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Firma Stähler: «Heute brauchen wir noch Pflanzenschutz»

Stähler Suisse SA – Der Pflanzenschutzmittel-Händler im Portrait

· Pflanzenbau

Die Firma Stähler aus Zofingen AG vertreibt Pflanzenschutzmittel in der Schweiz. Sie wächst jedes Jahr. Wie das trotz politisch rauem Klima möglich ist, erklärt Andreas Friedli, Leiter für technisches Marketing und Entwicklung.

Andreas Friedli von der Firma Stähler kennt sich mit Pflanzenschutz bestens aus. Bevor er zu Stähler kam, hat er sich bereits bei Ciba & Geigy, Syngenta und Maag Agro seine Sporen abverdient. «Bei Stähler haben wir eine überschaubare Grösse. Dadurch sind die Entscheidungswege kürzer und wir können flexibler arbeiten», erklärt Friedli. Bei Stähler ist er Leiter für technisches Marketing und Entwicklung.

Stähler konnte seit 2003 den Marktanteil in der Schweiz von 15 Prozent auf heute 20 Prozent steigern. Dafür gibt es aber noch andere Gründe als die Flexibilität des Betriebes.

«Wir haben im Bio-Bereich zulegen können. Wir bieten Pflanzenschutz für alle an, also auch für Bio-Landwirt. Der Schlüssel für unseren Erfolg am Markt ist aber generell im Aussendienst und der Beratung zu suchen», verrät Friedli.

 

Seiner Ansicht nach haben hier Mitbewerber am falschen Ort gespart und Stellen gestrichen, denn: «Pflanzenschutz ist eindeutig Vertrauens-sache. Selbst gut ausgebildete Landwirte mit einem grossem Wissen über den Pflanzenschutz schätzen es, wenn sie kompetent begleitet werden.» Und genau diese kompetente Begleitung will man bei Stähler mit 20 Verkaufsberatern erreichen.

Gemäss dem vom Bund verabschiedeten Aktionsplan Pflanzenschutz soll der Staat die öffentlich-rechtliche und damit unabhängige Beratung stärken. Eine Kampfansage an den Aussendienst von Firmen wie Stähler? 

Friedli nimmt das gelassen. «Ich verstehe, dass die Kantone theoretisch unabhängiger beraten könnten. Beim Pflanzenschutz gilt aber praktisch eine Verfügbarkeit rund um die Uhr, und dies während der ganzen Woche innerhalb der Pflanzenbau-Saison. Und diese Bereitschaft und auch Kompetenz bei den Kantonen aufzubauen, halte ich doch eher für eine politische Träumerei», ist Friedli überzeugt. 

Die Politik tangiert Stähler aber auch in anderen Bereichen: Volksinitiativen wie die Trinkwasser-Initiative oder die Pestizidverbots-Initiative zielen mit grossem Geschütz direkt auf das Herz des Geschäftsmodells der Firma.

 

Friedli wird auch privat wöchentlich auf die Thematik angesprochen. «Meist hören die Leute etwas in den Medien und wollen von mir wissen, ob das wirklich stimme. Dabei herrschen oft verzerrte Wahrnehmungen der Realität», hat er festgestellt. Während Friedli privat gerne Fragen beantwortet oder noch lieber zurückfragt, so hält sich die Firma Stähler aus dem Abstimmungskampf heraus. Zwar nimmt man teilweise an Podien teil oder hilft mit bei einer fachlichen Argumentation. Politik betreibt man allerdings aufgrund mangelnder Glaubwürdigkeit nicht. «Uns ist klar, dass wir selber vom Pflanzenschutz profitieren und darum nicht die besten Botschafter in dieser Angelegenheit sind», weiss Friedli. Er sieht den Lead hier bei den Verbänden und den Produzenten. Denn primär seien sie es, die auf den Pflanzenschutz angewiesen sind.

Wenn er weiter in die Zukunft blickt, so sieht Friedli im Bereich der Pflanzenzüchtung das grösste Potenzial für die Einsparung von Pestiziden und eine ökologischere Landwirtschaft: «Heute aber sind wir noch auf Pflanzenschutzmittel angewiesen, um unsere Ernten zu sichern.»

Darum wird er selbst beide Initiativen ablehnen, wobei ihm diejenige für ein Pestizidverbot sympathischer wäre. «Die Trinkwasser-Initiative ist für mich eine reine Egoisten-Initiative. Eine heile Welt bei uns erhalten und die Probleme ins Ausland auslagern, ist für mich keine Lösung», so Friedli. Die Pestizidverbots-Initiative wäre gemäss Friedli ehrlicher, da sie ebenfalls auf die importierten Lebensmittel abziele.

Ein Abstimmungs-Ja zu einer der Pestizid-Initiativen wäre für die Firma Stähler nicht das Ende

Ein Ja bei einer der beiden Initiativen würde die Rahmenbedingungen zwar auf dem Kopf stellen, jedoch ist Friedli überzeugt, dass die Firma in anderer Form weiterhin Bestand hätte.

Friedli vergleicht die Situation von Stähler mit jener eines ganz normalen KMU: «Die Rahmenbedingungen können sich heutzutage sehr schnell ändern. Als Firma muss man hier immer flexibel bleiben, aber das geht nicht nur uns so.» 

Das Problem der Parallelimporte bei Pflanzenschutzmitteln ist mehrheitlich entschärft

Nebst der Politik machten der Branche eine Zeit lang auch die Parallel-importe von Pflanzenschutzmitteln zu schaffen. Dieses Problem sei heute aber mehrheitlich entschärft. «Früher bestanden teilweise massive Preisdifferenzen zwischen den gleichen Produkten in der Schweiz und im grenznahen Ausland», gibt Friedli zu.

Das hat einige Anwender von Pflanzenschutzmitteln zu Parallelimporten verleitet. Seit dem Internet sei das aber vorbei, berichtet Friedli. Heute gebe es einen Preiskorridor für den gesamten europäischen Markt mit nur mehr kleinen preislichen Differenzen.

Zu diesem Thema gibt Friedli zu bedenken, dass es in der Schweiz keine wirkliche Kontrolle gibt, was genau importiert wird. «Es besteht die Gefahr, dass einmal Ware ohne Registrierung in die Schweiz gelangt. Wenn wir dann einmal einen Skandal – beispielsweise mit Rückständen in Lebensmitteln – haben, gibt es sicherlich strengere Regelungen für Parallel-importe.»

Trotz rauem politischem Klima steht man bei Stähler zu dem, was man tut. «Wir sind nicht grüner als unser Image, nur weil wir auch viele Bio-Landwirte bedienen», sagt Friedli unumwunden. Man vertreibe modernsten Pflanzenschutz – und grün sei nur ein Teil davon. Er wünschte sich, dass die Landwirtschaft generell nicht so sehr auf diesen Zug mit der heuchlerischen Werbung aufgesprungen wäre.

«Anstatt ein verstaubtes Image zu pflegen, hätte man gescheiter die Realität der landwirtschaftlichen Produktion gut abgebildet und verkauft», kritisiert Friedli. Die Rechnung für dieses Versäumnis sei nun in Form von Initiativen eingetroffen. Noch ist offen, wer wie viel von dieser Rechnung bezahlen muss.

Bericht im Oktober-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

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