Erkältung oder Grippe?

Eine Erkältung entsteht durch Viren, nicht durch Kälte. Kälte kann jedoch das Immunsystem schwächen und anfälliger machen. Über 200 verschiedene Virustypen können Auslöser sein, die häufigsten Erkältungs-Auslöser sind Rhinoviren (über 40 Prozent). Eine Erkältung schleicht sich langsam ein.

Eine Grippe hingegen wird durch Influenza-Viren ausgelöst. Die die Symptome treten ganz plötzlich auf. Erste Anzeichen wie Abgeschlagenheit und Müdigkeit sind bei einer echten Grippe ausgeprägter. Sie ist mit starken Kopf- oder Gliederschmerzen und hohem Fieber verbunden (mindestens 38,5°C, oft über 40°C).

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Stärken und an die frische Luft

Zu wenig Schlaf, chronischer Stress oder Mangelernährung können die natürlichen Abwehrkräfte tatsächlich schwächen. «Das Immunsystem eines gesunden Menschen ist aber bereits stark und funktioniert zu 100 Prozent», sagt Onur Boyman, Direktor der Klinik für Immunologie des Universitätsspitals Zürich, in einem Beitrag der «NZZ am Sonntag». 

Für Dr. Marianne Ruoff gehört es zur Stärkung eines gesunden Immunsystem, für genug Schlaf und Erholungspausen zu sorgen. Zudem sind bestimmte Vitamine (Vitamin C,Vitamin D) und Spurenelemente (Zink) wichtig, die das Immunsystem für die Abwehrfunktion benötigt. Eine ausgewogene Ernährung spielt ebenfalls eine Rolle. Und nicht zuletzt: Möglichst täglich eine Stunde in der frischen Luft spazieren gehen!


Was ist das Immunsystem?

Das Immunsystem besteht aus zwei Teilen: der angeborenen und der erworbenen Immunantwort. Die angeborene Immunantwort ist wie eine schnelle Eingreiftruppe. Sie ist zwar sofort zur Stelle, schiesst aber ziemlich wahllos um sich. Die angeborene Immunantwort ist wichtig für Kinder, weil ihr Immunsystem die meisten Bakterien, Viren und Parasiten noch nicht kennt.

Die erworbene Immunantwort hingegen ist wie ein Sondereinsatzkommando. Sie braucht etwas länger, um aktiv zu werden, ist aber präzise und kennt den Gegner genau. Nach diesem Prinzip funktionieren Impfungen, zum Beispiel gegen Grippe oder Sars-CoV-2-Infektionen: Der Körper ist dank einer Impfung darauf trainiert, im Ernstfall präzise reagieren zu können. 

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Ins Bett oder ins Wartezimmer?

Erkältungen sind meistens harmlos und nach rund 14 Tagen vorbei. In der aktuellen Pandemie empfiehlt sich ein Covid-Test quasi immer. Denn die Corona-Infektion kann eigentlich alle Symptome einer normalen Erkältung verursachen. Um sich und andere zu schützen, rät Dr. Marianne Ruoff, lieber einmal zu viel als zu wenig zu testen.

Zur Ärztin sollte unbedingt, wer starke Schmerzen (zum Beispiel in den Ohren) hat, wenn die Beschwerden nach einer Woche nicht besser werden und natürlich, wenn Atemnot auftaucht.


Allzweckwaffe Kurkuma?

Seit einigen Jahren wird Kurkuma bzw. dem darin entstandene Wirkstoff Curcumin eine krebs-, stress- und entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben. Leider ist ein Grossteil der dazu publizierten positiven Ergebnisse vermutlich fehlerhaft. Bisher war keine placebokontrollierte Doppelblindstudie erfolgreich.

Dr. Marianne Ruoff setzt Kurkuma ein, zum Beispiel bei chronischen Entzündungen (Rheuma und Arthrose), bei Schmerzen und um die Durchblutung zu fördern. Kurkuma wird nicht so leicht aufgenommen und sollte mit schwarzem Pfeffer und fetthaltigen Nahrungsmitteln kombiniert eingenommen werden. Sie empfiehlt, bei länger dauernden Beschwerden ein Präparat einzunehmen, das eine standardisierte Menge und die Kombination mit Pfeffer enthält.

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Schnaps hilft immer?

Ein beliebtes Hausmittel gegen Erkältungen ist ein warmer Schnaps mit Honig, gegen Halsweh soll Gurgeln mit Rotwein helfen. Dr. Marianne Ruoff warnt davor, das geschwächte Immunsystem noch mit zu viel Alkohol zu belasten. Gegen eine kleine Menge Kräuterschnaps am Anfang einer Unterkühlung ist nichts einzuwenden. Besser wirken aber grössere Mengen (mindestens 1 ½ Liter) Erkältungstees.


Tee-Tipps

Erkältungsschutz bringt ein Tee mit etwas Angelikawurzel, Hagebutten oder Holunderblüten. Bei Unterkühlung noch ohne Fieber ist ein schweisstreibender Holunderblütentee gut, gefolgt von einem heissen Bad. Und dann ab ins Bett!

Thymian wirkt bei Niesen, laufender Nase, Schnupfen ohne Halsweh und leichtem Fieber. Lindenblüten oder Zitronenschalen sind bei Halsweh günstig. Bio-Zitronenschalen, etwas ausgekocht, sind sehr gut schleimlösend.

Honig macht einen Tee bei kratzigem Hals und wunden Schleimhäuten wirkungsvoller. Honig sollte nicht über 40 Grad erhitzt werden, weil sonst antiinfektiös wirkende Enzyme weniger wirksam sind.


Mit Zitronen gegen Erkältungen

Vitamin C unterstützt die Immunabwehr, indem es gegen den oxidativen Stress einer Infektion schützt. Die internationale Organisation Cochrane hat Studien dazu publiziert. Fazit: Vitamin C kann Erkältungen nicht verhindern, aber verkürzen, wenn vorbeugend genügend Vitamin C eingenommen wird. Der Grundbedarf von 100 mg pro Tag kann mit zwei Kiwis oder zwei Orangen gedeckt werden.

In akuten Erkältungssituationen, bei beginnenden Beschwerden, während einer Erkältung oder um sich vor Ansteckung zu schützen, empfiehlt Dr. Marianne Ruoff, vorübergehend (2 bis 3 Wochen) 500 bis 1000 mg möglichst natürliches Vitamin C einzunehmen. Das natürliche Vitamin C aus Präparaten, die z.B. Hagebutten oder Acerola-Kirschen enthalten, verbleibt länger im Körper. Es wirkt so nachhaltiger als künstlich synthetisiertes.


Mehr als heisse Luft

Inhalationen mit ätherischen Ölen können Infekte vorbeugen und bei einem Infekt helfen, den Schleim zu verflüssigen und loszuwerden sowie Viren- und Bakterienmengen verringern. Man kann zweimal täglich ein bis zwei Tropfen ätherisches Öl in eine Schüssel mit heissem Wasser tropfen, darüber gebeugt die warmen Dämpfe zirka 10 Min. lang einatmen, mit einem Handtuch über Kopf und Schüssel.

Grundsätzlich sollten Schwangere nicht mit ätherischen Ölen inhalieren. Vorsicht bei Asthma, die Dämpfe können einen Asthmaanfall auslösen.

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