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Swiss Future Farm: Einzelkornsaat bei Getreide

Die Swiss Future Farm testet die Vereinzelungstechnik der neuen Sämaschine Express 3KR von Horsch auf ihre Praxistauglichkeit.

· Smart Farming,Landtechnik,Pflanzenbau
Die Sämaschine Express 3KR von Horsch vereinzelt Getreidekörner und legt jedes Saatkorn einzeln ab. Die Maschine platziert jedes Korn mit einem exakten Abstand in der Reihe. Was bringt die bessere Pflanzenverteilung? Das testet die Swiss Future Farm.

Die Sämaschine Express 3KR von Horsch vereinzelt Getreidekörner und legt jedes Saatkorn einzeln ab. Die Maschine platziert jedes Korn mit einem exakten Abstand in der Reihe. Was bringt die bessere Pflanzenverteilung? Das testet die Swiss Future Farm.

Mit einer Vereinzelungseinheit namens Singularsystem auf jedem Säschar legt die neue Horsch-Sämaschine jedes Saatkorn in gleichmässigem Abstand einzeln in den Boden. Dies ist neu bei der Getreidesaat.

Normalerweise wird das Getreidesaatgut in ein Särohr dosiert und rieselt von dort ohne Vereinzelung in den Säschar.

«Mit der neuen Entwicklung wird das Saatgut gleichmässiger verteilt. Jede Pflanze hat mehr Platz für ihr Wachstum. Dank der optimalen Standraum-Nutzung bestockt das Getreide stärker und kann kräftiger wachsen», sagt Reto Maugweiler von der Agrar Landtechnik AG. Die Firma in Balterswil TG importiert und vertreibt die Maschine in der Schweiz.

Kräftige Pflanzen sind gesünder als schwache Pflanzen und sie benötigen weniger Pflanzenschutzmittel. Die Theorie besagt, dass mit der neuen Technik die pflanzenbaulichen Voraussetzungen für diesen Effekt gegeben sind.

Daher sollten auch Pflanzenschutzstrategien neu überlegt und gestaltet werden, insbesondere Fungizid Behandlungen oder Wachstumsreglereinsätze, weil die Pflanzen robust gedeihen und der Krankheitsdruck geringer ist.

Auch die Bestandes-Durchlüftung wird durch die geringere Saatmenge verbessert. Das hat ebenfalls eine positive Auswirkung auf den Krankheitsdruck.

Mit der Vereinzelungstechnik braucht es weniger Saatgut und der Konkurrenzdruck sinkt


Die Vereinzelungstechnik verteilt die Saatmenge im gewünschten Abstand. Daher entstehen für die Pflanzen gleichmässige Entwicklungsräume.

 

Der Konkurrenzdruck im Bestand und der damit verbundene Ertragsverlust wird stark verringert. Die verbesserte Pflanzenverteilung optimiert den Zugang zu den Ressourcen (Nährstoffe, Wasser, Licht) und ermöglicht ein stabileres Pflanzenwachstum.

Die Voraussetzungen für einen regelmässigen Aufwuchs sind so vorhanden und der Bestand reagiert besser auf Stresssituationen (Trockenstress, Nährstoffmangel oder Kälte).

In der Praxis ist bei Weizen zu beobachten, dass neben der stärkeren Bestockung auch sekundäre Triebe Wurzeln bilden und somit der Bestand eine gleichmässige Ährenbildung hat.

Ein interessanter Nebeneffekt ist, dass die Saatmenge dadurch reduziert werden kann, wohlgemerkt in Abhängigkeit vom Aussaattermin und von der Witterung. «Bei einem sehr frühen Aussaattermin und unter guten Saatbedingungen kann die Menge sogar halbiert werden», sagt Maugweiler. Dies allein bringt einen wirtschaftlichen Vorteil. Je mehr Flächen gesät werden, desto höher wird der finanzielle Vorteil durch das eingesparte Saatgut. 

Die Vereinzelung bringt höhere Ertragsstabilität und braucht weniger Produktionsmittel

Da in der Schweiz die Strukturen eher klein sind, ist der direkte monetäre Nutzen durch eingespartes Saatgut zweitrangig. Der wirkliche Mehrwert entsteht durch die höhere Ertragsstabilität und durch das Produktionsmittel-Einsparpotenzial. Das ist mit einem ökologischen Nutzen verbunden.

Ein «Aber» gibt es: Um die Einzelkornsaat durchführen zu können muss neben einem perfekten Saatbett auch Saatgut mit perfekter Keimfähigkeit und mit genauer Kalibrierung genutzt werden, um ein hohes Mass an Genauigkeit zu erreichen.

