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Zuckerrüben – Nach der Ernte wird es teuer

Der Rübentransport auf der Strasse verlagert sich immer mehr von den Landwirten zu Lohnunternehmern.

· Pflanzenbau
Zuckerrüben: Der Rübentransport auf der Strasse verlagert sich immer mehr von den Landwirten zu Lohnunternehmern.

Der Rübenanbau ist unter grossem Druck: Cercospora-Befall, schlechte Erträge, tiefere Preise. Das hat auch Auswirkungen auf den Transport. Ein Lohnunternehmer zeigt, wie die Rechnung beim Rübenführen dennoch aufgehen kann.

Die Drähte laufen heiss beim Rübenring: Die Kampagne 2018 hat begonnen, die ersten Rüben werden nach Aarberg geliefert. «Zu Beginn geht es immer hektisch zu und her», weiss Transport-Disponent Dominik Hänni. Das ist normal und wird sich legen. Viel grösser ist hingegen die langfristige Herausforderung: Wie wird der Schweizer Zucker gerettet, und welche Rolle spielt der Transport der Rüben dabei?

Die Preise für das Abführen der Rüben kannten in den letzten Jahren nur eine Richtung: Deutlich nach unten. Im Durchschnitt kostet der Rübentransport in der Schweiz 12.30 Franken pro Tonne – ein Vielfaches mehr als im benachbarten Deutschland.

Der Rübentransport in der Schweiz kostet ein Vielfaches mehr als im benachbarten Ausland

Der Grund liegt im gesamten Kostengefüge.: Die Maschinenkosten, der Sprit, das Personal: Alles teurer. In Deutschland sei es üblich, dass Lastwagen mit ausländischen Chauffeuren am Steuer die Rüben zur Fabrik fahren. In der Schweiz machen das in aller Regel immer noch die Landwirte und Lohnunternehmer mit ihren Traktoren. Ein Auslaufmodell? 

«Nein», sagt Hänni, und erklärt: «Zwar nehmen die Lastwagen-Transporte auch in der Schweiz zu, jedoch auf tiefem Niveau. Es sind nur einzelne Lohnunternehmer, welche diesen Service anbieten. Transporteure aus anderen Branchen scheuen das Geschäft – die Margen sind in der Landwirtschaft viel zu klein.»


Der Lastwagentransport ist gemäss einer Studie der Zuckerfabrik Aarberg erst bei Distanzen über 35 km interessant. Zudem müsste eine Autobahn-Zufahrt gewährleistet sein. Ansonsten gehe die Einsparung zulasten der LSVA gleich wieder verloren.


Und Hänni gibt zu bedenken: «Was nützt ein schneller Lastwagen, wenn die Hauptstrassen nach wie vor voll mit langsamen Traktoren sind, welche das Tempo vorgeben?» Zudem sind nicht alle Rübenhaufen an LKW-tauglichen Strassen angelegt.


Um das Problem der Verkehrs-Überlastung in der Region Aarberg während dem Rübentransport zu entschärfen, prüft Hänni Entlastungs-Möglichkeiten. «Ein Szenario wäre, die Transporte teilweise in der Nacht durchzuführen. Dafür müssten die Landwirte aber entsprechend entschädigt werden», so Hänni.


Ebenfalls wurde in den letzten fünf Jahren der Transport mit der Bahn zulasten des Strassen-Transportes ausgebaut. Das Verhältnis wechselte von 50 : 50 auf 40 : 60 – zugunsten der Bahn. Der Nachteil hierbei: Der Transport mit der Bahn ist teurer. 


Rübenführen wird zunehmend zur Lohnunternehmer-Arbeit, die billiger und schneller ist


Die Produzenten lassen ihre Rüben immer häufiger von Lohnunternehmern führen. Hier gab es eine enorme Professionalisierung in den letzten Jahren – nicht zuletzt aufgrund verstärkter Polizeikontrollen. Diese Professionalisierung ist durchaus erwünscht, weil sie für eine bessere Auslastung und damit tieferen Kosten der Anbieter sorgt. Und für mehr Verkehrssicherheit auf der Strasse.


Lohnunternehmer offerieren den Rübentransport häufig deutlich unter dem vom Rübenring vorgeschlagenen Richtpreis. Für Landwirte ist es so zusätzlich attraktiv, das Rübenführen einem Dritten zu überlassen: Die Marge zwischen Richtpreis und Lohnunternehmer-Tarif bleibt bei ihnen als Produzenten.


Weshalb aber offerieren die Lohnunternehmer zu konkurrenzlos günstigen Tarifen? Einer, der es wissen muss, ist Ueli Brauen aus Suberg. Er führt jährlich über 10 000 Tonnen Rüben und ist einer von denen, die teilweise deutlich unter dem Richtpreis offerieren. Seine Rechnung sieht anders aus: «Ich will ganz klar pro Stunde 100 Franken für das Gespann und den Mann haben», erklärt Brauen. Das erreiche er auch unter dem Richtpreis.


«Entscheidend ist es, die Kosten im Griff zu haben», verrät der Lohnunternehmer. Und das gehe primär über eine hohe Auslastung der Maschinen und eine ideal angepasste Mechanisierung.

