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Lüftungstechnik gegen die Sommerhitze in Stall und Melkstand

Mit optimaler Bauweise und Lüftungstechnik die Milchleistung erhalten

· Tierhaltung
Im Stall und im Melkstand verbessern eine optimale Bauweise und Lüftungstechnik das Wohlbefinden von Kühen und Melkerei.

Kühe ertragen die Sommerhitze schlecht. Im Melkstand kann es 30 Grad heiss werden. Und mit ihrer eigenen Körpertemperatur heizen die Kühe den Stall zusätzlich auf. Das Resultat: Ihre Milchleistung sinkt. Im Stall und im Melkstand verbessern eine optimale Bauweise und Lüftungstechnik wie Deckenventilatoren das Wohlbefinden von Kühen und Melkerei.

«7 Massnahmen gegen Hitze und Fliegen im Stall» am Schluss des Artikels

Im Melkraum von Ueli Bürkli in Muri AG sorgt ein Decken-Ventilator für ein fliegenfreies und frisches Raumklima. Der Magnetmotor verursacht kaum Lärm. Nur die Windgeräusche sind bei hohen Drehzahlen hörbar. «Die Kühe sollen auch bei grosser Hitze gerne zum Melken kommen. Deshalb soll das Klima im Umfeld so angenehm wie möglich gestaltet sein. Dazu gehört auch, dass der Ventilator zwar viel frische Luft fördert, aber keinen zusätzlichen Lärm macht», erklärt der erfolgreiche Viehzüchter.

Der Decken-Ventilator kühlt nicht nur die Luft. Er verhindert auch Fliegenansammlungen im Dachraum des Melkgebäudes. Oft sind es Nischen im Dachraum, in welchen sich die Fliegen besonders wohlfühlen. Je höher die Temperatur und je feuchter das Klima, desto beliebter ist der Ort.

«Der Ventilator wurde so gewählt, dass er Ansammlungen von Fliegen unter dem hellen Dach mit First-Lüftung vermeidet. Durch die Luftbewegung fühlen sich die Plagegeister dort nicht wohl», sagt Lüftungs-Spezialist Kaspar Jenni von der Jenni Lüftungen AG aus Ruswil LU.

Bevor der Decken-Ventilator montiert wurde, setzte Ueli Bürkli einen Lüfter am Boden ein. Dieser hatte eine geringere Wirkung, weil er nicht den gesamten Raum erreichte. Der Luftstrom bewegte sich vor allem im Bereich der Euter. Auf dem Rücken der Kühe vergnügten sich die Fliegen weiterhin ungehindert. Der Luftstrom erreichte den Dachraum nicht. Deshalb setzten sich die Fliegen in den geschützten Winkeln fest und stürzten sich auf die Kühe. Mit der neuen Lösung wird die gesamte Luft im Melkstand bewegt. Nun umspült kühle Luft die Kühe.

Bürkli und Jenni sind überzeugt, dass sich Investitionen für die Klimaverbesserung rasch bezahlt machen, besonders bei Milchkühen. Denn: Je weniger Probleme es im Melkstand mit Wärme und Fliegen gebe, desto eher lohne sich die Technik, wenn dadurch die Produktionsleistung gehalten werden kann.

Beim Einbau von Lüftungen unbedingt die Normen beachten und Kriechströme vermeiden

 

Ueli Bürkli gibt zu bedenken, dass die Temperatur im Melkraum ohne Gegenmassnahmen rasch 30 Grad erreichen kann. Treten dann noch 24 Kühe mit einer Körpertemperatur von 38 Grad in den Melkstand, steigt die Temperatur zusätzlich. Milchkühe wirken wie ein Ofen. Je leistungsfähiger sie sind, desto höher ist ihre Heizwirkung (siehe Schluss des Artikels).

Mit Lüftungstechnik wird im Melkbereich zusätzliche elektrische Technik platziert. Diese kann im sensiblen Umfeld Störungen verursachen. «Geräte, welche die Normen für Spritzwasserfestigkeit nicht erfüllen, können Feuchtigkeit aufnehmen. Über Leitungen und Metallteile können sie Kriechströme verursachen», so Kaspar Jenni. Hier sei die Norm IP 65 massgebend für Geräte, die auch im feuchten Umfeld störungsfrei sind.