 

Es gibt auch noch offene Fragen: Wie stark kann die Saatmenge tatsächlich reduziert werden? Wie können Landwirte die Bestockung fördern? Dies hängt auch mit der Düngestrategie zusammen. Auch bei der Umsetzung braucht es noch Forschung.

 

Mit der Vereinzelungsscheibe bietet Horsch neue Verfahrensmöglichkeiten im Pflanzenbau. Diese Entwicklung ist bedeutender als der Entscheid, ob ein Traktor über ein Stufenlos- oder Lastschalt-Getriebe verfügt.

 

Die Swiss Future Farm prüft das Zusammenspiel von Technik und Pflanzenbau in Versuchen

 

Mit solchen neuen Verfahren befassen sich die Mitarbeitenden der Swiss Future Farm (SFF). In ihren Anbauversuchen suchen sie Antworten auf die offenen Fragen.

 

Deshalb haben die Mitarbeiter der SFF vor einigen Wochen mit der Express 3KR-Sämaschine von Horsch Wintergetreide angesät um den Feldaufgang an der Eröffnung der SFF zu zeigen. Dies ist derzeit auf den Parzellen gut erkennbar, da die Pflanzen besonders regelmässig auf dem gesamten Standraum verteilt sind. 

 

In einem Dosiergehäuse wird eine Dosierscheibe durch den Luftstrom der Pneumatik angetrieben. Diese vereinzelt die Körner im runden Gehäuse und befördert sie anschliessend durch das Fallrohr zum Säschar, wo sie von einer Fangrolle im Boden aufgefangen werden.


Die gewünschte Saatmenge wird durch die Drehzahl der Dosierscheiben geregelt. Dazu verfügt jeder Dosierer über einen kleinen Elektromotor zur Drehzahl-Anpassung. Sie liegt zwischen 1000 und 2000 U/min und passt sich der Aussaatstärke und der Fahrgeschwindigkeit an, die mit einem Radarsensor an der Maschine ermittelt wird.

An den Dosierscheiben werden Laschen eingeschoben. Diese fassen ein Saatkorn und übergeben es dem Saatrohr. Die Laschen sind austauschbar. Sie müssen zur Grösse des Saatkorns passen. Deshalb muss für eine einwandfreie Funktion das Saatgut kalibriert sein. Dieses muss vorgängig gesiebt werden. Über die Verfügbarkeit von solchem Saatgut muss man sich vorgängig beim Lieferanten informieren. Dabei müssen die Saatkörner weder besonders gross noch besonders klein sein – bloss einheitlich.

Beim Einstellen der Sämaschine wird die Grösse der gesiebten Saatkörner mit einer Schüttelbox ermittelt, daraus ergibt sich die Laschengrösse.

«Ab einer Saatstärke von über 250 Pflanzen pro Quadratmeter nimmt der Effekt der Vereinzelung immer mehr ab. In einem solchen Fall kann der Säschlauch vom Verteilkopf direkt mit dem Säschar verbunden werden. Das Dosiersystem wird so umgangen», sagt Maugweiler. So lässt sich auch ungesiebtes Saatgut ausbringen.


In Tänikon treffen Mechanik, Digitalisierung und Pflanzenbau aufeinander

 

Die Einzelkornsaat der Horsch Express 3KR hat auf den ersten Blick nichts mit Smart Farming zu tun. Die Vereinzelung erfolgt mechanisch und benötigt keine digitalen Daten.

Auf der SFF ist die neue Technik dennoch gut aufgehoben. Es liegt nun am Forschungsbetrieb, das Potenzial auszutesten und die Anwendungsmöglichkeiten für die Praxis zu definieren.

So ist etwa bis jetzt noch keine klare Strategie definiert, wie Landwirte die Saatmenge auf einer Parzelle anhand einer Aussaatkarte verändern sollen. Soll dort, wo der Ertrag hoch war, mehr oder weniger gesät werden? Und wie soll der Dünger auf solche Teilflächen verteilt werden? Die Herausforderungen sind gross und die zusätzliche Möglichkeit, die Saatmenge mit Einzelkornsaat zu reduzieren, erweitert das Testfeld noch stärker.

Hier kommt es auf das Zusammenspiel von Landtechnik, digitaler Daten und Pflanzenbau an. Das passende Spielsystem muss noch ermittelt werden. Danach muss es jeder Betrieb auf den eigenen Betrieb auslegen.

Die Erfahrungen der SFF werden die Landwirte in den kommenden Jahren hoffentlich vor Anfängerfehlern bewahren.

Bericht im Oktober-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

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