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Trinkschwäche: Für lebensschwache Kälber gibt es Ursachen


Lebensschwache Kälber zeigen nicht das übliche Verhalten. Vieles passiert bei der Geburt: Dieses zu früh geborene Kalb etwa wird mit Sauerstoff über eine Nasensonde versorgt. Bild: Vetsuisse-Fakultät, UZH Nutztierklinik, Ulrich Bleul

Lebensschwache Kälber zeigen nicht das übliche Verhalten. Vieles passiert bei der Geburt: Dieses zu früh geborene Kalb etwa wird mit Sauerstoff über eine Nasensonde versorgt. Bild: Vetsuisse-Fakultät, UZH Nutztierklinik, Ulrich Bleul

die grüne 10 / 2020

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Bei Trinkschwäche müssen Landwirte richtig reagieren, denn Kälber werden nicht einfach lebensschwach geboren. Durch gezielte Fragen lassen sich die möglichen Ursachen für lebensschwache Kälber eingrenzen.

 

Publikationsdatum: 01.10.2020 / 06:00 Uhr
Autor
Michael Götz

Kurz & bündig

  • Immer wieder kommen Kälber zur Welt, welche die Milch nicht aufnehmen wollen.
  • Die Ursachen sind nicht immer offensichtlich.
  • Durch gezieltes Fragen lassen sich die Ursachen einkreisen. Der Geburtsverlauf spielt eine wichtige Rolle.
  • Sterben öfters Kälber, sollte man eine Autopsie vornehmen.
  • Dem Kalb ins Maul schauen: Ein Gaumenspalt kann dem Kalb das Saugen verunmöglichen.
  • Kolostralmilch zur Not mit der Magensonde eingeben (drenchen).

Immer wieder kommen lebensschwache Kälber zur Welt, die nicht aufstehen wollen. Auch nach anderthalb Stunden saugen sie nicht am Euter oder am Nuggi.

«Lebensschwach ist eine sehr ungenaue Beschreibung», sagt Ulrich Bleul, Professor an der Nutztierklinik des Tierspitals in Zürich. «Es sagt eigentlich nur aus, dass die Kälber nicht das übliche Verhalten zeigen.»

Vieles passiert bei der Geburt des Kalbes

Bei der Ursachenforschung fragt der Tierarzt zuerst, wie die Geburt vor sich ging: War es eine Schwergeburt? Wie lange dauerte sie?

Bei einer Schwergeburt kann es zu einem Sauerstoffmangel und daraus resultierend zu einer Übersäuerung des Blutes, metabolische Azidose genannt, kommen.

Ähnlich geht es auch bei einer langen Geburt, da sich schon während des Geburtsvorganges der Mutterkuchen von der Gebärmutter ablöst und das Kalb nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgt wird.

Der Landwirt kann in solchen Fällen durch das Abreiben des Kalbes mit Stroh oder Handtüchern die Atmung und den Stoffwechsel anregen. Das hilft dem Kalb, die Azidose auszugleichen. In schweren Fällen lässt sich diese Übersäuerung nur vom Tierarzt durch eine Infusion von Bikarbonat behandeln.

Eine Schwergeburt kann schmerzhafte Muskelschäden bis hin zu Knochenbrüchen zur Folge haben. «Kein Wunder, will so ein Kalb nicht aufstehen und trinken», sagt Bleul.

Bei Frühgeburten sind oft die Organe nicht ausgereift. So kann es bei Kälbern, die nach einer Trächtigkeitsdauer von weniger als 275 Tagen geboren werden, zu einer nicht ausgereiften Lunge kommen.

Am Anfang geht noch alles gut, aber später merkt man, dass die Lunge noch nicht richtig funktioniert. Die Kälber zeigen zunehmend Atemnot, so dass es dem Kalb nicht möglich ist, aufzustehen und zu trinken. Solche Kälber brauchen eine intensive Behandlung mit Sauerstoff.

