Return to site

StandPunkt: Schweizer Konsumenten für Schweizer Getreide sensibilisieren

Fritz Glauser vom SGPV über Herausforderungen und Zukunft der Schweizer Getreideproduktion

· Pflanzenbau,Agrarpolitik
Fritz Glauser, Präsident Schweizerischer Getreideproduzentenverband SGPV über Herausforderungen und Zukunftsaussichten in der Schweizer Getreideproduktion

«StandPunkt» von Fritz Glauser,
Präsident Schweizerischer Getreideproduzentenverband SGPV

Bei der Getreideproduktion in der Schweiz muss klar zwischen der Produktion von Brot- und Futtergetreide unterschieden werden. Die Brotgetreide-Fläche liegt nach einem Rückgang bis zum Jahr 2006 nun stabil bei rund 82'000 ha (davon circa 90 Prozent Weizen). Die Fläche mit Futtergetreide (ohne Körnermais) hat im selben Zeitraum deutlich von 64'500 ha auf 45'000 ha abgenommen. Im Jahr 1990 betrug die Futtergetreidefläche noch über 100'000 ha.

 

Aktuell ist die Situation zwar recht stabil, doch dies ist stark von der Entwicklung der Agrarpolitik abhängig. Es kann auch festgestellt werden, dass gerade die Gerste wegen dem ÖLN – resp. Fruchtfolge-Auflagen – nicht mehr abnehmen kann. Auch wenn sie wirtschaftlich uninteressant ist.

Im Hinblick auf den Selbstversorgungs-Grad zeigen sich ähnliche Diskrepanzen. Die Versorgung mit Brotweizen ist im Schnitt mit 85 Prozent auf einem Niveau angelangt, das die Branche unbedingt halten will. Dabei geht es der Branche auch um die Erhaltung der nachgelagerten Stufen im Inland.

 

Beim Futtergetreide beträgt der Selbstversorgungs-Grad lediglich 40 bis 50 Prozent. Hier muss allerdings zwischen den verschiedenen Getreidearten unterschieden werden. Zum Beispiel wurde beim Futterweizen im Jahr 2016 bei einer verwertbaren inländischen Produktion von knapp 38'000 Tonnen eine Menge von 273'000 Tonnen importiert. Es fehlt also vor allem der Futterweizenanbau.

Herausforderungen

Das Hauptproblem in der Getreideproduktion ist, dass die Konsumenten in der Schweiz nur bedingt auf eine Schweizer Herkunft bei Produkten mit Getreideanteilen achten. 

 

Bei Fleisch und Gemüse ist ein Trend Richtung regionale Produkte erkennbar und vielen Konsumenten ist die Schweizer Herkunft auch etwas wert. Bei Brot und Fertigprodukten mit einem Getreideanteil ist die Nachfrage deutlich geringer. Ausser IP-Suisse fehlen etablierte Labels in diesem Bereich. Hier ist fehlende Transparenz im Verkaufsregal mitverantwortlich für das fehlende Bewusstsein beim Kunden. Die Kunden gehen grundsätzlich davon aus, dass ihr Brot aus Schweizer Getreide hergestellt wird.

 

In steigender Anzahl werden verarbeitete Produkte oder Fertigprodukte direkt aus dem Ausland importiert. Sie konkurrenzieren so Schweizer Produkte. Durch den aktuell tiefen Zollansatz ist der Import solcher Produkte preislich interessant. Hier fehlt es eindeutig an einer klaren Deklarierung, um die Sensibilisierung der Konsumenten auch bei diesen Produkten zu erreichen. Der Verein «Schweizer Brot» versucht, genau diese Sensibilisierung zu fördern. 

 

Beim Futtergetreide ist die ganze Situation aufgrund des tiefen Selbstversorgungs-Grades noch um einiges ausgeprägter. Vor allem für die Produktion von Schweine- und Geflügelfleisch ist viel Getreide notwendig. Dieses ist gar nicht in diesen Mengen in der Schweiz vorhanden. Aktuell ist es nicht umsetzbar, die Swissness über die ganze Herstellungskette bis zum Endprodukt Fleisch mit Schweizer Rohstoffen sicherzustellen. Doch die Branche ist bestrebt, den Schweizer-Rohstoffanteil im Kraftfutter auf über 50 Prozent zu bringen. Dies führt zu einer Verteuerung der Produktion. Die Branche sucht einen Weg, wie mit diesen Mehrkosten umzugehen ist.

Zukunftsaussichten

Die Zukunft der Getreidebranche hängt stark von der Weiterentwicklung der Agrarpolitik (Freihandelsabkommen, Trinkwasser-Initiative, Entwicklung der Pflanzenschutzmittelbestimmungen, AP22+ (Verteilung der DZ), Ackerbau- und Kulturbeiträge, usw.) und der Ansprüche der Konsumenten ab.

 

Wenn die Swissness auch auf die Futtermittel ausgedehnt würde, hätte dies sicher einen positiven Effekt auf den Futtergetreideanbau. Allgemein ist die wirtschaftliche Attraktivität der Getreidekulturen im Vergleich zu anderen Ackerkulturen ausschlaggebend für die Grösse der Anbaufläche in der Schweiz.

StandPunkt im August-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

All Posts
×

Almost done…

We just sent you an email. Please click the link in the email to confirm your subscription!

OKSubscriptions powered by Strikingly