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StandPunkt: Lohnt es sich, Produkte mit Mikroorganismen zu kaufen?

StandPunkt von Marcel van der Heijden, Forschungsgruppenleiter Pflanzen-Boden-Interaktionen, Agroscope, und Professor für Agrarökologie und Pflanzen-Mikrobiom-Interaktionen, Universität Zürich

· Pflanzenbau
StandPunkt von Marcel van der Heijden zum Thema Mikroorganismen.

Mikroorganismen spielen eine Schlüsselrolle in der Landwirtschaft. Mikroorganismen (dazu gehören Bakterien und Pilze) liefern Nährstoffe an die Pflanzen, bauen organisches Material ab und einige Mikroorganismen verursachen Krankheiten, die zu grossen Ertragsverlusten führen können (z. B. Phytophthora). Die meisten Mikroorganismen sind nicht schädlich und einige sind sehr nützlich für die Pflanzen. Für die landwirtschaftliche Produktion sind die stickstofffixierenden Bakterien, welche mit Leguminosen eine Symbiose bilden, wahrscheinlich am bedeutendsten und bekanntesten. Stickstofffixierende Bakterien setzen Stickstoff aus der Luft in Ammonium um, welches dann von den Pflanzen aufgenommen werden kann. In einer zweijährigen Kunstwiese mit einem hohen Kleeanteil können diese Bakterien bis zu 400 kg Stickstoff pro Hektare fixieren. Zum Vergleich: Um 400 kg synthetischen Stickstoff zu produzieren, braucht es gleich viel Energie, wie in circa 800 Liter Benzin enthalten ist. Damit fährt man von der Schweiz nach New Delhi in Indien. Die Förderung von nützlichen Mikroben hat deshalb ein grosses Potenzial. 

Die Nützlinge im Boden fördern

Es gibt immer mehr Menschen, die Interesse haben, nützliche Mikroorganismen aktiv zu nutzen und zu fördern. Landwirte und Gärtner haben zwei Möglichkeiten: Eine indirekte Förderung der bereits im Boden lebenden Nützlinge zum Beispiel mittels spezifischer Anbaumethoden (Fruchtfolge, biologische Landwirtschaft, reduzierte Bodenbearbeitung, Einsatz von Gründünger) oder eine direkte Förderung mittels Einbringen der Nützlinge in den Boden.

Der indirekte Weg hat sich schon bewährt. Man weiss, zum Beispiel, dass die biologische Landwirtschaft oder auch der Anbau einer Kunstwiese sich positiv auf das Bodenleben oder verschiedene Nützlinge auswirkt. Der direkte Weg, das Einbringen von nützlichen Mikroorganismen hat Potenzial, ist jedoch noch ungenügend untersucht.

Es gibt schon eine ganze Palette von Produkten, welche auf dem Markt angeboten werden. Dazu gehören Mikroorganismen, die für die biologische Krankheitsbekämpfung eingesetzt werden können (z. B. Trichoderma) oder Mykorrhiza-Pilze, die Pflanzen helfen, Nährstoffe aufzunehmen, sowie sogenannte Effektive Mikroorganismen.

«Cowboy Markt» für Mikroorganismen

Immer wieder fragen Bauern und Gärtner, ob es sich lohnt, solche Produkte zu kaufen. Eine gute Antwort zu geben ist schwierig, da viele Produkte kaum erforscht und getestet sind. Der Markt für nützliche Mikroorganismen ist vergleichbar mit einem «Cowboy Markt» in Wilden Westen. Es gibt gute Produkte, aber auch schlechte Produkte.

Im Moment testen wir zum Beispiel 15 unterschiedliche Mykorrhiza-Pilz-Produkte von kommerziellen Anbietern. Diese Produkte sind schon auf dem Markt. In einem Produkt fanden wir gar keine Mykorrhiza-Pilze, und dies, obwohl es sich um ein spezifisches Mykorrhiza-Pilze-Produkt handelte.

Verschiedene Anbieter haben auch grosse Menge Mineraldünger ihrem Produkt beigemischt. Die wahrgenommenen Effekte sind wahrscheinlich dem Mineraldünger zuzuschreiben.

Vor ein paar Jahren haben Kollegen in Feldexperimenten die Auswirkungen von sogenannte Effektiven Mikroorganismen (Twin N) untersucht. Es wurden keine Effekte festgestellt.


Oft sind die Mikroorganismen auch gar nicht an die Bedingungen im Feld angepasst. Oder die Mikroben wurden von ganz anderen Böden oder in anderen Ländern isoliert, und sie können sich nicht etablieren und werden von den einheimischen Pilzen und Bakterien verdrängt.

Wichtig ist auch, dass Pflanzenarten sehr unterschiedlich auf nützliche Mikroorganismen reagieren. Das Fehlen von systematischen Untersuchungen unter Feldbedingungen sowie das grosse Angebot an unterschiedlichen Produkten macht es schwierig, gute Empfehlungen zu geben. Das Potenzial ist da und die guten Produkte werden sich langfristig bewähren.

StandPunkt im Oktober-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

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