Die Ursachen für schwache Kälber sind vielfältig

Neben Frühgeburten und Geburtsverlauf gibt es noch eine Vielzahl anderer Faktoren, welche bewirken, dass Kälber sich nicht vital verhalten. Man spricht auch von trinkschwachen Kälbern. Der Experte für Geburtshilfe und neugeborene Kälber unterscheidet verschiedene Ursachenkomplexe:

1. Mangelerscheinungen: Auf Grund der Ernährung des Muttertieres sind diese nicht leicht festzustellen. Am ehesten kommt ein Mangel am Spurenelement Selen vor, da die meisten Böden in der Schweiz arm an Selen sind. Ein Selenmangel betrifft meistens nicht nur ein Kalb, sondern mehrere Kälber im Bestand oder sogar in der Region, in welcher die Böden wenig Selen enthalten. Der Erfahrungsaustausch unter Berufskollegen hilft Landwirten, die Ursache zu erkennen.

2. Infektionen: Dazu gehören Krankheitsübertragungen durch Bakterien, Viren oder Neosporen. Schwache Kälber kommen besonders in Betrieben vor, in denen noch das Virus der Bovinen Virusdiarrhoe BVD vorhanden ist. Hier helfen Blutuntersuchungen, um den Erreger zu finden.

3. Äussere Einflüsse: Muttertiere, die schon vor der Geburt in einem schlechten Ernährungszustand sind, oder solche, die Verletzungen oder Infektionen des Euters haben. Sie geben die Milch nicht gerne oder sie geben zu wenig Milch. Die Kälber werden nicht mit ausreichend Energie versorgt, so dass sie zu wenig Kraft haben, Kolostrum zu trinken. So entsteht ein Teufelskreis.

4. Missbildungen des Kalbes sind oft nicht immer ersichtlich, aber führen dazu, dass Organe nicht funktionieren. Ein Kalb mit Gaumenspalt zum Beispiel kann nicht richtig saugen. Gelingt es dem Kalb gar nicht, Milch aufzunehmen, ist eine Operation zum Verschliessen der Gaumenspalte notwendig. Kann das Kalb noch ausreichend Milch aufnehmen, sollte man es so früh wie möglich an Festfutter gewöhnen. Es kommt auch vor, dass Darmabschnitte nicht richtig ausgebildet sind. Wie beim Menschen gibt es auch bei neugeborenen Tieren Herzfehler. Wenn sich venöses Blut mit arteriellem Blut mischt, kann es zu einer Unterversorgung der Organe mit Sauerstoff und dadurch zu Atemnot kommen.

Fehler im Management: Eine Ursache der Trinkschwäche kann auch darin liegen, dass die Kälber keine oder wenig Kolostralmilch bekommen, oder sie zu spät erhalten.

Den neugeborenen Kälbern genügend Energie zuführen

Das Kalb sollte in den ersten sechs Lebensstunden mindestens drei Liter qualitativ hochwertige Kolostralmilch erhalten, um Folgeerkrankungen wie Nabelentzündungen oder Durchfall zu vermeiden.

Nimmt ein Kalb das Erstkolostrum in den ersten Lebensstunden nicht auf, ist nach entsprechender Ursachenforschung und möglicher Behandlung die Kolostralmilch mit einer Magensonde einzugeben. Dies stellt jedoch eine absolute Ausnahmesituation dar. Eine wiederholte Zwangstränkung der Kälber muss unbedingt vermieden werden.

Bei wiederholt zwangsgetränkten Kälbern kann sich sonst eine Pansenübersäuerung entwickeln, welche schwerwiegende Konsequenzen haben kann. In sehr seltenen Fällen kommt es auch vor, dass Kälber nicht aus dem Eimer trinken, sondern nur am Euter der Mutter saugen.

