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Swiss Future Farm: Daten sammeln im Kuh-Ohr

Die Swiss Future Farm sammelt mit Smartbow viele Daten über die Milchkühe.

· Smart Farming,Tierhaltung
Die Swiss Future Farm sammelt mit Smartbow viele Daten über die Milchkühe.

Im Stall der Swiss Future Farm wird eine Unmenge von Daten gesammelt. Christian Eggenberger und Martin Huber sind sich einig: Diese Daten sind wichtig. Nun braucht es ein System, das die Daten zusammenbringt – dann profitieren die Landwirte im Alltag.

Mit dem Smartphone prüft Christoph Bühler die Aktivität von Milchkuh Fabia. Nicht nur das Gerät des Leiters Milchvieh auf der Swiss Future Farm, auch die Smartphones seines ganzen Teams sind mit solchen Apps ausgerüstet.

Die Daten kommen von der Ohrmarke Smartbow. Jede der 65 Milchkühe trägt eine solche Ohrmarke. Sie ist zwei Quadratzentimeter gross und liegt unscheinbar über der TVD-Ohrmarke. Smartbow erfasst das Wiederkau-Verhalten und die Aktivität jeder einzelnen Kuh und ortet diese.

Ist die Wiederkau-Tätigkeit von Kuh Fabia zu gering, stimmt möglicherweise etwas mit dem Magen oder der Verdauung nicht. Bewegt sie sich mehr als üblich, ist sie möglicherweise brünstig. Auch weiss der Betriebsleiter ziemlich genau, wann Fabia abkalben wird. «Ziemlich praktisch – aber noch zu ungenau für die Praxis», gibt Christian Eggenberger, Leiter des Versuchsbetriebes, zu bedenken.

Agroscope, der Forschungspartner auf der Swiss Future Farm, forscht deshalb intensiv mit Smartbow. Mit neuen Algorithmen soll in Zukunft eine noch genauere Auswertung möglich sein. Algorithmen sind eine standardisierte Vorgehensweise, um Probleme zu lösen. Sie kommen besonders in der Informatik zur Anwendung. Eggenberger erklärt: «Sobald die Daten von Smartbow mit den Milch-Daten zusammengebracht werden können, lässt sich schneller sehr viel mehr über den Gesundheitszustand des einzelnen Tieres aussagen».

«Mit den richtigen Schnittstellen für die Daten wären wir einen grossen Schritt weiter»

Neben Smartbow erfassen weitere Systeme im Stall riesige Datenmengen: Melksysteme, Sensoren im Futterbau und Herdemanagement-Systeme. Auch Zuchtverbände und Samenanbieter wie Swissgenetics erfassen Daten.

Swissgenetics bietet zum Beispiel das SmartCow-System an. In diesem steckt die ganze züchterische Vergangenheit eines Tieres.

«Im Moment erfassen viele einzelne Systeme Daten – eine Schnittstelle für all diese Daten fehlt», so Eggenberger. «Könnte man die ganzen Prognose- und Herden-Daten in einem einzigen System zusammenfassen, hätte der Landwirt eine umfassende Basis als Entscheidungshilfe.»

Prognose- und Früherkennungs-Systeme werden in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen

«Vom Gras zur Milch» ist ein weiterer Entwicklungsbereich der SFF. Verschiedene Analysemethoden und Sensoren erfassen die Gehalte der Silage oder des Heus und zeichnen diese auf.

«Wir können die gesamte Futterlinie zurückverfolgen», so Eggenberger. «In Zukunft geht es darum, die Futterlinie mit den Milch-Daten zu kombinieren. So können wir Rückschlüsse auf das gesamte Fütterungsmanagement, aber auch auf den Futterbau machen und diese verbessern.»

Genauere Werte werden in Zukunft eine immer bessere Entscheidungsgrundlage liefern. «Die gesammelten Daten sind einerseits praktisch hilfreich, andererseits beruhigen sie das Gewissen», so Martin Huber. Der Leiter des BBZ Arenenberg schliesst daraus: «Auch wenn der Betriebsleiter einmal weg ist, kann er nachvollziehen und interpretieren, was auf dem Betrieb läuft.»

«Die Antibiotika- und Medikamenten-Thematik in der Tierhaltung verlangt ebenfalls nach besseren Prognosen und schnellerem Handeln. Die Sensor-Technik wird in diesem Bereich eine wichtige Rolle spielen», prognostiziert Eggenberger. 

Im Ausland ist Smart Farming in der Tierhaltung weiter verbreitet als in der Schweiz. Eggenberger führt dies auf die Betriebsstrukturen mit grossen Flächen und hohen Tierbeständen zurück. «Für die Schweiz ist digitales Datenmanagement interessant, weil die Kosten für die Arbeitskräfte höher sind als im Ausland.»

Die Anforderung an die Rückverfolgbarkeit wird in Zukunft zunehmen

Martin Huber und Christian Eggenberger sind sich einig, dass Abnehmer in Zukunft sehr klare und strenge Vorstellungen haben werden, was die Rückverfolgbarkeit von Milch anbelangt.

Eggenberger erwähnt die gesammelten Daten: «Die Abläufe werden für den Landwirten wesentlich einfacher, wenn es eine geeignete Schnittstelle gibt. Das Hervorsuchen einzelner Nachweise, wie es heute der Fall ist, könnte damit schon bald der Vergangenheit angehören».

Milchkuh Fabia frisst weiterhin genüsslich. Wenn sie wüsste, dass jede Bewegung ihres Kiefers aufgezeichnet wird? Bis auf das zusätzliche Ohrenloch, welches ihr für die Smartbow-Marke gestochen wurde, kümmert sie das Drumherum herzlich wenig.


Christian Eggenberger jedenfalls ist zufrieden. Er und seine Mitarbeiter werden durch die App benachrichtigt, sollte sich der Zustand von Fabia verändern. Er macht aber auch klar: «Die persönliche Kontrolle der Kühe im Stall bleibt wichtig.»

Bericht im Oktober-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

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