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SchweizerDeutsch: Der missverstandene Maulwurf

Die Dialekt-Kolumne von Urs Schweizer rund um den Maulwurf

· Landleben
SchweizerDeutsch | Bauern mögen den Maulwurf nicht, weil seine Haufen und Tunnel die Geräte beschädigen können. Wir holen das scheue Tier ans Tageslicht.

SchweizerDeutsch | Bauern mögen den Maulwurf nicht, weil seine Haufen und Tunnel die Geräte beschädigen können. Wir holen das scheue Tier ans Tageslicht.

Der Maulwurf sei «ein wahrhaft furchtbares Raubtier» schrieb Brehms Tierleben 1864. Dabei ist der Maulwurf kürzer und leichter als ein 20 cm langer und 100 Gramm leichter Sanggaller Schüblig. Und sein Menü besteht aus Regenwürmern, Käfern, Zweiflüglern und deren Larven.

Mit gutem Grund gab der Basler Pionier der alemannischen Mundartliteratur, Johann Peter Hebel, damals den Bauern den guten Rat: «Wenn ihr den Maulwurf recht fleissig verfolgt und mit Stumpf und Stiel vertilgen wollt, so thut ihr euch selbst den grössten Schaden und den Engerlingen den grössten Gefallen.»

Auch sprachlich gibt es ein grosses Missverständnis: Maulwurf hat nichts mit dem Maul zu tun – sondern mit dem althochdeutschen Mull (lockere Erde). Nur bei den amerikanischen und asiatischen Maulwurfs-Arten wie Sternmull und Spitzmull blieb der sprachliche Ursprung erhalten.

Weil man den Maulwurf nur selten sieht, war er ein «dankbares» Objekt für den Aberglauben. Zur Herstellung für ein ätzendes Pulver «nimm einen Mulwurf und verbrenn ihn gantz mit Huut und Haar» schrieb das Arzneiblatt im 18. Jahrhundert.

Zu guter Letzt gab es auch in der Schweizer Armee Maulwürfe: Agenten (die «im Dunkeln» verdeckt operierten) und Sappeure. Als Maulwürfe bezeichnete man nämlich auch die Soldaten des Militär-Eisenbahndienstes, die in Zürich die geheime, Atombombensichere zehnstöckige Unterirdische Kommandoanlage K85 führten. Zwischen HB und Bahnhof Stadelhofen, ironischerweise unter der Friedenskirche. Heute dient diese Anlage als Notausgang aus dem Hirschen-grabentunnel.

Text: Urs Schweizer

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