Neben der frühzeitigen Verabreichung des Kolostrums werde gerne vergessen, dass auch eine genügende Energiezufuhr für die immunologische Körperabwehr Voraussetzung ist, erinnert Bleul. Das Kalb sollte mindestens 12 Prozent des Körpergewichtes pro Tag an Milch aufnehmen, besser 15 Prozent. Bei einem 40 kg schweren Kalb sind dies 5 bis 6 Liter am Tag. Kälber, die wenig Milch aufnehmen, müsse man öfters am Tag tränken, empfiehlt Landwirtin und Tierärztin Nicole Mosimann von der Tierarztpraxis Spiegelberg in Halten SO. Am Besten stelle man dazu eine Flasche Milch in ein Wasserbad mit Tauchwärmer und füttere das Kalb zwischen der Hofarbeit.

Ursachen für schwache Kälber im Ausschlussverfahren suchen

Für den Landwirt ist es oft schwierig, die wirkliche Ursache zu finden, warum die Kälber nicht trinken wollen. Mancher bringe deshalb ein Kalb, das ihm besonders wertvoll ist, zur Untersuchung ins Tierspital, sagt Bleul.

Er empfiehlt, das Problem einzukreisen, indem man versucht, die Ursachen auszuschliessen, die nicht in Frage kommen. Am besten fange man mit der Geburt an. War es eine Schwergeburt? Kommt das Problem im Bestand gehäuft vor?

Wenn Kälber öfters sterben, sollte man in Zusammenarbeit mit dem Bestandestierarzt den Tierkörper pathologisch untersuchen lassen. Immer wieder werde behauptet, dass die Trinkschwäche rassen- und geschlechtsabhängig sei.

Wissenschaftliche Untersuchungen dazu gebe es kaum, erwähnt der Fachmann für Fortpflanzungsmedizin. Allerdings zeigten neuste Studien, dass in bestimmten Kuhfamilien mehr trinkschwache Kälber auftreten als in anderen.

Manchmal brauchen Kälber auch einfach Zeit, bis es bei ihnen «Klick macht», ist die Erfahrung des Kälberexperten. Es brauche «love, tender and care» (Liebe, Zuwendung und Pflege), wie die Engländer und Amerikaner empfehlen. In jedem Fall sei es nötig, die Kälber nach der Geburt trocken und warm aufzustellen und ihnen Energie zu zuführen, fasst Bleul das Wichtigste bei der Haltung neu geborener Kälber zusammen.

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL empfiehlt die Stimulation von Akupunkturpunkten, wenn bei einem Kalb die Atmung nicht gleich einsetzt oder das Kalb nicht saugen möchte.

Ursachenkomplexe für trinkschwache Kälber

  • Mangelerscheinungen
  • Infektionen
  • Äussere Einflüsse
  • Missbildungen
  • Fehler im Management

Dummy Calf Syndrom?

Bei lebensschwachen Fohlen gibt es das «Dummy Foal Syndrom». Im Deutschen spricht man von Fehlanpassungs-Syndrom. Die Fohlen zeigen ein abnormes Verhalten und keine Bindung zur Stute. Ein entsprechendes «Dummy Calf Syndrom» gibt es gemäss Bleul nicht. «Weak Calf Syndrom» oder «Kälberschwäche-Syndrom» scheint ein besserer Ausdruck für schwache Kälber zu sein, wenn die Ursachen nicht bekannt sind.

Akupunkturpunkte stimulieren

Wie beim Menschen sind auch beim Rind Akupunkturpunkte bekannt. Diese lassen sich mit dem Finger stimulieren. Da man sie gerne in Notfällen anwendet, spricht man auch von Notfallpunkten. Ein Reiben des Fingernagels auf dem Atempunkt in der Mitte der Nase kann die Atmung eines neugeborenen Kalbes stimulieren. Auch das Saugen lässt sich anregen, und zwar durch sanften Druck auf den Saugreflexpunkt. Dieser liegt an der Vertiefung, wo Unter- und Oberkiefer zusammenkommen.

Quelle: Erfolgreiches Rinderhandling. FiBL-Merkblatt Nr. 1658

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