Rechtzeitig zum Frühlingsanfang sind wir aus Asien in die Schweiz zurückgekehrt. Im Gepäck eine Handvoll Souvenirs, eine kitschige Bräune und sehr viele schöne Erinnerungen an eine gute Reisezeit.
«die grüne» ist ja bekanntlich kein Reisemagazin, darum werde ich hier nicht allzu ausführlich. Nur so viel: Wir gingen nach China, weil wir in eine Gegend wollten, wo es ganz anders zu und her geht als im Freiamt, und diesem Anspruch wurde das Land mehr als gerecht. Es war ein Abenteuer, gespickt mit positiven Überraschungen, atemberaubenden Landschaften (Terrassen und Karstbergen), gigantischer Infrastruktur, sehr gutem Essen und freundlichen Leuten. Und ja: Sie essen dort Hunde (und auch sonst eigentlich alles), und beim Essen wird geschmatzt.
Zurück in die Schweiz, ins schöne Freiamt, wo sich auch ein sehr positiver Aspekt unserer Reise abspielte, denn: Obwohl ich nicht auf dem Hof war, lief es zu Hause äusserst rund. Das ist natürlich denen zu verdanken, die im Stall und auch im Büro gearbeitet haben. Zwar war ich bereits vorher schon immer wieder mal kürzere Zeit fort vom Betrieb, jedoch noch nie so lange. Erfreulicherweise haben die Mitarbeitenden während unserer Abwesenheit noch mehr Verantwortung als sonst übernommen und auch bei Pleiten, Pech und Pannen super reagiert, und dies erst noch mit viel Eigeninitiative.
Was das nun für die Zukunft genau heisst, kann ich noch nicht sagen. Jedenfalls ist das Bewusstsein gestiegen, dass viele (nicht alle!) Arbeiten delegierbar sind, was Spielraum schafft und mich zuversichtlich stimmt. Wenn ich weiterwachsen und mich und den Betrieb entwickeln möchte, kann das ja nur mit Delegieren und Organisieren klappen. Es ist ja nicht so, dass unsere heutige Equipe die halbe Zeit untätig in der Gegend herumsteht und nur darauf wartet, dass endlich etwas mehr Arbeit anfällt.
Ansonsten war es bei der Abreise so, dass ich ab dem Moment des Abflugs den Schweizer Alltag bestens hinter mir lassen konnte. Im Gegenzug war es dann auch so, dass – kaum in Zürich gelandet – sich alles sehr bald wieder so anfühlte, als wäre man nie weggewesen. Wobei, das stimmt nicht ganz. Kleinere Alltagssorgen scheinen des Öfteren halb so wild, wie dies zuvor der Fall war. Möge das die nächsten Wochen und Monate so bleiben! Und auch für die Beziehung war es ein Gewinn, längere Zeit ausserhalb des Betriebs gemeinsam unterwegs sein zu dürfen. Möge dies die nächsten Monate und Jahre so bleiben!
Wir sind sehr gerne auf Reisen gegangen, und es war wunderschön. Ich bin aber auch froh, dass wir am Ende gerne wieder nach Hause zurückgekehrt sind. Schön, gibt es einen Ort, bevölkert mit vielen tollen Menschen, an den wir gerne zurückkommen, egal wie faszinierend es anderswo ist. Schön, ein Zuhause zu haben.
Hagenbuchs Randnotizen
Sebastian Hagenbuch ist Landwirt und Agronom. Er führt einen Betrieb mit zwei Standorten in Rottenschwil und Unterlunkhofen im Kanton Aargau.
Hagenbuch erzählt in seiner Kolumne von Alltäglichem und Aussergewöhnlichem, wechselt ab zwischen Innen- und Aussensicht, immer mit kritischem Blick und einem Augenzwinkern.