Denn: Fühlen die Kühe ein durch Strom verursachtes Kribbeln, halten sie die Milch zurück. Euterprobleme sind die Folge. Solche können auch entstehen, wenn durch den Fehlstrom Steuerelemente der Melkeinrichtung in ihrer Funktion gestört werden.

Ein heller Stall zieht im Sommer Fliegen an, im Winter erwärmt dafür die Sonne den Raum

Im hellen Melkstand von Ueli Bürkli fühlt man sich sehr wohl. Grosse Fenster und der helle Dachfirst sorgen für ein angenehmes Arbeitsklima. Im Winter erwärmt die tief stehende Sonne den Raum. Im Sommer hingegen zieht die Helligkeit die Fliegen an. «Deshalb müsste man Melkräume eigentlich verdunkeln», gibt Kaspar Jenni zu bedenken.

Bauliche Massnahmen beeinflussen das Wohlbefinden im Sommer stark. Der Warteraum im Stall von Ueli Bürkli liegt auf der Nordseite. Wenn die Kühe abends auf das Melken warten, müssen sie nicht unter einem Wellblech-Dach mit voller Sonneneinstrahlung stehen, wo sich die Hitze anstaut. Zudem ist die Überdachung isoliert, kühle Luft tritt vom Deckenventilator in den Warteraum. Damit ist das Klima für die Kühe attraktiv und sie kommen gerne zum Melken.

Im Winter schätzen die Kühe die Sonne, deren Strahlen ganz hinten in den Warteraum fallen. «Dann ist der Nachtrieb in den Melkstand nicht immer so flüssig», so Ueli Bürkli. Aber der Nutzen im Sommer würde bei Weitem überwiegen.

Frische Luft in den Liegeboxen und genügend Tränkestellen helfen den Kühen im Sommer

Auch im Liegebereich brauchen die Kühe in allen Liegeboxen frische Luft. So entsteht kein Gerangel um die besten Plätze. Das passiert, wenn bloss einige Boxen über bessere Bedingungen verfügen.

Damit die Kühe den Sommer ohne Leistungseinbruch überstehen, müssen sie genügend Wasser aufnehmen können. Ueli Bürkli achtet auf genügend Tränkestellen, damit alle Tiere jederzeit Zugang zum Wasser haben. Zudem sei die Sauberkeit in den Wassertrögen entscheidend, damit die Kühe ihren Wasserbedarf uneingeschränkt decken können.

Damit die Kühe den Sommer ohne Leistungseinbruch überstehen, müssen sie genügend Wasser aufnehmen können. Ueli Bürkli achtet auf genügend Tränkestellen, damit alle Tiere jederzeit Zugang zum Wasser haben. Zudem sei die Sauberkeit in den Wassertrögen entscheidend, damit die Kühe ihren Wasserbedarf uneingeschränkt decken können.

Kühe als Heizkörper

Milchkühe haben eine hohe Stoffwechsel-Leistung. Je mehr Milch eine Kuh produziert, desto höher ist die Wärmeproduktion durch die Verdauungsvorgänge. Die Wärmeabgabe entspricht der Heizleistung eines grösseren Heizkörpers mit 1500 Watt. Bei einer Milchleistung von 10'000 kg liegt die Heizleistung sogar bei 2000 Watt.

7 Massnahmen gegen Hitze und Fliegen im Stall

Die Hitze bringt Kühe ins Schwitzen und die Belästigung durch Fliegen nimmt ebenfalls zu. Trotzdem ist es wichtig, dass die Kühe gerne in den Melkstand kommen und die Milchqualität nicht beeinträchtigt wird:

  1. Warteraum beschatten, ev. belüften
  2. Gebäude so planen, dass zur Melkzeit keine Abendsonne auf den Warteraum trifft
  3. Fenster abdunkeln
  4. Nach dem Waschen intensiv lüften, damit Böden rasch trocknen
  5. Viel und sauberes Wasser in den Tränken
  6. Genügend Frischluft bei den Liegestellen
  7. Nachts weiden (frische Luft, Bewegung)

Text & Foto: Beat Schmid

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