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Berufsfeld Landwirtschaft: «Unendlich viele Möglichkeiten»

Martin Schmutz von Agriprof im Exklusiv-Interview

· Agrarpolitik,Tierhaltung
Martin Schmutz von Agriprof im Exklusiv-Interview.

In der Landwirtschaft sind vielseitige junge Menschen gefragt, die gerne selbstständig arbeiten und Verantwortung übernehmen. Das macht die Lehren im Berufsfeld Landwirtschaft attraktiv, erklärt Martin Schmutz von Agriprof.

Strukturwandel, Unsicherheiten: Wieso sollen Jugendliche heute noch Landwirt werden?
Martin Schmutz: Zukunftsperspektiven und das Image eines Berufs in der Gesellschaft sind bei der Berufswahl sehr wichtig; es sind aber nicht die alleinigen Kriterien. Interesse und Freude an der Arbeit in der Landwirtschaft sind zwingende Voraussetzungen. Jugendliche mit landwirtschaftlichen Wurzeln sind weiterhin in der Mehrzahl. Aber es gibt auch Jugendliche, welche nicht aus einem landwirtschaftlichen Umfeld stammen.

Gibt es gerade bei Lernenden ohne landwirtschaftlichen Hintergrund nicht viele falsche Vorstellungen von der Arbeit auf dem Betrieb?
Es ist grundsätzlich sinnvoll, sich genau zu informieren, bevor ein junger Mensch einen Lehrvertrag unterschreibt. Dazu gehört auch eine Schnupperlehre. Denn auch die Chemie zwischen den Lernenden und der Betriebsleiter-Familie muss stimmen. Optimal ist, wenn Lernende mehrere Tage oder gar eine Woche auf ihrem künftigen Lehrbetrieb verbringen können. Die Lernenden und die Lehrmeister sind rund um die Uhr zusammen – das muss für alle Beteiligten passen.

 


Wieso entscheidet sich jemand für den Beruf Landwirt?
Der Beruf ist vielseitig, abwechslungsreich, selbstständig und zukunftsträchtig. Die Arbeit in und mit der Natur, der Umgang mit Tieren, dem Boden, den Maschinen, die Vielfalt und die hohe berufliche Selbstständigkeit sind die Hauptanreize, weshalb Jugendliche einen Beruf aus dem Berufsfeld Landwirtschaft lernen.


Kommt es in den Landwirtschafts-Lehren häufiger zu Abbrüchen als bei anderen Berufen?
Nein, das Gegenteil ist der Fall. Die Abbruchquote ist tief. Wer abbricht, hat sich meist zu wenig gut informiert oder die Chemie auf dem Betrieb hat nicht gestimmt. Solche Abbrüche könnten mit einer Schnupperlehre verhindert werden. Übrigens: In der Statistik gelten auch Stufenwechsel als Abbrüche.


Was macht die Lehre auf einem Landwirtschaftsbetrieb attraktiv?
Die Lernenden können in ihrer Lehre oft früh Verantwortung übernehmen. In der Landwirtschaft ist der Ausbildner meist auch der Betriebsleiter. Er vertraut den Lernenden seine Tiere und Maschinen an. Die Lernenden essen gemeinsam mit der Betriebsleiter-Familie und bekommen automatisch viele Entscheidungen über den Betrieb mit. Sie sind so täglich mit Unternehmertum konfrontiert. Die Berufsfachschule und der Lehrbetriebs-Wechsel sind weitere Elemente, die einen Beruf aus dem Berufsfeld Landwirtschaft attraktiv machen.


Ist Landwirt ein Beruf fürs Leben?
Eine Lehre als Landwirtin oder Landwirt bietet unendlich viele Möglichkeiten. Selbstverständlich ist die berufliche Grundbildung auf die Kompetenzen als landwirtschaftliche Fachkraft mit betriebswirtschaftlichen Grundkenntnissen ausgerichtet. Danach stehen viele Wege offen.


Wie geht es nach der Lehre weiter?
Mit einer konsequenten Weiterbildung mit Berufs- und Meisterprüfung werden die Fachkenntnisse aus der Grundbildung noch mit betriebswirtschaftlichem Know-how und unternehmerischem Wissen ergänzt.

Auch in der Landwirtschaft gilt die Leitlinie des lebenslangen Lernens. Die Lehre als Landwirt bietet beste Möglichkeiten in alle Richtungen in und ausserhalb der Landwirtschaft. Sie fördert das Verständnis für die Landwirtschaft, egal, ob die jungen Menschen in der Landwirtschaft bleiben oder in eine andere Branche wechseln.


Welche Veränderungen stehen dem Berufsbild bevor?
Die Landwirtschaft, deren Umfeld und die daraus resultierenden Erfordernisse an die zukünftigen Betriebsleiter und Fachleute sind in einem tiefgreifenden Wandel. Stichworte dazu sind etwa Landwirtschaft 4.0, Digitalisierung, Spezialisierung, Professionalisierung, Markt, Erwartungen der Gesellschaft, nachhaltige Produktion.


Ist Landwirt ein Beruf mit Zukunft?
Ja, davon bin ich überzeugt. Denn gut ausgebildete Fachleute aus dem Berufsfeld Landwirtschaft sind gefragt. Und die Weiterbildungsmöglichkeiten sind vielfältig – sie können einen Landwirt auch an eine Fachhochschule oder an die ETH führen, wenn er oder sie das anstrebt.

Zur Person
Martin Schmutz ist Agronom ETH. Er leitet seit Juni 2014 Agriprof,
den Geschäftsbereich Bildung des Schweizerischen Bauernverbandes SBV.
Vorher war Martin Schmutz Direktor des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg in Gränichen AG. Er ist verheiratet, Vater von drei Kindern und lebt in Oeschgen.

Bericht im September-Heft 2018 der Fachzeitschrift für die Schweizer Landwirtschaft

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