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Kolumne «Plötzlich Bauer» von Sebastian Hagenbuch: Was einen richtigen Bauern ausmacht

In seiner Kolumne «Plötzlich Bauer» erzählt Sebastian Hagenbuch monatlich von Alltäglichem und Aussergewöhnlichem aus seinem Leben als Junglandwirt. Immer ehrlich, nicht immer ganz ernst. Diesen Monat: Was einen richtigen Bauern ausmacht.


In der Landwirtschaft gibt es ein Phänomen, für das ich keinen Namen habe. Dafür aber ein fiktives Beispiel:

Bauer Müller und Bauer Kägi sind Nachbarn. Beide führen einen gemischten ÖLN-Betrieb, Milchvieh und dazu etwas Ackerbau. Müller entscheidet sich, nur noch Extenso-Getreide anzubauen und macht gute Erfahrungen damit. Zudem sät er noch eine Buntbrache und meldet zwei steilere Wiesen als Ökowiesen an. Müller ist überzeugt von seinem Konzept.

Anders Bauer Kägi. Der bleibt seiner intensiven Strategie treu und freut sich an Top-Erträgen. Für sein Milchvieh nutzt er auch unwegsame Wiesen intensiv mit jährlich fünf Schnitten. Die ökologischen Ausgleichsflächen reduziert er auf das Minimum. Kägi ist überzeugt von seiner Betriebsausrichtung.

Und nun zum Phänomen: Kägi kann nicht verstehen, wie Müller fuhrwerkt. Dass Müller extensiviert hat, stört ihn so sehr, wie wenn er selbst es auf seinem Betrieb hätte tun müssen. Gerne erwähnt er das feuchte Jahr, als Müllers Getreide von Pilzen befallen war und dieser nur noch 20 Dezitonnen dreschen konnte. Nein, so etwas kommt Kägi nicht auf den Hof.

Auf der anderen Seite Bauer Müller. Er sieht, wie Kägi Gülle zu den steileren Naturwiesen führt und das Heu mühsam zusammenkratzt. Ein Irrsinn, denkt Müller, der Kägi spinnt doch. Und wie der den Weizen verkürzt hat, das gibt doch kein Stroh mehr! Sowieso würde Kägi besser mal etwas für die Umwelt tun, als einfach nur Milch für einen schon überversorgten Markt produzieren …

Müller und Kägi sind natürlich erfundene Beispiele, auch wenn fast jeder Leser jemanden kennt, auf den die Beschreibung einigermassen zutrifft. Sobald ein Bauer ausschert, etwas anderes tut, mit etwas aufhört, etwas ändert – er wird zunächst einmal kritisch beäugt und nicht selten verurteilt. Teilweise lässt sich das mit der Angst vor Neuem erklären, verstehen kann ich es dennoch nicht.

Nehmen wir an, wir wären Schreiner und nicht Landwirte. Ich wäre einer von zwei Schreinern im Dorf, die auf Küchenbau spezialisiert sind. Aus marktwirtschaftlicher Sicht würde ich es auf jeden Fall begrüssen, wenn mein Nachbar sich neu orientiert und aus meinem Geschäftsmodell aussteigt. Ich würde ihm einen Znacht spendieren und wir wären beide zufrieden.

Anders in der Landwirtschaft. Dort ist man schnell ein Abweichler oder gar Abtrünniger. Kein «richtiger Bauer» mehr. Und vielleicht liegt hier das Problem.

Derzeit nehmen viele für sich in Anspruch zu wissen, wie «die Schweizer Landwirtschaft» aussehen müsste: Konsumenten, Verbände, Institutionen, Politiker, Journalisten, Initianten, Non-Profit Organisationen und nicht zuletzt Landwirte. Völlig undenkbar, dass sie so auch über das Schreinerei-Gewerbe bestimmen wollten.

Natürlich gibt es Gründe, weshalb von «der Schweizer Landwirtschaft» gesprochen werden muss. Es sind vor allem politische Gründe. Ich fände es aber schön, wenn wenigstens wir Landwirte untereinander Verständnis für die Vielfalt und Komplexität unserer Betriebe hätten. Und uns gegenseitig unsere Strategien verfolgen lassen, ohne gleich jede Neuausrichtung eines benachbarten Betriebes als persönlichen Angriff zu empfinden.

Die Vielfalt unserer Betriebe ist für mich etwas vom Faszinierendsten an der Schweizer Landwirtschaft. Und Besserwisser, die mit Pauschallösungen für die Schweiz daherkommen, gibt es bereits mehr als genug.

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