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Züchter und Lehrmeister aus Überzeugung

Franz Burri bildet in Dagmersellen LU seit zehn Jahren Lehrlinge aus

· Tierhaltung
Ausbildung | Franz Burri bildet in Dagmersellen LU seit zehn Jahren Lehrlinge aus. Fabian Bader absolviert sein drittes Lehrjahr auf dem Mutterkuh-Betrieb. Ihn begeistert, dass die Familie Burri Limousin-Rinder züchtet.

Ausbildung | Franz Burri bildet in Dagmersellen LU seit zehn Jahren Lehrlinge aus. Fabian Bader absolviert sein drittes Lehrjahr auf dem Mutterkuh-Betrieb. Ihn begeistert, dass die Familie Burri Limousin-Rinder züchtet.

Lary lässt sich bitten. Fabian Bader ruft, Franz Burri ruft – erst als er das Futter rascheln hört, kommt der Limousin-Stier. In aller Ruhe lässt er sich das Halfter anlegen, Fabian Bader führt ihn zum Fototermin aus dem Stall. Dort wird das Tier plötzlich munter. Sehr munter sogar beim Anblick seiner «Frauen» auf der Weide. «Er will an die Arbeit», erklärt Franz Burri. Die Arbeit muss vorerst warten, Lary kehrt in den Stall zurück.Auf dem Hof in Dagmersellen LU wird gebaut, die Küche ist ausgelagert. Lehrmeister Franz Burri, seine Frau Anita und Lehrling Fabian Bader nehmen sich im Provisorium Zeit für «die grüne».
Burri ist mit Leib und Seele Limousin-Züchter. Fabian Bader ist bereits sein zehnter Lehrling. Bader ist im dritten Lehrjahr, den Winter über wird er in Schüpfheim die Schulbank drücken.

Burri bildet aus und nimmt als Experte auch Prüfungen der 2.- und 3.-Jahres-Lernenden ab. So freundlich und ruhig er im Gespräch ist: Bei den Prüfungen ist der 52-Jährige konsequent. «Wenn ein Lehrling den vorgegebenen Anforderungen nicht genügt, schlägt sich das in den Noten nieder.» Es gebe Lernende, die schlicht nicht für den Beruf geeignet seien. «Da müssen wir die Spreu vom Weizen trennen», stellt er klar.

Die Schnupperlehre dauert vier Tage, damit sich Lernende und Betriebsleiter kennenlernen

Seine Lernenden wählt Burri sorgfältig aus. Eine viertägige Schnupperlehre gehört dazu – danach sei klar, ob ein Interessent zur Familie Burri passe. Die Stellen auf seinem Hof sind begehrt: Franz Burri führt einen Mutterkuhbetrieb und züchtet.

Diese eher seltene Kombination ist reizvoll für Lernende. Abwechslungsweise beschäftigt er einen Lernenden im zweiten oder im dritten Lehrjahr. Die Plätze für die nächsten vier Jahre sind bereits besetzt.

Burri achtet darauf, dass seine Lernenden nicht aus der unmittelbaren Nähe kommen. «Ich will, dass sie ihr gewohntes Umfeld verlassen und sich abnabeln.» Und ganz entscheidend: der Umgang mit den Tieren. Burri merkt sofort, ob jemand das Flair hat, mit seinen Limousin-Rindern umzugehen. Wer zu ihm kommt, muss Tiere mögen: «Das ist hier definitiv kein Betrieb für einen Maschinen-Freund.»

Franz Burri teilt sein Wissen und seine Erfahrungen gern mit den Lernenden auf dem Hof

Franz Burri will seinen Lernenden seine Begeisterung weitergeben. Für ihn ist klar: «Das Geld kommt von den Tieren, nicht von den Maschinen. Die kosten nur viel Geld«, lacht er. Auch er selber lernt gerne: Mit Zeitschriften und Zeitungen bildet er sich laufend weiter, jedes Jahr an Kursen am Plantahof, aber auch auf Reisen. Im August war er in Ungarn, als Richter an einer Viehausstellung und aus Interesse. In all den Jahren als Züchter hat er sich ein grosses Netzwerk aufgebaut, das er gerne pflegt. Neben der Arbeit auf dem Hof arbeitet er zu rund 30 Prozent als Experte für Mutterkuh Schweiz.

Seine Lehrlinge lässt er von seinem Wissen und seiner Erfahrung profitieren: So begleitet ihn der Lehrling an diverse landwirtschaftliche Veranstaltungen. An den Vieh-Ausstellungen dürfen neben den Familienmitgliedern auch die Lehrlinge Tiere vorführen.

Und im Alltag im Stall und auf dem Hof fördert er die Lernenden. Er gibt ihnen Verantwortungen, geht aber auch den Schulstoff mit ihnen durch, wenn es nötig ist.

Das Zusammenleben ist eng. Gibt es da nicht ab und zu Streit? Burri und seine Frau schauen sich an, zucken mit den Schultern. «Wir sind sicher nicht immer einer Meinung innerhalb der Familie. Aber wir diskutieren miteinander und schreien einander nicht an», sagt Burri.

Und die Erwartungen an die Lehrlinge sind klar: Alle helfen und schätzen die Arbeit der anderen. Das gilt auch beim Auf- oder Abtischen, beim Abtrocknen und darin, dass fürs Essen gedankt wird.

Burri diskutiert gern. Als aktiver Turner ist er es gewohnt, auch am Stammtisch seinen Standpunkt zu vertreten. So sei er auch schon darauf angesprochen worden, dass Lehrlinge in der Landwirtschaft viel arbeiten, aber wenig Lohn bekommen. «Das stimmt so nicht», ist er überzeugt. Denn zum ausbezahlten Lohn komme Kost und Logis, was einen nicht zu unterschätzenden Betrag ausmache. Und natürlich arbeite er als Landwirt 55 Stunden und mehr pro Woche: «Dafür verbringe ich nicht jeden Tag zwei Stunden im Auto, um ins Büro zu fahren», rechnet er vor.

Die Ausbildung zum Landwirt hat sich stark verändert: «Heute haben die Lernenden deutlich mehr Freizeit, als ich es damals hatte», sagt Burri. Dem steht er etwas skeptisch gegenüber, denn im wahren Leben gebe es keine geregelten freien Tage. Dennoch liebt er seinen Beruf und findet, dass Arbeit und Freizeit fliessend ineinander übergehen.

Die Regelung mit den drei Lehrjahren findet Burri sinnvoll. Die Ansprüche an die jungen Menschen seien hoch – gerade, was das Schulische anbetreffe. Als Lehrmeister hat er stets Zugang zu den Noten und verfasst Bildungsberichte. Das hilft ihm, seine Lernenden zu unterstützen, wo es nötig ist.

Fabian Bader fühlt sich wohl, Motivationsprobleme hatte er noch nie. Natürlich gebe es Arbeiten, die er weniger gern erledige. «Aber daran überlege ich nicht herum.» Zu Hause in Mümliswil SO führen seine Eltern einen Betrieb mit Milchvieh- und Mutterkuh-Haltung. Deshalb wollte er während seiner Ausbildung unbedingt ein Jahr bei Franz Burri verbringen. 
 

Bericht im Oktober-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

Text: Dominique Eva Rast 

Bild: Ruben Sprich

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