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Swiss Future Farm: «Wir operieren nicht auf Wolke 7»

Martin Huber, einer Hauptverantwortlichen der SFF im exklusiven Interview bei «die grüne»

· Smart Farming,Pflanzenbau,Landtechnik,Tierhaltung

Martin Huber, Leiter des BBZ Arenenberg, ist einer der Hauptverantwortlichen der frisch eröffneten Swiss Future Farm SFF. Im Interview erklärt er, welche Schwerpunkte die Swiss Future Farm setzt und wieso Digitalisierung alle Landwirte betrifft.

Martin Huber, was ist die grösste Stärke der Swiss Future Farm?

Die Nähe zwischen Forschung, Beratung und Ausbildung ist ideal, damit neue Erkenntnisse rasch den Weg in die Praxis finden. So können Praxiswünsche schnell und kompetent aufgenommen werden.

Dank der Kooperation mit den privaten Firmen zur Swiss Future Farm sind wir betreffend Technik für Smart Farming besonders aktuell.


Wie fanden Sie mit den privaten Partnern zusammen?

Die GVS Agrar sah auf unserem Versuchsbetrieb Potenzial, neueste Landtechnik- und Smart-Farming-Technologien in der Praxis anzuwenden und kam entsprechend auf uns zu. Innerhalb eines halben Jahres wurde die Kooperation zur Swiss Future Farm realisiert und im Herbst 2017 starteten wir mit den ersten Arbeiten.

Die Partner der Swiss Future Farm haben nicht alle dieselben Ansprüche und in allen Belangen die gleichen Vorstellungen.


Aber in der Summe ergänzen wir uns. Beispielsweise haben die GVS und AGCO im Bereich der Tierhaltung keine Erwartungen. In diesem Bereich betreibt Agroscope umfassende Forschungsarbeit.


Welches sind die Schwerpunkte der Swiss Future Farm?

Wir experimentieren nur an Themen, welche dem Landwirt jetzt schon oder in Zukunft einen Nutzen bringen. Die vielen Daten, die hier erhoben werden, sollen dem Landwirt die Betriebsführung erleichtern. Wie dies am einfachsten geht, wollen wir hier testen und auswerten.


Der Schwerpunkt liegt aktuell auf «Precision Farming». Das ist präzises Arbeiten mit digitalen Hilfsmitteln. Dies ist aber nur ein Schwerpunkt der Swiss Future Farm. Sobald wir für diese Fragestellungen eine Lösung gefunden haben, kommt etwas anderes. 


Ein weiterer Schwerpunkt ist die Kombination von Forschung und Beratung. Für eine nachhaltige Landwirtschaft müssen Digitalisierung und Agronomie zusammengebracht werden. Nur so erreichen wir unser Ziel, für landwirtschaftliche Probleme verständliche, verbindliche, nützliche, verlässliche und praktische Lösungen zu finden.


Wo sehen Sie die Herausforderungen in der Digitalisierung?

Zurzeit erheben Einzel-Lösungen eine grosse Menge Daten. Sei es die Nährstoff-Sensoren im Pflanzenbau, die Bodenruck-Sensoren in der Landtechnik oder die Milchdaten aus dem Melkstand, um nur einige wenige zu nennen.

Einfache und praktikable Lösungen sind noch nicht vorhanden. Für ein umfassendes Gesamtbild ist auch in der Swiss Future Farm das Farm Management Information System (FMIS) noch nicht vollständig. Unser Ziel sind nicht Insel-Lösungen, sondern der Verbund.


Die Swiss Future Farm hat 81 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. Wo ist da die Vergleichbarkeit zur landwirtschaftlichen Praxis?

Die Swiss Future Farm ist ein ganz normaler Betrieb mit Milch- und Schweineproduktion, Futter- und Ackerbau. Der Unterschied liegt in der Erfahrung mit digitalem Daten-Management, unabhängig von der Betriebsgrösse und der Ausrichtung. 


Die Voraussetzung, um Smart Farming anzuwenden, ist vor allem das Interesse des Landwirts. Über kurz oder lang wird aber kein Landwirt mehr darum herumkommen, sich mit Smart Farming zu befassen, wenn er seinen Betrieb weiter entwickeln und investieren will.

Für welche Betriebe forscht die Swiss Future Farm?

Alle Landwirtschaftsbetriebe nehmen an der Digitalisierung teil. Es gibt aber Unterschiede, wie intensiv die Nutzung ist. Einige beschränken sich auf ein Minimum und andere sind interessiert, möglichst viele Betriebsdaten zu erfassen und diese für die Betriebsführung einzusetzen. Mit der SFF wollen wir zeigen, wie man die Technik wirkungsvoll anwenden kann, ohne dass jeder Betrieb selber pröbeln muss.


Dazu gehört beispielsweise die Erfassung der Arbeitszeit von Mitarbeitern. Ein digitales Arbeitszeit-Erfassungssystem hat für uns eine hohe Priorität. Einzelne Gemüsebau-Betriebe arbeiten bereits mit solchen Programmen. Andere sind froh, dass sie es sich anschauen können und erklärt bekommen. Das betrifft auch mittlere oder kleine Betriebe mit einem Mitarbeiter.


Haben junge Berufsleute einen einfacheren Zugang zu Smart Farming?

Angehende Landwirte werden von verschiedenen Seiten mit Smart Farming konfrontiert: sei es auf dem elterlichen Betrieb, auf dem Lehrbetrieb oder in der Schule. Wir beobachten, dass jeder mit dem Smartphone telefonieren und chatten kann. Aber es ist nicht jedermanns Sache, mit einer App Entscheidungen für den Betrieb abzuleiten. Ein grosses Interesse ist die beste Voraussetzung für den Einsatz von Smart Farming auf dem Betrieb.

Wie funktioniert die Kommunikation von der SFF zum Landwirt?

Die Kommunikation und das Gewährleisten des Wissens-Transfers ist seit jeher das Kerngeschäft des BBZ Arenenberg. Der Lernbedarf über nachhaltige Landwirtschaft und Digitalisierung ist enorm hoch. Alle Erkenntnisse, die auf der Swiss Future Farm gewonnen werden, nutzen wir am BBZ in der Beratung und sie fliessen zum Teil in den Unterricht ein. 
Das Verfassen von Fachartikeln ist ein weiterer Bereich. Nicht zu unterschätzen sind natürlich die Landwirte selbst – sie sind grosse Multiplikatoren.

Wie sieht ein landwirtschaftlicher Betrieb in 20 Jahren aus?

Wenn ein unternehmerischer Landwirt, ob klein, mittel oder gross in Zukunft Bestand haben will, ist er in der einen oder andern Form Anwender unserer Lösungen. Er kommt nicht darum herum, sich mit der Digitalisierung zu befassen.

Interview im Oktober-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

Hier finden Sie drei weitere Geschichten zur Swiss Future Farm:

Swiss Future Farm Pflanzenbau: Precision Farming – «Wir machen Fehler für die Bauern»

Swiss Future Farm Landtechnik: Einzelkornsaat bei Getreide

Swiss Future Farm Tierhaltung: Daten sammeln im Kuh-Ohr

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