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Kartoffeln: Schwarzbeinigkeit trotz schönem Pflanzgut

Die Schwarzbeinigkeit ist eine von Kartoffel-Produzenten seit langem gefürchtete Krankheit. 

· Pflanzenbau
Kartoffeln: Die Kartoffel-Saison 2018 steht im Zeichen der Dürre. Der Pilzdruck ist entsprechend tief und die Krautfäule selten ein grosses Problem. Dafür treten vor allem bei der Sorte Agria noch spät Symptome der Schwarzbeinigkeit auf.

Die Kartoffel-Saison 2018 steht im Zeichen der Dürre. Der Pilzdruck ist entsprechend tief und die Krautfäule selten ein grosses Problem. Dafür treten vor allem bei der Sorte Agria noch spät Symptome der Schwarzbeinigkeit auf.

Andreas Keiser von der HAFL besuchte im Rahmen eines Bewässerungsprojektes mit vielen Schweizer Kartoffel-Bauern deren Felder. Dabei beobachtete er, dass in zahlreichen Feldern der Sorte Agria Schwarzbeinigkeit auftritt.

Meist sind nur einzelne Triebe einer Kartoffel-Pflanze betroffen und zeigen die typische schwarze Fäule an der Stängelbasis. Wegen der Trockenheit sind diese Stängel oft nicht mehr nass faul, sondern trocken. Ein deutliches Symptom sind jedoch die nass- faulen Mutterknollen. Da der Befall so spät auftritt, sind die Knollen unter den Stauden trotzdem schön ausgebildet und optisch gesund.

Seit Jahren beschäftigt sich Andreas Keiser mit Kartoffeln und mit der Schwarzbeinigkeit. Er weiss: «Die Trockenheit hilft, damit sich die Krankheit nicht allzu stark im Boden ausbreiten kann. Die Bakterien brauchen Wärme und Feuchtigkeit.» 

Weshalb die Schwarzbeinigkeit 2018 trotz Trockenheit häufig zu Tage tritt, ist nicht klar. Das Jahr 2017, in welchem das Saatgut für dieses Jahr produziert wurde, sei ein gutes Jahr gewesen, so Keiser. Möglicherweise führte die seit Mitte Juni 2018 herrschende Trockenheit und Hitze dazu, dass durch Bakterien befallene Triebe nicht mehr genügend Wasser transportieren konnten und so die Schwarzbeinigkeit förderten. Andreas Keiser gibt aber zu bedenken: «Die Schwarzbeinigkeit kann sich während der ganzen Vegetations-Periode ausbreiten und Knollen auch latent befallen. Von der Pflanzung bis hin zur Ernte und selbst noch am Lager.» Latenter Befall heisst, dass die Knolle den Krankheits-Erreger in sich trägt, aber selbst keine Krankheits-Symptome zeigt. Genau das macht die Bekämpfung und die Qualitätskontrolle beim Saatgut so schwierig.

Eine Möglichkeit zur direkten Bekämpfung der Schwarzbeinigkeit gibt es nicht. Bei einem Befall trotz vorbeugenden Massnahmen (siehe Kasten) bleiben den Produzenten die folgenden Massnahmen zur Schadensbegrenzung:

Bewässerung: Wichtig ist eine gezielte und bedarfsgerechte Bewässerung. Übermässige Wassergaben fördern die Verbreitung der Bakterien im Boden. Es wurde beobachtet, dass sich die Schwarzbeinigkeit entlang der Dämme in Fliessrichtung des Wassers ausbreitet.

Ernte: Wichtig ist, dass die Bodenverhältnisse bei der Ernte trocken sind. Knollen-Verletzungen (zum Beispiel infolge hoher Fallstufen) müssen unbedingt vermieden werden. Jede Verletzung der Knollen ist eine Eintrittspforte für die Krankheit. Wichtig ist daher auch eine gute Schalenfestigkeit der Knollen.

Von Schwarzbeinigkeit befallene Felder sollten erst am Schluss geerntet werden. Tritt die Krankheit nesterweise auf, empfiehlt es sich sogar, diese Nester zuletzt zu graben. Sonst besteht die Gefahr durch Infektion gesunder Posten über die Ernte-Maschine.

Lager: Knollen von Feldern mit Schwarz-beinigkeit müssen trocken gelagert und belüftet werden können. Die Krankheit kann sich sonst am Lager weiter ausbreiten. Der Abnehmer sollte informiert werden, dass er diese Kartoffeln sofort verarbeitet und vermarktet. Sonst droht die gefürchtete Nassfäule.

Die Bekämpfung der Krankheit wird durch mindestens fünf verschiedene Bakterien erschwert

Die Saatgut-Hersteller säubern im Laufe der Vegetation ihr Feld von Hand von schwarzbeinigen Kartoffel-Pflanzen.

Um den latenten Befall besser überwachen zu können, prüfen Agroscope und die Bioreba AG ausgewählte Posten mit Saatgut-Kartoffeln der Vermehrungs-Organisationen auf die Schwarzbeinigkeit.

 

Jeder Saatkartoffel-Posten wird standardmässig von Agroscope auf Viren getestet. Bei der Schwarzbeinigkeit ist das hingegen nicht der Fall. Dort gilt aktuell bei der Feldkontrolle, dass maximal fünf Pflanzen pro Are mit Schwarzbeinigkeit auftreten dürfen.

 

Es bleibt offen, ob in Zukunft im Rahmen der Pflanzgut-Zertifizierung die Pflanzgut-Posten routinemässig auf latenten Bakterienbefall untersucht werden sollen. Gemäss Keiser ist der Aufwand dazu zu gross. Es mache aber Sinn, jährlich ausgewählte Import- und Inlandposten im Labor zu untersuchen.

 

Damit könnte die Entwicklung der Bakterienpopulationen über die Jahre beobachtet werden. Denn die Tatsache, dass es mindestens fünf verschiedene Bakterien gibt, welche die Krankheit provozieren können, erschwert die Bekämpfung der Schwarzbeinigkeit zusätzlich.

Bericht im September-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

Text: Sebastian Hagenbuch

Bild: Fotolia

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