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Swiss Future Farm:

Precision Farming – «Wir machen Fehler für die Bauern»

Die Swiss Future Farm in Tänikon TG erarbeitet einen Umstellungsplan für Precision Farming.

· Smart Farming,Pflanzenbau,Landtechnik
Die Swiss Future Farm in Tänikon TG erarbeitet einen Umstellungsplan für Precision Farming.

Ein Versuch zeigte: Ein herkömmlich bestelltes Feld schneidet im Vergleich zum Einsatz modernster Technologien (noch) wirtschaftlich besser ab. Weshalb die Zukunft dennoch digital sei, erklären Mitarbeiter der Swiss Future Farm.

Das Versuchsergebnis ist auf den ersten Blick ernüchternd für eine Institution, die sich der Erforschung und Anwendung neuester Technologien in der Landwirtschaft verschrieben hat.

Auf der Swiss Future Farm (SFF) in Tänikon wurden zwei Felder mit Winterweizen verglichen: Das eine bestellte man «herkömmlich», das andere mit GPS.

Das Fazit: Beim Verfahren mit Precision Farming konnten zwar 3,78 Prozent der Fläche zusätzlich ausgenutzt und der Dieselverbrauch aufgrund von Beet-Bearbeitung gesenkt werden. Trotzdem schnitt das Verfahren in wirtschaftlicher Sicht schlechter ab. Der Grund: Die höheren Maschinenkosten auf der 4 ha grossen Parzelle. 

Florian Abt, Projektmanager bei der Swiss Future Farm und Vertreter des BBZ Arenenberg, sucht nach Erklärungen: «Studien aus Österreich zeigen, dass GPS und Section Control ab einer Fläche von rund 75 Hektaren wirtschaftlich sind. Bei uns in der Schweiz sind die Flächen also für ein zelne Betriebe oft zu klein, um Skaleneffekte zu erzielen, die sich im Portemonnaie auszahlen», so Abt. Anders sehe die Situation bei den Lohnunternehmern und dem überbetrieblichen Maschineneinsatz aus.

Es gebe aber noch andere Kriterien die darüber entscheiden, ob moderne Technologien im Pflanzenbau eingesetzt werden oder nicht.

 

«Ganz wichtig ist der Faktor Mensch», weiss Nils Zehner, der den Agrartechnik-Konzern AGCO auf der SFF vertritt. Er ist überzeugt: «Die junge Generation hat eine viel höhere Affinität für Elektronik auf dem Traktor.» Letztlich sei es nicht bloss eine wirtschaftliche Frage, sondern auch eine Frage der Präferenz. «GPS bietet dem Fahrer einen Komfort, wodurch die Arbeitsbelastung abnimmt», so Zehner.

Es gebe aber noch andere Kriterien die darüber entscheiden, ob moderne Technologien im Pflanzenbau eingesetzt werden oder nicht.

«Ganz wichtig ist der Faktor Mensch», weiss Nils Zehner, der den Agrartechnik-Konzern AGCO auf der SFF vertritt. Er ist überzeugt: «Die junge Generation hat eine viel höhere Affinität für Elektronik auf dem Traktor.» Letztlich sei es nicht bloss eine wirtschaftliche Frage, sondern auch eine Frage der Präferenz. «GPS bietet dem Fahrer einen Komfort, wodurch die Arbeitsbelastung abnimmt», so Zehner.

Die Berater sind von Anfang an dabei, wenn neue Technologien zum Standard werden

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist gemäss Abt ein anderer Punkt: «Schon bald könnten GPS und Section Control bei allen neuen Traktoren zum Standard gehören. Wenn moderne Landtechnik nur noch mit diesen Tools erhältlich ist, so ist es zwingend notwendig, sich damit auseinanderzusetzen.»

Ebenfalls gibt es Anbauverfahren, die ein GPS verlangen. «Wenn man beispielsweise bei Zuckerrüben ein kameragesteuertes Hackgerät einsetzt, muss die Saat zwingend mit GPS erfolgt sein», erklärt Abt.

Ein weiterer Vorteil durch den Einsatz modernster Technik auf der SFF liegt im Bereich der Beratung. Florian Abt vom Arenenberg: «Unsere Berater haben die Chance vorne dabei sein, um die Landwirte weiterhin unterstützen zu können.

Abt und Zehner erarbeiten auf der SFF einen Umstellungsplan für Precision Farming

Darum sammelt das Team der Swiss Future Farm bereits seit einem Jahr Erfahrungen beim praktischen Einsatz modernster Technologien. Getestet wurden unter anderem ein kameragesteuertes Hackgerät, Drescher mit Ertragskartierung und eine selbst zusammengebaute Sämaschine (siehe Artikel auf Seite 13). Eines der Ziele des Teams ist es, einen Umstellungsplan für Precision Farming zu erstellen, den interessierte Landwirte dann für ihren Betrieb anwenden können.

«Es wäre schön, wenn nicht alle Landwirte dieselben Anfängerfehler machen müssten wie wir», schmunzelt Abt. Und fügt an: «Schliesslich gibt es auch für die Umstellung auf Bio-Landbau Checklisten und Hilfsmittel. Beim Precision Farming fehlt das bisher.»

Als Anfängerfehler nennt Abt, dass zu Beginn jede einzelne Fläche präzis erfasst werden muss. «Das Satellitenbild allein ist zu ungenau. Ohne genaue Erfassung riskiert man, dass die Pflanzenschutz-Spritze plötzlich einen angrenzenden Hydranten oder Zaun touchiert», mahnt der Projektmanager.

Ist eine Technik, die nicht ohne weiteres einfach eingesetzt werden kann, wirklich ein Fortschritt für die Landwirte? Nils Zehner bejaht diese Frage mit Nachdruck: «Wenn etwas Neues auf dem Betrieb zum Einsatz kommt, müssen immer erste Erfahrungen damit gesammelt werden. Das ist normal und gehört dazu. Precision Farming wird bei einer Neuanschaffung wohl nie so sein, dass man einfach auf den Traktor sitzt und alles funktioniert einwandfrei.»

Bericht im Oktober-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

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