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StandPunkt: Feldroboter – Wundermittel oder Spielzeuge?

Beat Schmid, Redaktor Landtechnik «die grüne» über Feldroboter

· Landtechnik,Smart Farming,Pflanzenbau
Beat Schmid, Redaktor Landtechnik «die grüne» über Feldroboter – Wundermittel oder Spielzeuge?

Was versteht man unter einem Feldroboter? Ist das eine Einrichtung, die ohne fremde Hilfe eine Arbeit vollständig selbst erledigt? Oder ist bei einem Feldroboter bloss ein Teil einer Maschine automatisiert (wenn z.B. eine Kamera ein traktorgezogenes Hackgerät auf Spur hält)? Oder ermöglichen Roboter gar komplett neue Anbautechniken, die man sich heute noch gar nicht vorstellen kann, weil sie völlig losgelöst sind von bestehenden Verfahren?


Ich bin überzeugt, dass verschiedene Entwicklungs-Stufen auf uns zukommen werden. Heute können die Feldroboter jedoch nicht mehr, als bestehende Verfahren automatisieren. In Zukunft werden sie für mehr Präzision sorgen und beispielsweise Pflanzenschutzmittel genauer und bedarfsgerechter platzieren.


So weit ist es allerdings noch lange nicht. Im Gegensatz zu ihren Roboter-Kollegen im Stall haben es die elektrisch betriebenen Feldroboter schwer. Sie sind nicht fix installiert wie ein Melkroboter oder fahren nicht die immer gleichen Wege wie ein Mistroboter.


Ihr Umfeld ändert fortlaufend wegen Bodenbeschaffenheit, Gelände oder Fahrspuren. Das benötigt viel mehr Sensoren als im Stall. Dazu kommt der Sicherheits-Aspekt: Der Feldroboter darf das Feld nicht verlassen und sich selbstständig machen. Und auf keinen Fall darf er Menschen oder Tiere überfahren. Auch das braucht zusätzliche Kameras und Sensoren. Allein mit GPS findet der Roboter zwar seinen Weg. Auf Hindernisse kann er aber nicht reagieren.


Feldroboter sind genau wie selbstfahrende (Post-)Autos in der Schweiz juristisch im Stadium «Versuch». Die gesetzlichen Anforderungen in Sachen Sicherheit sind noch nicht klar definiert. Das hemmt die Entwicklung.


Mich fasziniert es, zu beobachten, wie ein Feldroboter zwischen Pflanzenreihen ein Hackgerät durchs Feld zieht. Mit dieser Faszination bin ich nicht allein. Feldroboter haben etwas von einem Science-Fiction-Film. 

 

Vorführungen wie am Feldtag am Inforama Rütti anfangs Juni ziehen die Leute in Scharen an. Und sie wecken das Kind im Erwachsenen: Kommt der Roboter aus der Spur, oder muss er am Feld-Ende eine neue Spur finden, lenkt man ihn wie ein Spielzeugauto mit der Fernsteuerung. Das macht Spass, aber alltagstauglich ist es nicht. Nützlich wird ein Roboter erst, wenn er ein Feld komplett selbst bewirtschaftet. Die Geräte werden vor allem spritzen und hacken. Schwere Zugarbeiten sind nicht möglich, weil die elektrischen Antriebe zu schwach oder die Speicherkapazitäten zu gering sind.


Schon jetzt haben die Gemüsebau-Betriebe eine Vorreiter-Rolle. Sie werden die Ersten sein, welche Roboter ernsthaft einsetzen – und nicht nur zu Versuchszwecken oder aus Neugierde. Im Gemüsebau können Roboter Pflanzen einzeln behandeln. Soweit ist man im Ackerbau nicht. 


Bei der Einzelpflanzen-Behandlung können die Roboter ihre Präzision ausspielen. Der Nutzen ist nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich, wenn die verwendete Menge an Pflanzenschutzmitteln um bis zu 90 Prozent sinkt.


Das wirtschaftliche Potenzial ist im Gemüsebau gross und hier werden sich diverse Roboter-Systeme etablieren. Für den Ackerbauer hingegen sind Roboter noch weniger interessant. Und je extensiver die Produktion, desto weniger nützt die Präzision eines Feldroboters.

 

StandPunkt im August-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

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