Brauen führt die Rüben mit einem Lastwagen und drei weiteren Gespannen. Der Lastwagen ist auf 40 km/h eingelöst. Damit entfallen die LSVA und die Regelung mit den Ruhezeiten, zudem reicht für den Chauffeur ein normaler Autoausweis. «Der Lastwagen ist deutlich schneller als die Traktoren, insbesondere, wenn es bergauf geht», weiss Brauen.

Ebenfalls zu seiner Flotte gehört ein MB-Trac mit 22 000 Stunden auf dem Buckel. Dieser sei mit der Strassenbereifung perfekt für den Rübentransport. Ebenfalls zentral: Viel Motor-Power bei möglichst tiefem Gewicht, damit eine optimale Nutzlast erreicht werden kann.

 


Schwere Traktoren mit einem Leergewicht samt Anhängern von über 15 Tonnen sind aus Sicht von Brauen kaum konkurrenzfähig. Der Lohnunternehmer ist überzeugt, dass die Professionalisierung weitergeht. «Früher haben alle, die nahe der Fabrik Rüben angebaut haben, diese selber ins Werk gefahren», erinnert er sich. Heute hätten selbst diese Landwirte den Transport oftmals an die Profis abgetreten, die zu günstigeren Konditionen und mit leistungsstarker Mechanisierung fahren.


Einer, der seine Rüben nicht mehr selber zur Fabrik bringt, ist Landwirt Hans Gerber aus Bargen BE. Zwar baut er mit Flächenabtausch noch immer über 15 ha Rüben an, den Transport hat er aber an Ueli Brauen abgetreten.


Der Rübentransport ist dem Landwirt Hans Gerber zu stressig geworden


Ausschlaggebend dafür war nicht die fehlende Wirtschaftlichkeit, sondern «der zunehmende Verkehr und mein Alter», erklärt der 63-jährige Gerber. «Ich bin nicht eingerichtet, um die Rüben zu führen. Mit meinem kleinen 30 km/h-Traktor war ich ein Verkehrshindernis, das zu riskanten Überholmanövern führte.»


Lange hatte das Rübenführen für den Landwirt Tradition. Danach habe man sich mit Berufskollegen noch im Restaurant getroffen, erinnert sich Gerber. Doch diese Zeiten sind vorbei. «Heute ist es viel hektischer und eine industrielle Sache. Zusammen mit dem hohen Verkehrsaufkommen wurde diese ehemals schöne Arbeit zum Stress für mich», so Gerber.


Wie Landwirt Hans Gerber dürfte es künftig noch vielen Rübenproduzenten ergehen, ist Dominik Hänni vom Rübenring überzeugt. «Wir brauchen die Professionalisierung, um die Kosten zu senken. Und die Lohnunternehmer brauchen die Aufträge, um ihre Maschinen auszulasten.»

Ebenfalls zu seiner Flotte gehört ein MB-Trac mit 22 000 Stunden auf dem Buckel. Dieser sei mit der Strassenbereifung perfekt für den Rübentransport. Ebenfalls zentral: Viel Motor-Power bei möglichst tiefem Gewicht, damit eine optimale Nutzlast erreicht werden kann.


Schwere Traktoren mit einem Leergewicht samt Anhängern von über 15 Tonnen sind aus Sicht von Brauen kaum konkurrenzfähig. Der Lohnunternehmer ist überzeugt, dass die Professionalisierung weitergeht. «Früher haben alle, die nahe der Fabrik Rüben angebaut haben, diese selber ins Werk gefahren», erinnert er sich. Heute hätten selbst diese Landwirte den Transport oftmals an die Profis abgetreten, die zu günstigeren Konditionen und mit leistungsstarker Mechanisierung fahren.


Einer, der seine Rüben nicht mehr selber zur Fabrik bringt, ist Landwirt Hans Gerber aus Bargen BE. Zwar baut er mit Flächenabtausch noch immer über 15 ha Rüben an, den Transport hat er aber an Ueli Brauen abgetreten.


Der Rübentransport ist dem Landwirt Hans Gerber zu stressig geworden


Ausschlaggebend dafür war nicht die fehlende Wirtschaftlichkeit, sondern «der zunehmende Verkehr und mein Alter», erklärt der 63-jährige Gerber. «Ich bin nicht eingerichtet, um die Rüben zu führen. Mit meinem kleinen 30 km/h-Traktor war ich ein Verkehrshindernis, das zu riskanten Überholmanövern führte.»


Lange hatte das Rübenführen für den Landwirt Tradition. Danach habe man sich mit Berufskollegen noch im Restaurant getroffen, erinnert sich Gerber. Doch diese Zeiten sind vorbei. «Heute ist es viel hektischer und eine industrielle Sache. Zusammen mit dem hohen Verkehrsaufkommen wurde diese ehemals schöne Arbeit zum Stress für mich», so Gerber.


Wie Landwirt Hans Gerber dürfte es künftig noch vielen Rübenproduzenten ergehen, ist Dominik Hänni vom Rübenring überzeugt. «Wir brauchen die Professionalisierung, um die Kosten zu senken. Und die Lohnunternehmer brauchen die Aufträge, um ihre Maschinen auszulasten.»

Bericht im Dezember-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

Text: Sebastian Hagenbuch 

Bild: Pia Neuenschwander

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