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Schwader-Vergleich: Schwaden können alle

Schwaden ist immer ein Kompromiss zwischen Qualität, Geschwindigkeit und Kosten

· Landtechnik,Pflanzenbau
Schwader-Vergleich: Neue und wieder entdeckte Schwader-Systeme wurden im Greyerzerland vorgeführt, nebst dem bewährten Kreisel-Schwader natürlich.

Neue und wieder entdeckte Schwader-Systeme wurden im Greyerzerland vorgeführt, nebst dem bewährten Kreisel-Schwader natürlich. Pick-up-Schwader sollen besonders sauber und Sternrad-Schwader besonders leistungsfähigsowie kostengünstig walmen.

Stellt das Wetter um, pressiert es mit dem Heuschwaden. Dann zählt Leistung, koste es, was es wolle. Denn wenn das Futter verregnet wird, sinken die Gehalte, den Kühen schmeckt das Futter nicht und sie geben weniger Milch.

Die Ansprüche an die Schwader sind hoch, sie müssen bei einem möglichst hohen Arbeitstempo sauber arbeiten. Dabei sollen möglichst wenig feine Futterteile mit besonders wertvollen Blättern liegen bleiben und trotzdem keine Erde das Futter verschmutzen.


Das Landwirtschaftliche Institut des Kantons Freiburg Grangeneuve (LIG) veranstaltete mit dem Freiburger Verband für Landtechnik eine grosse Schwader-Demonstration in Sorens FR. Die Frage war, was leisten die verschiedenen Systeme und wo haben sie ihre Stärken.


Drei Lehrer und Berater am LIG machten sich ans Werk: Martin Häberli, Samuel Reinhard und Pierre Aeby präsentierten insgesamt 13 Schwader. Diese decken folgende Verfahren ab (die Unterschiede der Verfahren finden sie in der Tabelle unten):

  • Pick-up-Schwader
  • Kamm-Schwader
  • Sternrad-Schwader
  • Band-Schwader
  • Doppel-Schwader und
  • Einfach-Schwader

Auf einer grossen Demonstrations-Parzelle mit flachen und hügeligen Bereichen mussten die Schwader ihr Können beweisen. Auch die Futtermenge unterschied sich: Im unteren Teil wurde der zweite Schnitt geerntet, während im oberen Teil viel Futtermasse vom ersten Schnitt lag.

Von jedem Schwad wurde durch Agroscope Posieux eine Futterprobe entnommen, um im Labor die Roh-Asche zu bestimmen und die Arbeitsqualität der Maschine zu beurteilen. Die Resultate liegen noch nicht vor.

Welches Systempasst zum Betrieb?

Die Arbeitsbreiten der Maschinen lagen zwischen 2,3 und 9 Metern. Noch grösser war der Unterschied beim Preis. Die grösste Maschine – der Pick-up-Bandschwader von Reiter – kostet über 100 000 Franken. Einkreisel-Maschinen kosten einen Zehntel davon. Trotz der extremen Preisunterschiede kamen alle Maschinen und Systeme mit den Bedingungen zurecht.
 

Welche Technik ist nun also die Beste?

«Die Frage ist, ob man das hinterste und letzte Futterteilchen im Schwad will oder nicht», erklärt Martin Häberli die Unterschiede. Wird das Futter in der Milchproduktion eingesetzt, kann mit der teuersten Technik mehr Milch produziert werden, weil mit feinen Futterteilchen mehr Nährstoffe im Schwad landen. Bewertet man die dadurch zusätzlich gewonnenen Energie- und Rohprotein-Nährstoffe, führt die teuerste Mechanisierung sogar zur kostengünstigsten Milchproduktion (siehe Berechnungstabelle).
 

Der Schwader macht das Futter nicht besser, als es ist – aber er holt das Beste raus

Die wertvollen feinen Futterteile lassen sich mit Pick-up-Schwadern am schonendsten in den Schwad legen. Das Futter wird mit einem Förderband seitlich verschoben, nachdem es mit einem Pick-up aufgenommen wurde.

Andere Systeme schieben das Futter über den Boden. Die Gefahr von Bröckelverlusten und Verschmutzung ist dabei grösser, vor allem bei aggressiver Einstellung, wenn kein Halm liegen bleiben soll. Die Qualität des Futters nimmt ab, der Verzehr auch und die Milchleistung aus dem Grundfutter sinkt. Zudem gefährdet verschmutztes Futter die Tiergesundheit.

Wer auf hohem Qualitätsniveau agiert, kann mit einem schonenden Schwader-System einen Vorteil erreichen. Die Technik muss aber optimal an die jeweiligen Bedingungen angepasst werden. Gemäss Pierre Aeby «macht ein Schwader das Futter aber nicht besser, als es ist». Die gesamte Futterbau-Strategie muss deshalb mindestens dem Niveau der Maschine entsprechen.
 

«Hat es beispielsweise Mäusehaufen, verschmutzt das Futter sowieso. Das Qualitätsdenken beginnt bei der Bestandespflege und bei der Schnitthöhe. Auch der beste Schwader kann hier nichts mehr korrigieren.». Weitere Qualitätskiller sind Fahrspuren, unregelmässige Stoppelhöhen und lückige Bestände. Einebnen von Mäusehaufen sowie Übersaaten und Walzen im Frühling verbessern die Bestandesdichte und die Tragfähigkeit. Zudem werden unerwünschte Kräuter wie Löwenzahn reduziert.


Das Risiko für Fahrspuren sieht Martin Häberli beim Güllen und Ernten im frühen Frühling auf noch nicht trockenem und nicht tragfähigem Boden.
Wer wegen bestmöglicher Futterqualität in ein teures Schwad-Verfahren investiert, muss darauf bedacht sein, das gesamte Drumherum im Futterbau auf das gleiche Niveau zu hieven.


Schwaden ist immer ein Kompromiss zwischen Qualität, Geschwindigkeit und Kosten


Die beiden Berater sind überzeugt, dass bei der Schwader-Technik noch Entwicklungspotenzial besteht. Sonst würden nicht Verfahren wie Kamm-Schwader oder Sternrad-Schwader wieder neu entdeckt, die für den Pferdezug hergestellt wurden und seither in Vergessenheit gerieten.


Der Sternrad-Schwader des italienischen Herstellers Tonutti erreicht beispielsweise eine Arbeitsbreite von 7,6 Metern, ist im Heu hangtauglich und kann mit kleineren Traktoren ab 40 PS eingesetzt werden.


Schwaden beinhaltet Zielkonflikte wie Qualität, Geschwindigkeit und Kosten. Ein System, das bei allen Punkten am besten abschneidet, gibt es nicht.


Flexibilität bei der Schwad-Ablage verteuern die Verfahren ebenfalls. Wenn ein Doppel-Schwader nicht nur mittig, sondern auch seitlich oder gar zwei Schwaden ablegen soll, wird die Konstruktion aufwändiger, schwerer und letztlich teurer. Das Gleiche gilt für die Pick-up-Band-Schwader. Allerdings können bei einer geringen Futtermenge die Schwaden aufeinandergelegt werden. So kann das Futter rationeller geborgen werden, wodurch die Kosten wieder sinken. Alles eine Frage von Kompromissen. Vielleicht versteckt sich der beste Kompromiss sogar in einem Schwad.


Bericht im September-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

Text und Bild: Beat Schmid

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