkten, ausserdem einige Mastmunis und zehn Weiderinder. Wir haben als einer von fünf Betrieben am Projekt teilgenommen. Das Treiben lief beim ersten Mal nicht besonders gut, da kam schon Skepsis auf bei mir. Beim zweiten Mal war ich jedoch überrascht: Da lagen Welten dazwischen.

Zu Beginn war die Arbeit mit «Low Stress Stockmanship» eine Umstellung. Man muss lernen, den Druck vom Tier wegzunehmen, statt zu versuchen, mit immer mehr Druck etwas zu erzwingen. Also genau das Gegenteil von dem, wie man sich üblicherweise verhält.

Beim Weidewechsel mit den Weiderindern brauchten wir früher zwei bis drei Stunden mit vier Personen, bis die Tiere im Anhänger waren. Am Ende waren alle gestresst. Heute fahren zwei Personen zur Weide, bauen einen Panelkorral auf, treiben und verladen die Tiere. Nach 25 Minuten sind wir fertig. Ich bin selber daran gewachsen. Wenn es dann auch noch gut ist fürs Tier, haben beide etwas gewonnen.